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00:15 24.07.2017
Von Bernd Riedel
Das Hallenbad Auf der Horst ist bis zum 13. August wegen dringender Reparatur- und Wartungsarbeiten geschlossen.
Das Hallenbad Auf der Horst ist bis zum 13. August wegen dringender Reparatur- und Wartungsarbeiten geschlossen. Quelle: Bernd Riedel
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Auf der Horst

"Unser Ziel ist es, das Bad am Laufen zu halten", sagt Joachim Berle, Abteilungsleiter Hochbau, so dass es "möglichst ohne Ausfälle" weitergehen kann. Nötig geworden ist vor allem die Erneuerung der Überlaufrinnen. Beim 25-Meter-Becken ist das in den Vorjahren bereits geschehen. Nun ist das Sprungbecken an der Reihe. Schwimmmeister Burkhard Schäfer kann im Erdgeschoss auf die Spuren des immer wieder überschwappenden Wassers hinweisen.

"Der Beton ist wasserdicht", sagt Berle, "es sind die Fugen, die nicht mehr halten." Die Überlaufrinne wird mit einem Spezialkunststoff ausgekleidet, der über mehrere Tage aushärten muss, um funktionsfähig zu sein. Um die Überlaufrinne von beiden Seiten bearbeiten zu können, steht derzeit ein Baugerüst im Sprungbecken. Das Gerüst reicht bis an die Decke: Dort werden Schäden an Deckenplatten behoben.

Einmal im Jahr muss auch der Hubboden im 25-Meter-Becken gewartet werden. Dabei steht vor allem die Hydraulik im Fokus. Wenn alles das erledigt ist, kommen die Fliesenleger. Sie gehen beiden Becken sorgfältig ab, um eventuelle Fliesenschäden aufzuspüren und zu beheben. Die Auskleidung von Schwimmbecken mit Kacheln ist kosten- und arbeitsintensiv. Der heutige Standard bei Schwimmbädern verlangt nach langlebigeren Stahlwannen.

Es ist viel geschehen in den vergangenen Jahren: Die Fassade, das Dach, die Heizung, die Hallendecke sind sukzessive erneuert worden. "Es ist kontinuierlich repariert und gewartet worden", betont Berle. Aber das Alter des Bades lässt sich nicht verleugnen. Es ist 1972 gebaut worden - dementsprechend alt ist das Interieur. "Vor allem Regeltechnik und Lüftungsanlage sind nicht das, was man braucht", sagt Jens Köhn von der Abteilung Sport und Kultur vorsichtig.

Der Technikbereich unter den Becken im Erdgeschoss ist ein Wirrwarr aus Rohren, Kesseln und Anschlüssen: "Das müsste bei einer Sanierung alles raus und komplett ersetzt werden", sagt Berle. Vor allem die Lüftung wäre heute wesentlich größer als die alte, und so müsste das Erdgeschoss ganz und gar neu gestaltet und aufgeteilt werden.

Auch die Umkleiden und der Sanitärbereich müssten grundlegend erneuert werden. Dort ist seit Anfang der siebziger Jahre nichts Substanzielles mehr geschehen. Barrierefreiheit? Fehlanzeige. In den Toiletten wird zum Spülen an einer Kette gezogen: Das ist beinahe museumsreif. Moderne, wassersparende Technik sieht anders aus. Auch die Umkleideräume sind wenig kundenfreundlich. Es gibt keine Einzelumkleiden, nur Gemeinschaftsräume. "Das würde man heute so nicht mehr machen", sagt Köhn.

65.500 Euro sind im aktuellen Haushaltsplan für die Bauunterhaltung des Hallenbads am Planetenring eingestellt. Das muss für das ganze Jahr reichen. Gut die Hälfte wird für die derzeit laufenden Arbeiten draufgehen.

Stadtverwaltung und Politik kennen die Situation. Derzeit steht die Entscheidung über die Zukunft des Hallenbades noch aus. Wird es geschlossen oder grundlegend saniert? Nachdem die Mehrheit des Rates sich gegen ein Zentralbad und für den Wiederaufbau des Badeparks in Berenbostel entschieden hat, ist die Situation nicht einfacher geworden.

Der geschätzte Sanierungsbedarf für das Hallenbad Planetenring liegt bei Kosten von rund 5,5 Millionen Euro. Die SPD steht auf dem Standpunkt, erst müsse der Badepark gebaut werden, dann könne man über das Bad Auf der Horst entscheiden. Das sieht die CDU/FDP-Gruppe anders: Sie fordert jetzt einen Beschluss, um Planungssicherheit für die städtischen Haushalte in den nächsten Jahren zu haben.

Mehr Zeit für die Schulen

Für den Schwimmunterricht der Schulen wird es ab dem 14. August mehr Zeit geben. Die Grundschule Frielingen hat sich neu angemeldet. "Einmal im Jahr gibt es mit den Schulen eine Belegungsgespräch", erläutert Jens Köhn. Konsequenz des aktuellen Gesprächs ist eine Neuerung: Die Frühschwimmer müssen sich an einem Tag in der Woche einschränken. Für sie ist montags nur noch von 6 bis 8 Uhr geöffnet. Ab 8 und bis 13 Uhr steht das Bad montags dann komplett den Schulen für Schwimmunterricht zur Verfügung.

Wasser raus, Wasser rein: Zeiträume

Die beiden Becken im Hallenbad fassen etwa eine Million Liter Wasser. Diese enorme Menge kann nicht vorsichtig genug abgelassen werden. "Wir könnten es schnell machen, das würde aber zu Problemen führen", sagt Schwimmmeister Burkhard Schäfer. Die Abwasserkanäle würden überflutet, und das ganze System überfordert.

Deshalb wird der Vorgang über zwei Tage gestreckt. Es ist nicht allein die Menge: Das Wasser darf keinen Chlor mehr enthalten, wenn es in das Abwassersystem komnt. Chlor verflüchtigt sich nach und nach aus dem Wasser. Es muss deshalb eine Woche lang stehen. Dann wird es wird auf Chlorgehalt und pH-Wert geprüft, und erst wenn die Werte in Ordnung sind, kann es abgelassen werden.

Gleiche Vorsicht ist beim Auffüllen der Becken angebracht: "Dieser Vorgang muss angemeldet werden", sagt Jens Köhn, die Stadtwerke würden sich sonst wundern, wohin eine solche große Menge Wasser verschwindet und nach einem Rohrbruch fahnden. Drei Tage dauert daher allein der Auffüllvorgang.

Fotostrecke Garbsen: Aussichtsloser Kampf gegen Altersschäden
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