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Umland Garbsen Nachrichten In Garbsen kann der Winter kommen
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00:16 27.11.2017
Die Servicebetriebe in Garbsen bereiten sich auf den Winterdienst vor.
Die Servicebetriebe in Garbsen bereiten sich auf den Winterdienst vor. Quelle: Gerko Naumann
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Garbsen

 Noch scheint die Herbstsonne über dem Betriebshof in Havelse. Trotzdem sind dessen Leiter Meino Heuer und sein Team mit ihren Gedanken schon ganz beim Winterdienst in Garbsen. Denn dafür sind bei starkem Schneefall und Glatteis fast alle der 60 Mitarbeiter eingeteilt – „egal, ob es sich um Gärtner, Schlosser, Tischler oder Elektriker handelt“, wie Heuer betont.

Einsatz beginnt um 2 Uhr morgens

Und Winterdienst, das bedeutet „wirklich harte körperliche Arbeit“, sagt der Chef der Servicebetriebe. Die beginnt schon damit, dass der Notdienst seinen Arbeitstag bei Wintereinbruch schon um 2 Uhr morgens beginnen muss. Gegen 3 Uhr schlägt dann der Pieper auf dem Nachttisch bei 25 weiteren Helfern Alarm. „Wir befreien zuerst die Hauptstraßen vom Schnee, anschließend dann die Bereiche vor Schulen und Bushaltestellen“, sagt Heuer. Wenn dann noch Zeit sein sollte, fahren die Mitarbeiter noch in Neben- und Siedlungsstraßen – auf der Prioritätenliste stehen die aber weit hinten.

Der Winter in Garbsen kann kommen. Die Mitarbeiter der Servicebetriebe haben ihre Fahrzeuge gewartet und das Wetter per App immer im Blick.

Um auf alles vorbereitet zu sein, verfolgen Heuer und seine Kollegen das Wetter im Winter akribisch per App für das Smartphone. „Aber auch dadurch sind wir vor Überraschungen nicht sicher“, betont er. Deshalb sind die Helfer in der eigenen Werkstatt auch schon seit Wochen damit beschäftigt, den Fuhrpark auf den Winterbetrieb umzurüsten. Dazu sind die Salzvorräte aufgefüllt worden. „Mit einem harten Winter wie 2010 und 2013 rechnen wir aber nicht“, erklärt Heuer.

In diesem Silo wird das Salz gelagert. Quelle: Gerko Naumann

Klimawandel hat Folgen für Garbsen

Für die Zukunft erwartet der Leiter der Servicebetriebe Garbsen allerdings immer häufiger extreme Wetterlagen. Er hat sich intensiv mit den Folgen des Klimawandels befasst und dabei eng mit dem Meteorologen Meeno Schrader ausgetauscht und dessen wissenschaftlichen Untersuchungen verfolgt. Schrader hat unter anderem herausgefunden, dass die Temperaturen im Bereich Hannover – und damit auch in Garbsen in den vergangenen 100 Jahren um 1,4 Grad gestiegen sind.

Für den Winterdienst hat das auf den ersten Blick positive Auswirkungen. „Die Anzahl der Frosttage geht stetig zurück“, sagt Heuer. Im Gegenzug erzeugt der Klimawandel aber zum Beispiel mehr heftige Stürme und Starkregentage. „Diese Auswirkungen spüren wir in Garbsen schon heute“, sagt Heuer und verweist etwa auf den Sturm „Xavier“, dem in Garbsen rund 800 Bäume zum Opfer gefallen sind. Mehrfach waren in diesem Jahr außerdem die Rückstausysteme nach starken Regenfällen in Garbsen an ihre Grenzen gelangt. In Meyenfeld hat das etwa zu überschwemmten Straßen geführt.

„Aufhalten lässt sich der Klimawandel nicht mehr“, weiß Heuer. Trotzdem ist ihm daran gelegen, nicht nur die Auswirkungen zu bekämpfen. „Wir wollen etwas gegen die Ursache tun und deshalb möglichst viel Energie einsparen.“ So seien die Servivebetriebe etwa seit Jahren dabei, den Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Gleiches gelte für Werkzeuge wie Laubbläser und Kettensägen. „Hier geht es nicht um ein akademisches, sondern um ein reales Problem. Und wir wollen unseren Beitrag leisten, um es zu lösen“, sagt Heuer. 

Das sind die Pflichten und Rechte der Bürger

Die Mitarbeiter der Servicebetriebe sind nicht die einzigen, die im Winter Schnee räumen müssen. „Auch die Bürger sind in der Pflicht, im Morgengrauen zu schuften“, sagt Andreas Fröhlich von den Servicebetrieben. An Werktagen müssen Hausbesitzer und Mieter die Wege bis 7 Uhr freigemacht haben. An Sonn- und Feiertagen gilt eine Frist bis spätestens 9 Uhr.

Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, geht ein hohes Risiko ein, betont Fröhlich. Sollte jemand auf den glatten Wegen ausrutschen und sich verletzen, kann der Anwohner dafür haften. Im Gegensatz zu den Winterdienst-Profis dürfen Bürger allerdings kein Salz zum Streuen benutzen, weil es schädlich für die Umwelt ist.

Deshalb bieten Fröhlich und seine Kollegen am Betriebshof einen besonderen Service. Dort können sich Garbsener kostenlos bis zu 20 Liter Split abholen. Montags bis donnerstags gelten dabei Öffnungszeiten von 7 bis 15 Uhr, freitags bis 12 Uhr auf dem Gelände in Havelse, Im Alten Dorfe 37-43. Außerdem richten die Mitarbeiter einen mobilen Service ein, bei dem sie den Split auch in allen Stadtteilen kostenlos verteilen.

  

Von Gerko Naumann