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Garbsen Vertrag ermöglicht den Bau einer Straße nach Langenhagen
Umland Garbsen

Straße zwischen Garbsen und Langenhagen: Vertrag soll das Problem L 382 lösen

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16:29 07.01.2020
Friedhelm Fischer und Christian Grahl unterzeichnen den Vertrag „über die Abstufung der Landesstraße 382 zur Gemeindestraße“. Gäste sind Politiker, die das Thema seit Jahrzehnten begleiten. Quelle: Markus Holz
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Garbsen/Langenhagen

Kein anderes Straßenbauprojekt ist in Garbsen mehr als 50 Jahre diskutiert worden – und so oft gescheitert: Die Rede ist von der Verbindung zwischen Berenbostel durchs Köllingsmoor nach Schulenburg. Garbsens Bürgermeister Christian Grahl und Friedhelm Fischer, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau, haben am Mittwoch einen Vertrag unterzeichnet, der zumindest neue Bewegung in das alte Projekt bringen wird, neue Hoffnung weckt und nach Einschätzung der Unterzeichner die entscheidend neue Grundlage wird.

Warum ist der Vertrag wichtig?

Das letzte Planungsverfahren scheiterte vor Gericht: Die Städte Garbsen und Langenhagen hatten den Bau der Straße bei der Region beantragt, komplett durchgeplant und die Finanzierung geregelt. Das Verwaltungsgericht Hannover entschied 2012 jedoch: Beide Städte sind dafür die falschen Absender, denn es handelt sich um eine Landesstraße. Nur das Land darf den Bau der Straße beantragen. Das Land baut aber seit Jahrzehnten keine Straßen mehr – Sackgasse. Mit dem Vertrag verliert die neue Straße jetzt ihre Klasse Landesstraße.

Was steht im Vertrag?

Im Vertrag steht, dass die Rote Reihe ab 2020 eine Regionsstraße und die Dorfstraße bis zur Ampel bei Stelingen eine Gemeindestraße wird. Bis Ende 2019 heißt das alles noch Landesstraße 382 und ist die offizielle Umleitungsstrecke für die A 2 Richtung Berlin. Die neue Tangente wäre, statt der Ortsdurchfahrt Berenbostel, auch die neue L 382 geworden.

Der Vertrag regelt weiterhin, dass das Land die Dorfstraße vom Ortsausgang Berenbostel bis Stelingen grundlegend saniert, bevor sie Eigentum der Stadt wird. Das soll im Frühjahr 2020 passieren. Zeitnah will die Stadt jetzt selbst den Bau des Radweges planen.

 

Was gehört noch zum Paket?

Das Paket heißt „Umwidmung von Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen“. Novum in Fischers Konzept ist, dass ein Teil der Mecklenheidestraße in Hannover ab der Bundesstraße 6 und die Stelinger Straße in dem Abschnitt entlang des Kraftwerks und der A2-Abfahrt Schwarze Heide bis zum Abzweig Langenhagener Straße nach Schulenburg eine Landesstraße und neue A2-Umleitungsstrecke wird. Bis jetzt ist sie eine Regionsstraße. Entscheidend ist: Die B 6 wird über das Straßennetz in Hannover mit der nächsten Landesstraße verbunden und nicht mehr über die neu gebaute Tangente durchs Köllingsmoor. Diese ist damit keine Landesstraße mehr, sondern nur noch eine Gemeindestraße.

Wer kam auf die neue Lösung?

Die Idee hat viele Väter, der Druck kam von vielen Seiten: Im Landtagswahlkampf 2017 versprach Ministerpräsident Stephan Weil, das Vorhaben zu unterstützen. Die Landtagskandidaten Editha Westmann (CDU) und Rüdiger Kauroff (SPD) hatten das Thema im Prospekt. Grahl sowieso und mit ihm seit Jahrzehnten die Kommunalpolitiker Werner Baesmann, Jens-Holger Göttner, Gunther Koch, Dieter Roggenkamp und der verstorbene Unternehmer Robert Hesse. Westmann zog den damaligen CDU-Spitzenkandidaten und heutigen Verkehrsminister Bernd Althusmann zum Stutzen an der Langenhagener Straße und zeigte ihm das unfertige Projekt. Nach der Wahl wies Althusmann die Landesbehörde an, eine Lösung zu suchen. „Das war Politik mit gesundem Menschenverstand“, lobte Westmann. Weils Staatskanzlei forderte ebenfalls eine Lösung ein.

