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Nachrichten Polizeichef: „Handy am Steuer ist eine Seuche“
Umland Garbsen Nachrichten Polizeichef: „Handy am Steuer ist eine Seuche“
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00:37 16.04.2018
Reinhard Bruns legt die Unfallzahlen für Garbsen aus 2017 vor. Quelle: Markus Holz
Garbsen

 „Handys sind eine Seuche“, sagt Ulrich Knappe. Der Leiter der Polizeiinspektion (PI)  Garbsen sitzt über den Unfallzahlen von 2017 und kommt in Rage, wenn es ums Handy am Steuer geht. 1044 Autofahrer zwischen Springe und Neustadt – so weit reicht das Gebiet der PI Garbsen – sind 2017 bestraft worden. Die Polizei hat massiv kontrolliert und wird das weiter tun. „Handynutzung im Verkehr ist der Ablenker Nummer 1 – eine unverantwortliche Rücksichtslosigkeit“, sagt Knappe

Wie oft ein benutztes Handy mitverantwortlich ist für einen der 7091 Unfälle im PI-Bereich, weiß Knappe nicht. So etwas gehört wegen der Privatsphäre nur in besonders schweren Fällen zur Untersuchungsroutine nach Unfällen. Welche Fälle das sind, haben Staatsanwaltschaft und Gerichte zu entscheiden. Die polizeiliche Kontrolle im fließenden Straßenverkehr hat einen Haken: Jeder Fall, der vor Gericht landet,  verlangt den beobachtenden Polizisten als Zeugen. Pro Verfahren sind das bis zu zweieinhalb Stunden. „Das bindet Kapazitäten, insgesamt ist die Ahndung dieses Vergehens sehr unbefriedigend“, sagt Knappe.  

Zahl der Unfälle ist leicht gesunken

Polizeichef Ulrich Knappe und sein Verkehrssicherheitsexperte Reinhard Bruns haben am Freitag die Unfallzahlen von 2017 vorgestellt. In Garbsen sind 1388 Unfälle dokumentiert, etwas weniger als 2016 (s.Grafik). Ein Unfall endete tödlich. 204-mal sind Menschen verletzt worden. Diese Zahl sinkt seit drei Jahren. Für 17 Personen endeten Unfälle mit schweren Verletzungen. „Das sind 17 zu viel“, sagt Bruns, „aber die Zahl hat wieder abgenommen.“ Das gilt für fast alle Arten von Unfällen

Die Grafik zeigt die Zahl der Unfälle und der Unfallfluchten in Garbsen seit 2013. Quelle: HAZ-Grafik

Die Parkplatzrempler, Kollisionen beim Rückwärtsfahren und Wenden machen die Hälfte aller Unfälle (700) aus. In 385 Fällen sind diejenigen, die ein anderes Auto beschädigt haben, geflohen. 38 Prozent der Fälle konnte die Polizei aufklären. Die beste Chance, sich eine Beule einzufangen, besteht auf den Großparkplätzen an den Einkaufzentren. „Beulen und Lackschrammen sind doch regulierbar“, sagt Knappe, „melden Sie sich, fahren Sie nicht weg. Denn wenn Sie das tun, fällt die Strafe erheblich härter aus.“ 

Polizei setzt weiter auf Geschwindigkeitskontrolle

Missachten der Vorfahrt und das Auffahren auf den Vordermann stehen mit je rund 150 Fällen auf den Plätzen zwei und drei. Zu hohe Geschwindigkeit gilt bei 53 Unfällen als Ursache. „Das klingt wenig“, sagt Bruns, „die Folgen sind aber oft sehr schwer. Darum werden wir nicht nachlassen mit der Überwachung.“ Mobile und stationäre Messungen der Polizei, der Stadt und der Region Hannover haben nach Bruns’ Daten dazu beigetragen, dass die Kollisionen auf der B6 an der Molkereistraße und im Bereich Hornbach deutlich weniger geworden sind. Garbsens Unfallschwerpunkte liegen dennoch weiterhin auf den B-6-Kreuzungen mit Rote Reihe (10 Unfälle), Gutenberg- (14) und Langenhagener Straße (31). Die letztgenannte Kreuzung wird voraussichtlich 2019/20 ausgebaut.

Unfälle mit Kindern nehmen ab 

Um aus den Daten herauszulesen, wo sie mit ihrer Arbeit ansetzen kann, teilt die Polizei Unfallbeteiligte in Risikogruppen ein. Das sind Autofahrer ab 65, Radfahrer, Fußgänger und Fahranfänger. 34 Senioren wurden bei Unfällen verletzt, das sind 29 weniger als 2016. In der Hälfte dieser Fälle waren die Verletzten 75 Jahre und älter. Deutlich gestiegen – von 22 auf 36 – sind Unfälle mit verletzten Fahranfängern. Eine Erklärung hat Bruns dafür nicht, wohl aber dafür, dass die Zahl der verletzten Kinder deutlich gesunken ist. Die Polizei hat vor den Schulen besonders massiv kontrolliert, hat Eltern zur Ordnung gerufen und viele Bußgelder bei jenen erhoben, die Kinder gefährden. „Verständnis ernten meine Beamten dafür bei den meisten Eltern nicht“, sagt Knappe.

Er und Bruns sehen die Situation an der IGS täglich vom Büro aus. Maximal drei Wochen zeigen die Ermahnungen einen Effekt, „dann ist wieder alles so, wie immer“, sagt Bruns. Knappe hofft für die IGS und das Schulzentrum Berenbostel, dass die Stadt die Straßenführung ändert, sobald über die Zukunft der Gesamtschule entschieden ist und der Badepark Berenbostel in Bau geht.

Von Markus Holz

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