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Nachrichten VHS-Träger und Region streiten über berufliche Erwachsenenbildung
Umland Garbsen Nachrichten VHS-Träger und Region streiten über berufliche Erwachsenenbildung
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00:58 15.04.2018
In den VHS-Werkstätten werden Menschen wieder auf einen Beruf vorbereitet, die längere Zeit arbeitslos sind. Quelle: Archiv (Andrea Weitze)
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Neustadt

 Die Region Hannover will nicht länger die Kosten der VHS Hannover Land für berufliche Erwachsenenbildung tragen. Es geht um 542.000 Euro jährlich. Ein Gutachten soll jetzt klären, welche Konsequenzen für die VHS zu erwarten sind. 

Die VHS Hannover Land ist die einzige Volkshochschule, die der Region Kosten für berufliche Erwachsenenbildung in Rechnung stellt. Im Wesentlichen geht es um Angebote, die Langzeitarbeitslosen helfen, wieder einen Beruf zu finden. Seit der Arbeitsmarktreform 2004/05 ist das Aufgabe des Bundes. Bildungsträger rechnen ihre Kurse über die Jobcenter oder Agenturen für Arbeit ab. Das tut die VHS auch. Aber sie ist teurer als andere Bildungsträger, die nicht nach Tarif zahlen, erhält deshalb weniger Aufträge, muss aber ihr Personal bezahlen. Vereinfacht: Die VHS Hannover Land arbeitet in diesem Bildungsbereich unwirtschaftlich. Was wirtschaftlich ist, bestimmt der Markt. So entstehen Defizite, die die Region bisher gedeckt hat. „Das ist auch wettbewerbsrechtlich ein Problem gegenüber anderen Anbietern“, sagt der Wirtschaftsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz

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Die Trägerkommunen der VHSGarbsen, Neustadt, Wunstorf, Wedemark und Burgwedel  – haben sich bisher auf eine Vereinbarung von 2001 berufen. Danach leistet die VHS Bildungsarbeit im Auftrag der Region und erhält die Kosten erstattet. Die Region sieht aber dafür seit mehr als zehn Jahren keine Geschäftsgrundlage mehr, weil sie gar nicht mehr zuständig ist, sondern der Bund. 

Die Träger erkennen, dass sie mit der Region zu einer Lösung kommen müssen. Eine Wirtschaftskanzlei soll klären, welche wirtschaftlichen und personellen Folgen es für die VHS hat, wenn sie den Bereich berufliche Bildung aufgibt. Die Prüfer sollen einen Zeitplan für den Ausstieg entwickeln und die VHS in der Übergangszeit begleiten. Das neue Modell soll ab 2019 Schritt für Schritt eingeführt werden. 

Nach Informationen der VHS sind 20 bis 25 Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigt. Der Personalrat der VHS hat die Trägerkommunen am Mittwoch während der Verbandsversammlung in Neustadt eindringlich gebeten, den Weg der Region nicht mitzugehen. Wenn schon ein Gutachten, dann bitte zur Frage, wie die VHS berufliche Bildung effektiver anbieten kann. „Wir haben den gesellschaftspolitischen Auftrag, zu gleichen Bildungschancen für alle beizutragen“, sagte Claudia Nicolai, stellvertretende Personalratsvorsitzende. „Wie soll das funktionieren, wenn hier gut funktionierende Strukturen zerschlagen werden?“, fragte Nicolai. Die Kommunen ließen gestern erkennen, dass sie sehr schnell eine Lösung finden wollen, um die Unsicherheit für die VHS-Mitarbeiter so kurz wie möglich zu halten. Die Region betont, dass alle Mitarbeiter aus dem Bereich berufliche Erwachsenenbildung eine Job-Garantie bei der Region haben, wenn die VHS diese Arbeit nicht mehr finanzieren kann.

Von Markus Holz