„Da dachte ich nur: Die spinnen die Römer“, sagte Fischer am Mittwoch. „Ich soll schaffen, was keinem in 50 Jahren gelungen ist?“ Fischers Fachleute tüftelten über Monate am Landesstraßennetz, erst weiträumig, dann kleinteiliger bis zum jetzt unterschriebenen Vertrag. Fischer selbst hat seit 1996 mit dem Thema zu tun. Er war damals Bürgermeister in Langenhagen. „Ich weiß nicht, ob das jetzt zu 100 Prozent gerichtsfest ist“ sagte er, „aber ich meine, der Vorstoß hat sehr gute Chancen.“ Der Bau ist keine Landesstraße mehr. Die Straße werde Gewerbeflächen und das Neubaugebiet Berenbostel-Ost erschließen und erhalte eine große kommunale Bedeutung, von der Entlastung der Dorfstraße ganz abgesehen.

Was passiert jetzt?

Die Straße wird über 1,6 Kilometer Acker- und Weideland führen. Zwei Drittel der Strecke liegen auf dem Gebiet Garbsen, ein Drittel auf Langenhagener Seite. Grahl will jetzt zuerst mit Landwirten aus Garbsen und Langenhagen sprechen. Er wolle mit ihnen einen Weg finden, „damit niemand unzumutbare Nachteile erleidet“, sagte er. Heinrich Dannenbrink (CDU Garbsen) appellierte am Mittwoch eindringlich, die Straße über heute bestehende Wege zu bauen. Die Ackerflächen seien daran ausgerichtet.

Zeichnet sich eine Einigung mit den Landwirten ab, muss die Stadt eine Reihe von Gutachten in Auftrag geben. Ein Knackpunkt werden unter anderem die Fledermaus- und die Laubfroschkolonien. „Wenn wir alles berücksichtigen, brauchen wir für die Planung etwa fünf Jahre“, sagte Garbsens Straßenbauchef Dirk Perschel. „Das sind die Vorschriften“, sagte Grahl, „unser Ziel ist es, das deutlich schneller hinzukriegen.“ Er kündigte an, das Gewerbegebiet hinter dem Flüchtlingswohnheim zu erweitern und Berenbostel-Ost zügig zu entwickeln.

Was sagt Langenhagen?

Ohne Langenhagen geht es nicht. Offiziell sagt noch niemand etwas. Grahl und sein Amtskollege Mirko Heuer stehen in Kontakt. Heuer kennt den Vertragsinhalt und „steht dem Vorhaben offen gegenüber“, wie Grahl sagte. Über Details sei nicht gesprochen worden. Heuer wird wie immer bisher mit Widerstand aus Schulenburg und Godshorn rechnen müssen, weil davon auszugehen ist, dass die neue Straße auch mehr Verkehr auf die enge Ortsdurchfahrt ziehen wird. Ob das so kommt, weiß niemand. „Die SPD Langenhagen unterstützt den Straßenbau“, versicherte Karsten Vogel (SPD Garbsen) am Mittwoch.

Wozu das Ganze?

Weil bei Anliegern an der Dorfstraße die Kaffeetassen auf dem Teller tanzen und weil das Wohnen an der Dorfstraße so keine Qualität hat“, sagt Rüdiger Kauroff. Er war im Wahlkampf 2017 von Anwohnern eingeladen worden und hatte es selbst erlebt. Der Lkw-Verkehr habe sich vervielfacht, Staus auf der A 2 und der A 352 seien fast alltäglich und damit auch der Ausweichverkehr. Aber die Straße sei schmal geblieben. „Ich dachte erst, das wird nie mehr realisiert. Aber die tanzenden Tassen haben mir gesagt: Es muss etwas passieren. Die Menschen dort sollen wieder in Ruhe leben können.“ Stadt und Land wollten Unmögliches doch noch möglich machen, sagte Grahl. „Darum sind wir hier angetreten.“

Von Markus Holz

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