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Umland Garbsen Nachrichten Wie geht es weiter mit dem Projekt X?
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00:15 27.07.2017
Von Bernd Riedel
Das Projekt X leistet im Stadtteil Auf der Horst nach Ansicht der Mehrheit des Rates gute Arbeit. Wie soll es nun weitergehen?, fragt nicht nur die SPD-Fraktion. Quelle: Bernd Riedel, Archiv
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Auf der Horst /Berenbostel

Die Grünen schlagen dagegen vor, das Projekt wie es ist nicht nur für zwei Jahre, sondern für fünf Jahre zu verlängern. Bereits im August des vergangenen Jahres hatte der Sozialausschuss auf Initiative der SPD von der Verwaltung zu den Haushaltsberatungen für 2018 ein Konzept erbeten, das die Präventivarbeit mit Jugendlichen auch künftig  sicherstellen soll. Das Konzept wurde für Ende dieses Jahres angekündigt.

Die SPD fordert in ihrem neuen Antrag, die Stadt solle Teile der Aufgaben des Projekt X "in eigener Zuständigkeit erfüllen". Es geht dabei auch um die immer wieder diskutierte Ausweitung der Präventivarbeit auf den Berenbosteler Stadtteil Auf dem Kronsberg, die die SPD noch einmal vehement einfordert. Sie will außerdem die Vernetzung des Streetworking mit anderen Projekten im sozialen Bereich und mit der in Vereinen geleisteten Sozialarbeit.

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Detlev Beaury, Geschäftsführer der Gruppe Jugendhilfe, hatte im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass nachhaltige Arbeit nur mit mehr Personal möglich sei. Ratsfraktionsvorsitzender Karsten Vogel gab wiederholt die Marschrichtung vor: Es stelle sich die Frage, ob die Stadt sich diese Leistung einkaufe oder ob sie eine originäre Aufgabe der Stadt sei.

Die Grünen warten auch noch auf Antwort: Ihr Antrag vom Dezember des vergangenen Jahres schlägt "eine frühzeitige Verlängerung" und das "möglichst für fünf Jahre" vor. Die Fraktion der Grünen steht nach wie vor vorbehaltlos hinter dem Projekt X. Ihr Argument: Weder Polizei noch die städtische Jugendarbeit hätten die im Jahr 2013 eskalierenden Probleme im Stadtteil Auf der Horst lösen können.

Die Stadtteile Auf der Horst sowie Auf dem Kronsberg müssten "überdurchschnittliche soziale Belastungen" tragen und bräuchten "daher auch eine überdurchschnittliche Betreuung", heißt es im Antrag der Grünen. "Man muss die Erfolge sehen", sagt Fraktionsvorsitzender Dirk Grahn. "Wir möchten, dass das Projekt fortgeführt wird." Mit dem neuen Antrag der SPD hat sich die Fraktion noch nicht beschäftigt.

Heinrich Dannenbrink, Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt, sagt, es gebe weiterhin grundsätzliche Unterstützung für das Projekt X. "Die Unterstützung des Projekts liegt auf der Hand, es ist extrem wichtig für Garbsen", sagt Dannenbrink. Sie haben Beaury in die Fraktion eingeladen. Deshalb ist die Meinungsbildung in Gruppe und Fraktion noch nicht abgeschlossen. Bei der Frage nach mehr Personal ist Dannenbrink skeptisch.

"Es soll so bleiben, wie es ist", sagt Günther Petrak, Vorsitzender der Fraktion Unabhängige/Linke. Das Projekt X leiste erfolgreiche Arbeit. Die Aufgaben in städtische Hände zu übernehmen, hält Petrak nicht für richtig: "Das ist die alte SPD-Politik: alles in städtische Regie übernehmen."  Die Stadt sollte sich auf die Arbeiten konzentrieren, "die echte Verwaltungsaufgaben sind".

Die AfD als einzige Ratsfraktion ist skeptisch, was die Erfolge von Projekt X angeht: Es habe sicher nicht geschadet, aber "es gibt keine verwertbaren Zahlen", sagt AfD-Fraktionsvorsitzender Manfred Kammler. Es lasse sich nicht belegen, dass das Projekt X mit dem Rückgang der Jugendkriminalität im Stadtteil Auf der Horst zu tun habe. Für die innere Sicherheit sei außerdem die Polizei zuständig. "Wir würden uns mehr Fußstreifen wünschen, das hat die Polizei in einem Gespräch mit uns aber abgelehnt", sagt Kammler. Die AfD sehe die Notwendigkeit auch nicht, dass die Stadt eigenes Personal dafür einstelle. "Mehr Personalkosten würden den städtischen Haushalt auf lange Sicht zu sehr strapazieren", sagt Kammler.

Das Projekt X: Einzelfallhilfe und Gruppenangebote

Das Projekt X startete im Oktober 2013 im Stadtteil Auf der Horst und wird finanziert von der Stadt und der Region Hannover. Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit auffälligem Verhalten aufzufangen und ihnen eine Zukunftsperspektive jenseits von Gewalttätigkeit und Kriminalität zu eröffnen. Bei Kindern soll möglichst gar kein auffälliges Verhalten entstehen. Das geschieht über Einzelfallhilfe, Gruppenangebote, Streetwork und Vernetzung. Das Team arbeitet eng mit der Hauptschule Nikolaus Kopernikus zusammen.

Zum Team gehören die Geschäftsführerin und Teamleiterin Katharina Nickel, die Erzieherin und Anti-Gewalt-Trainerin Laura Gehrke, der Soziologe und Anti-Gewalt-Trainer Sajen Mulamoottil, die Pädagogin Türkan Zolu mit dem Schwerpunkt der Begleitung von Familien und einzelnen Jugendlichen, der Sozialpädagoge und Anti-Gewalt-Trainer Christian Hornig, Streetworker Feyzi Esef von der Stadt Garbsen sowie angehende Fachleute, die berufs- oder studienbegleitende Praktika beim Projekt X absolvieren. Sie arbeiten überwiegend im Stadtteil Auf der Horst, sind aber auch stundenweise in Berenbostel unterwegs.

Fotostrecke Garbsen: Wie geht es weiter mit dem Projekt X?
Bernd Riedel 23.07.2017
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