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Garbsen Stelinger sorgt sich wegen Giftresten im Boden
Umland Garbsen Stelinger sorgt sich wegen Giftresten im Boden
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00:18 26.01.2019
Anwohner Florian Münkel kritisiert, dass die Region die Öffentlichkeit noch nicht über die PCB-Funde auf der Sonderabfalldeponie Sander informiert hat. Die SAD reicht bis zur Engelbosteler Straße/Dorfstraße am Ortsausgang von Stelingen. Quelle: Jutta Grätz
Stelingen

Die Region Hannover hat auch im Bereich der ehemaligen Sonderabfalldeponie (SAD) Sander zwischen Stöckener Straße und Engelbosteler Straße Giftstoffe im Boden gefunden. Bei der Überprüfung auf sogenannte Polychlorierte Biphenyle (PCB) – Chlorverbindungen, die im schlimmsten Fall auch krebsauslösend sein können – habe man Spuren festgestellt, bestätigte Regionssprecher Klaus Abelmann auf Anfrage. Bereits im vergangenen Dezember hatte die Region mitgeteilt, dass nach der Untersuchung auf einer als Weideland genutzten Fläche am Hohlen Weg stellenweise so hohe PCB-Gehalte festgestellt worden waren, dass die Weide nicht einmal mehr als Grünfutterlieferant taugte. Dort wurde in Absprache mit dem Landwirt unbelasteter Mutterboden aufgetragen worden, um die Fläche weiter zu nutzen.

Die Untersuchungen der beiden Stelinger Sonderabfalldeponien stehen kurz vor dem Abschluss. Die Region informiert voraussichtlich am 20. März über die Ergebnisse.

Die betroffenen Eigentümer der Flächen seien informiert worden, so Regionssprecher Abelmann. Von insgesamt 14 untersuchten Teilflächen am Rand der SAD Sander seien zwei Flächen leicht mit PCB belastet, bei einer dritten Flächen liege der Wert mit 25 Milligramm pro Kilogramm deutlich über dem Grenzwert, den die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung für landwirtschaftliche Nutzung ausgegeben hat. Für die betroffenen Teilflächen reichten allerdings wiederholte Untersuchungen von Pflanzen, die Stilllegung der Flächen und die Überdeckung mit Erde, sagte Abelmann.

Brände auf der Deponie

Florian Münkel gehört ein Haus an der Stralsunder Straße, östlich der Deponie Hohler Weg. Ihm liegen die Untersuchungsergebnisse der Region für beide Deponien vor. Er kritisiert das Vorgehen der Region. „Die Daten zur SAD Sander stammen bereits aus dem September 2016“, sagt Münkel. „Die Öffentlichkeit ist darüber bisher nicht informiert worden.“ Auf der Deponie Sander seien ähnlich hohe PCB-Werte wie auf der SAD Hohler Weg gemessen worden, schreibt Münkel in einem Brief an die Garbsener Ratsfraktionen.

Münkel sorgt sich nicht allerdings nicht nur um die Werte. „Im Gegensatz zur SAD Hohler Weg hat es auf der Deponie Sander zur Zeit der Bewirtschaftung oft gebrannt“, erinnert er sich. „Als Kind habe ich dort häufig gespielt.“ Der studierte Bauingenieur befürchtet, dass sich die Giftstoffe durch die Brände in Brandgase umgewandelt und in der Umgebung abgelagert habe. Auch andere Stelinger berichten von Bränden auf der Deponie Sander in den Sechziger- und Siebzigerjahren.

„Keine Gefahr“

Wenn Vorsichtsmaßnahmen eingehalten würden, gehe von dem PCB im Boden keine Gefahr aus, sagt Dieter Schrenk, Lebensmittelchemiker und Toxikologe an der Technischen Universität Kaiserslautern. Sollten die Chlorverbindungen jedoch chemisch auf Hitze reagieren, könnten weitaus giftigere Stoffe entstehen. Diese könnten auch durch Rauchpartikel verteilt werden. Um das zu prüfen, müssten allerdings Bodenproben im Umkreis der Deponie vor allem in der Windfahne eines eventuellen Brandes genommen werden, so Schrenk. Ein Grundwasserschaden sei sehr unwahrscheinlich, da sich die Giftstoffe sehr schlecht in Wasser lösen. Anlieger Münkel fordert insbesondere wegen der Verteilung durch Rauch weitere rasterartige Bodenuntersuchungen.

Region informiert am 20. März über Altlasten

Über die Sonderabfalldeponien in Stelingen haben am Dienstag auch die Vertreter des Ortsrats Berenbostel/Stelingen gesprochen. Die CDU/FDP-Gruppe im Rat hatte nach den Hinweisen des Anwohners Florian Münkel Untersuchungen von Boden und Grundwasser beantragt. Die Region Hannover wird im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung am Mittwoch, 20. März, um 18 Uhr über die Bodenuntersuchungen auf den beiden Stelinger Sonderabfalldeponien SAD Sander und Hohler Weg informieren. Umfassende Brunnenuntersuchungen in Stelingen und Einsicht in das Krebsregister hatten die Garbsener Grünen gefordert. Die Region habe Proben aus 21 ausgewählten Hausbrunnen genommen, schreibt die Verwaltung. Gefunden wurden Schwermetalle wie Zink, Nickel und Kupfer, jedoch kein PCB und sogenannte leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW). Das Wasser könne mit entsprechenden Verhaltensregeln überall weiter genutzt werden, heißt es. Daher werde die Stadt keine kostenfreien Brunnenuntersuchungen anbieten. Zur auffälligen Häufigkeit von Krebserkrankungen in Garbsen gebe es weder beim Landesgesundheitsamt noch bei der Region eine Statistik. jgz

Von Jutta Grätz

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