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Nachrichten Oberschulen - ja oder nein?
Umland Garbsen Nachrichten Oberschulen - ja oder nein?
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00:15 02.06.2016
Von Bernd Riedel
Der Schulausschuss und der Rat der Stadt entscheiden am Montag über die Einrichtung von Oberschulen in Garbsen.
Der Schulausschuss und der Rat der Stadt entscheiden am Montag über die Einrichtung von Oberschulen in Garbsen. Quelle: Bernd Riedel
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Garbsen-Mitte

Die Konstellation ist ungewöhnlich: Bisher standen, vor allem in der Bäderfrage, CDU/FDP, Grüne und Unabhängige fest gegen die SPD. In der Frage, ob Garbsen zwei Oberschulen haben soll, ist sich die Mehrheit einig, und sie ist sich einig darin, dass es schnell gehen muss, um keine Zeit aufgrund des Versäumnisses von Anmeldefristen zu verlieren.Deshalb gibt es jetzt einen Dringlichkeitsantrag und eine Sondersitzung des Schulausschusses.

Die Grünen hatten bereits signalisiert, dass sie eine vorherige Befragung der Eltern für notwendig halten. Mit einem neuerlichen Antrag werden sie nun massiver: Vor einer Entscheidung müsse die Öffentlichkeit "gründlich" informiert und eine "fundierte Äußerung des Elternwunsches über die Alternative zweite IGS oder zwei Oberschulen" eingeholt werden. Auch IHK, Handwerkskammer, Uni und Industriebetriebe müssten mit eingebunden werden. Eine Elternbefragung der Agentur bi regio habe deutlich den Wunsch einer sehr großen Zahl der Eltern nach einer zweiten IGS gezeigt, heißt es in dem Antrag. Es gehe nicht an, kritisieren die Grünen, die Umwandlung der Schullandschaft in "einem Hauruck-Verfahren" zu beschließen. Sie halten die Eile nicht für angemessen und kündigen deshalb an, gegen die Einrichtung von Oberschulen zu stimmen.

Die Politik sieht Handlungsbedarf, weil die Anmeldezahlen für Hauptschulen sinken. Bisher war die Gründung einer zweiten IGS diskutiert worden, nicht nur in den politischen Gremien, auch in den Schulen. Der Dringlichkeitsantrag der Mehrheit aus CDU/FDP, SPD und Unabhängigen sieht vor, jeweils die Hauptschule und die Realschule an den beiden Standorten Auf der Horst und Berenbostel zum Schuljahresbeginn 2017/18 zu Oberschulen zusammenzufassen – und zwar mit gymnasialem Zweig. Im Stadtteil Auf der Horst gleich zu Beginn, in Berenbostel „sobald die Schülerzahlen dies zulassen“, heißt es in der Beschlussvorlage, die auf den Dringlichkeitsantrag fußt.

Unterdessen sehen sich die Garbsener Hauptschulen falsch dargestellt: "Es ist die Unwahrheit zu behaupten, Kinder würden nicht freiwillig unsere Hauptschule besuchen", sagt Axel Dettmer, Leiter der Georg-Elser-Hauptschule, für das nächste Schuljahr hätten sich 20 Kinder, davon elf mit Förderbedarf angemeldet. "Und keines davon hat sich überhaupt bemüht, in der IGS aufgenommen zu werden. Sie sind alle freiwillig hier", sagte Dettmer am Montag.

Auch der Integrationsbeirat hat sich zu Wort gemeldet und will im Schulausschuss angehört werden:  "Bei dieser Entwicklung sind die Interessen der Angehörigen der zugewanderten Bevölkerungsgruppen in besonderer Weise berührt“, schreibt Vorsitzender Foad Kazemzadeh an den Rat. Schüler aus zugewanderten Familien würden „weit überdurchschnittlich an die Hauptschulen verwiesen“. Dort bestehe für sie kaum die Möglichkeit, den Bildungsnachteil auszugleichen. Es müsse sich konzeptionell etwas tun. Unter anderem fordert der Integrationsbeirat, Kinder von Migranten und Flüchtlingen, aber auch Inklusionskinder „gerecht“ zu verteilen.

Der Schulausschuss tagt am Montag, 30. Mai, ab 17 Uhr, der Rat ab 18.15 Uhr öffentlich im Ratssaal.

Bernd Riedel 30.05.2016
Anke Lütjens 29.05.2016
Anke Lütjens 29.05.2016