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Umland Garbsen Nachrichten Mehr als 1600 Schüler bei Sternmarsch
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18:56 23.08.2013
Mit bunten Plakaten und viel Zuversicht treten Garbsens Schüler für mehr Miteinander ein. Quelle: Markus Holz
Garbsen

Die größte Kundgebung Jugendlicher seit Jahrzehnten in Garbsen, ein beeindruckendes Bekenntnis gegen Gewalt, für ein multikulturelles Garbsen und ein Zeichen der Solidarität mit der Willehadi-Gemeinde: Schüler aus 13 Schulen ab Jahrgang acht sind gestern an den drei Schulzentren Berenbostel, Auf der Horst und IGS zum Marsch in den Brennpunkt aufgebrochen. Am Hallenbad sprachen Isabelle Rother vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, Eray Kaya vom Johannes-Kepler-Gymnasium, Marvin Andermann von der IGS, Landesbischof Ralf Meister, Regionspräsident Hauke Jagau und Bürgermeister Alexander Heuer. Dieter Albrecht, ehemaliger IGS-Lehrer, hatte den Sternmarsch angeregt.

Der Brandanschlag auf die Willehadi-Kirche in Garbsen hat auch die Schüler der Stadt tief bewegt. Mit einem Sternmarsch demonstrieren sie für ein friedliches Miteinander.

„Es ist kein Zeichen von Stärke, Brände zu legen. Es zeugt von Stärke, sich zu stellen und aus seinen Fehlern zu lernen“, sagte Isabelle Rother. „Wir wollen nicht täglich darüber nachdenken, ob wir abends im Krankenhaus liegen, nur weil sich einige nicht an Spielregeln halten.“ „Der Brand bei Willehadi sei ein absoluter Tabubruch“, sagte Andermann. Alle Redner kritisierten rechte Bewegungen, „die den oder die Täter schon zu kennen glauben“, sagte Heuer. Für eine Politik gegen Migranten sei aber kein Platz in dieser Stadt. „Denn es kommt nicht darauf an, woher jemand kommt, sondern wer er ist“, sagte Andermann. Landesbischof Meister forderte die Jugendlichen auf: „Lasst Euch von niemanden einreden, wer hier zusammengehört und wer nicht. Geht auf die Straße und zeigt dieses starke Wir.“

Heuer forderte Mitläufer und Straftäter auf umzukehren. „Wir geben niemanden auf, der zurückkehren will“, sagte er und bat Bürger erneut um Hinweise. Für heute, 20 Uhr, kündigte er beim Stadtfest eine neue Kundgebung an.
Markus Holz

Umfrage: Warum nimmst Du am Sternmarsch teil?

Jovina Fochler (14), Johannes-Kepler-Gymnasium: Auf meinem Plakat steht „Frieden“ in verschiedenen Sprachen, weil Garbsen verschiedene Nationen repräsentiert. Ich möchte beim Sternmarsch ein Zeichen für mehr Gemeinschaft und gegen Zerstörung in Garbsen setzen.

Joss Hagen (18), Geschwister-Scholl-Gymnasium: Es geht nicht, sich feige hinter Vandalismus zu verstecken und so Aufmerksamkeit zu erzwingen. Wir wollen die Initiative ergreifen und diese Gruppen sozial auffangen. Die Polizei kann bei solch einer Eskalation nur noch wenig tun.

Lisa Fabeck (16), IGS Garbsen: Zusammen mit anderen Schülervertretern werde ich weiße Rosen vor der Bühne ablegen und so eine offene Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben fordern. In Garbsen ist der Ausländeranteil hoch, wir alle gehören zu dieser Stadt.

Marvin Andermann (17), IGS Garbsen: Ich lehne Vorverurteilungen ab und stehe hinter unserer multikulturellen Gesellschaft. Der „Anti Rassismus Cup“ an unserer Schule war ein Anfang, die Aktion heute ist ein weiterer Schritt gegen Rassismus und Gewalt in Garbsen.

Die Energie muss umgelenkt werden

Politikverdrossenheit wird Jugendlichen oft vorgeworfen und dass es sie nicht interessiere, was um sie herum geschieht. Wer sich gestern Mittag auf dem Hérouville-Platz umhörte, wurde eines Besseren belehrt. Die Gewalt im Stadtteil, Zerstörung, Einschüchterung, Drogenhandel, der Brand der Willehadi-Kirche, das alles ist für die Schüler ganz nahe Realität. Keiner war verpflichtet, zur Kundgebung zu kommen.
„Gerade wir älteren Schüler nehmen das Thema sehr ernst und sind wie Hunderte dem Aufruf zum Sternmarsch gefolgt“, sagte Isabelle Schulz (17) vom Geschwister-Scholl-Gymnasium. Ihre Mitschülerin Kaline Steg (17) forderte mehr Toleranz: „Im Politikunterricht haben wir viel diskutiert: Wir wollen uns keine Vorurteile bilden, insbesondere nicht gegenüber Bürgern mit Migrationshintergrund. Nein, wir in Garbsen bilden eine Gemeinschaft! Und genau deshalb sind heute auch so viele von uns hier.“
Diyar Deefli (16) und Ismail Shek-Elyas (15) kritisierten, was auch Offizielle schon leise angemahnt haben: „Viele Einrichtungen sind bereits vorhanden, um die Langeweile der Jugendlichen abzufangen. Aber besonders Anti-Agressionstrainings oder Workshops in Schulen und bei der Stadt fehlen“, sagte Ismail Shek-Elyas und forderte Politiker auf, die Meinung Jugendlicher in ihre Überlegungen einzubeziehen. Problematisch werde es nämlich, sagte Diyar Deefli, wenn „Jugendliche anderswo den Kick suchen und aus weggeworfenen Flaschen oder Müllcontainern ein Abenteuer machen.“ Diese Energie müsse umgelenkt und sinnvoll genutzt werden.
Nadine Hunkert 
und Andreas Oswald

Dank des Fördervereins sind nun alte Leine-Zeitung-Ausgaben von 1882 bis 1918 digital im Stadtarchiv einsehbar. Dazu arbeiten zwei Ehrenamtliche daran, alle Artikel mit Bezug zu Garbsen aus den Jahren 1918 bis 1943 im Computer zu erfassen. Die Leine-Zeitung ist die Heimatzeitung der HAZ für diesen Bereich.

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