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20:27 15.01.2015
Von Saskia Döhner
Genintelligente Bauteile können beim Fräsen und im Rennauto Fehler aufspüren und korrigieren.
Genintelligente Bauteile können beim Fräsen und im Rennauto Fehler aufspüren und korrigieren. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Berend Denkena hatte einen Traum. Der Professor vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen an der Leibniz Universität Hannover träumte von fühlenden Maschinen. Von Maschinen, die selbst merken, wenn es während der Produktion hakt. Oder besser noch: Maschinen, die diesen Fehler im laufenden Herstellungsprozess auch noch selbst korrigieren. Gemeinsam mit 40 Wissenschaftlern von zehn Instituten der Uni hat Denkena im Garbsener Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) an genintelligenten Bauteilen geforscht.

Ob ein Bauteil im Auto, das über Veränderungen seiner Materialeigenschaft direkt eine Überlastung speichert, oder eine Werkzeugmaschine, die beim Fräsen zu große Kräfte aufspürt und darauf reagiert - der Sonderforschungsbereich „Genintelligente Bauteile im Lebenszyklus“ hat gestern im PZH Beispiele für mitdenkende und mitfühlende Maschinen präsentiert. Vertreter von rund 70 Unternehmen und Organisationen waren gekommen, auch um den Grundstein für ein neues Netzwerk zu legen. Mit dabei waren nicht nur große Automobilzulieferer wie Continental und Lenze, sondern auch viele kleinere und mittlere Unternehmen aus der Region.

„So ergeben sich ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit“, sagte Prof. Peter Nyhuis vom Institut für Fabrikanlagen. Er sprach von „prozessorientierter Forschung“. Die Kette zwischen Planungs- und Fertigungstechnik werde durchgängiger. Leider hätten kleinere Firmen oft Berührungsängste mit der Uni, sagte Nyhuis. „Die Ängste sind da, aber das ist nichts, was sich nicht überwinden lässt“, betonte Prof. Ludger Overmeyer vom Institut für Transport- und Automatisierungstechnik. Gerade über Einzelkooperationen ließen sich enge Kontakte knüpfen, genauso wichtig sei jedoch ein gutes Netzwerk.

Von der Fakultät für Maschinenbau sind beispielsweise Experten für Werkstoffkunde, Umformtechnik, Fertigungstechnik und Mikroproduktionstechnik dabei, von der Fakultät für Elektrotechnik Wissenschaftler, die sich mit Informationsverarbeitung und Hochfrequenztechnik befassen.

Die Deutsche Forschungsgesellschaft unterstützt diese Grundlagenforschung mit insgesamt 28 Millionen Euro. Das Projekt läuft über zwölf Jahre, begonnen hat die Zusammenarbeit im Jahr 2005. Die „fühlenden“ Maschinen, die der Leiter des Sonderforschungsbereichs Denkena und sein Team in der PZH-Halle vorführten, sind sowohl für die Serienfertigung als auch für die zunehmende Herstellung von Einzelteilen einsetzbar. „Wichtig ist, dass die Bauteile Fehler schnell erkennen und beheben“, sagte Oberingenieur Jens Köhler, „denn Zeit ist in der Produktion Geld.“

Die Ergebnisse sind Teil einer Revolution, genauer gesagt der vierten industriellen Revolution. Hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ verbirgt sich die intelligente Fabrik mit vernetzten Produktionsprozessen. Die Forschungsergebnisse, die am Donnerstag im PZH präsentiert wurden, sollen ein Meilenstein auf diesem Weg sein.

Dem Nichtforscher erscheint dies vielleicht alles weit weg. Aber spätestens wenn ein maroder Radträger im Auto nicht erst in der Werkstatt auffällt, sondern die Überbeanspruchung schon früher signalisiert wird, etwa weil man mit Schwung einen Bürgersteig gerammt hat, wird daraus ein Stück Lebensalltag.

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