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Umland Garbsen Nachrichten Wie geht’s weiter in der Mitte?
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20:08 13.04.2015
Von Bernd Riedel
Foto: Gelbe Narzissen, Wasser, hohe Gebäude: Aber wo, bitte, geht’s zur Neuen Mitte?
Gelbe Narzissen, Wasser, hohe Gebäude: Aber wo, bitte, geht’s zur Neuen Mitte? Quelle: Bernd Riedel
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Garbsen

Eigentlich wäre so ein förmlicher Beschluss nicht mehr nötig gewesen. Die Haltung der Stadt schien klar. Sonae Sierra plant seit 2004 den Bau eines rund 20 000 Quadratmeter großen Einkaufs- und Dienstleistungszentrums gegenüber dem Rathaus. Der Vertrag enthielt zwei aufschiebende Bedingungen: Der Investor sollte ein nachvollziehbares Finanzierungskonzept vorlegen und sich außerdem im Besitz des Kinogrundstücks oder einer Kaufoption dafür befinden. Beide Bedingungen sind bisher nicht erfüllt. Überraschend bat Sonae Sierra am 23. Februar um ein weiteres Jahr Aufschub. Das lehnten Bürgermeister, Verwaltung und Ratsfraktionen einmütig ab.

Eine Woche später, am 2. März, beurkundete Sonae Sierra in Düsseldorf mit einer „vollmachtlosen Vertreterin der Stadt Garbsen“, nämlich der Mitarbeiterin des beurkundenden Notars, eine weitere Verlängerung - als sogenannten fünften Nachtrag. Mit dieser Urkunde muss sich nun der Rat beschäftigen. Die Frist war bereits dreimal verlängert worden.

Die Stadtverwaltung ist unterdessen auf der Suche nach einem neuen Konzept „für Bebauung und Nutzung gemäß den heutigen Bedürfnissen und Marktanforderungen“. Sie hat Gespräche mit früheren und neuen Interessenten aufgenommen. Dazu gehöre auch Sonae Sierra, heißt es in der Vorlage, „falls Sonae Sierra Interesse bekundet“. Wie konkret die Pläne und Vorstellungen möglicher Interessenten sind, ist nicht bekannt. Im Gespräch sind auch lokale Anbieter. Massive Zweifel gibt es an den Sonae-Plänen. Zuletzt hatte es hinter vorgehaltener Hand geheißen, der Investor habe noch nicht einen Mieter an der Hand.

Nicht mehr auf Sonae hoffen, sondern bei null anfangen

Ein Kommentar von Bernd Riedel

Sonae ist Geschichte. Jede weitere Hoffnung, dass sich diese Variante noch einmal zum Guten wendet, wäre unverantwortliche Träumerei. Garbsen ist eine unter vielen Optionen, die der Großinvestor bundesweit hat. Das ist legitim für den Investor. Aber nicht gut für Garbsen. Mancher Kommunalpolitiker mag sich vielleicht der Erkenntnis noch nicht stellen, dass Jahre vertan worden sind. Aber es ist so. Und nun muss man nüchtern an die Sache gehen.

Wer nach ganz schnellen Alternativen ruft, der muss sich fragen lassen: Wer braucht die Neue Mitte denn sofort? Niemand. Damit hat es Zeit. Man kann in Ruhe bei null anfangen. Und das sollte man auch. Zumal Rat und Verwaltung neben dem Smart-Grundstück Flüchtlingsunterkünfte vorsehen – und sich so auf ganz ?elegante Weise einen drei- bis fünfjährigen Planungsaufschub verschafft haben. Wohlgemerkt: Flüchtlingsunterkünfte sind notwendig und richtig, aber sie sollten in jedem Fall vorläufig sein.

Zurzeit gibt es in der Mitte viel Leere. Kaum jemand verirrt sich über die Woche auf den Rathausplatz. Eine dauerhafte Belebung durch Kino, Rathaus, Stadtbibliothek und Restaurants ist (noch) nicht eingetreten. Und wer vom Rathaus nach Westen blickt, schaut auf Autos und drum herum auf Wiesen, einen künstlichen Teich und Schrebergärten.

Das kann deprimierend sein, muss es aber nicht. Auf Außenstehende wie Professor Walter Ackers, dessen Büro die Isek-Studie verfasst hat, wirkt es eher verblüffend und provoziert die Frage: Offene Landschaft in der Mitte einer Stadt – hat das nicht so viel Qualität, dass man es wenigstens als vorübergehenden Zustand gern sieht? Stillstand wäre Rückschritt, hat Stadtbaurat Frank Hauke einmal gesagt. In Ruhe aber die Möglichkeiten abzuwägen, das ist noch kein Stillstand.

Bei einer anderen Angelegenheit ist allerdings Eile geboten. Garbsen braucht in absehbarer Zeit ein angemessenes, funktionierendes Familienbad. Die Stadt hat zwar noch keine Mitte, aber sie hat Peripherien. Und die sind sehr lebendig und stark. Wie Berenbostel.

Wer ein Bad bauen will, das einer Stadt wie Garbsen angemessen ist, der muss darauf schauen, dass der Standort ausbaufähig ist, damit man nach 20 oder 30 Jahren nicht nach einem neuen Standort Ausschau halten muss. Der Berenbosteler Standort hat zweifellos Potenzial für den späteren Ausbau mit Sauna und Wellness. Für die Neue Mitte gibt es noch nicht mal einen belastbaren Plan.

Bernd Riedel 13.04.2015