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Garbsen Mehr als 100 Besucher informieren sich über Südlink
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Tennet in Garbsen: Mehr als 100 Besucher informieren sich über Südlink

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00:17 02.06.2019
Bürgerinitiativen, Landwirte, Grundbesitzer und Einwohner informieren sich über den aktuellen Stand der Südlink-Planung. Quelle: Markus Holz
Garbsen

Der Netzbetreiber Tennet hat am Mittwochabend über den aktuellen Planungsstand zum Südlink informiert. Es war der dritte sogenannte Infomarkt in der Nordwest-Region Hannover. Geschätzte 130 Besucher haben in der Aula am Planetenring die Gelegenheit genutzt, um Fragen zu stellen und zu protestieren. Zuvor hatten Politiker mehrerer Kommunen die Möglichkeit, Fragen hinter verschlossenen Türen zu stellen.

Auf welchem Stand ist das Projekt?

Tennet und die beteiligten Projektpartner haben sämtliche denkbaren Abschnitte bei der Bundesnetzagentur zur Entscheidung vorgelegt. Tennet bevorzugt die Westtrasse via Neustadt, Garbsen und Seelze. Der Infomarkt ist Teil der letzten Phase der Bürgerbeteiligung, bevor die Netzagentur gegen Ende dieses Jahres über den Korridor entscheidet. Zu dieser Phase gehört die Möglichkeit, bis zum 12. Juli eine Stellungnahme bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Danach werden Planfeststellungsverfahren mit allen Details für die einzelnen Abschnitte eröffnet – und Bürger sowie Kommunen werden erneut um Stellungnahmen gebeten. Der Stromtransport von der Küste nach Süddeutschland soll 2026 in Betrieb gehen. Hier finden Sie den Verlauf der Westtrasse. Bei der Stadt Garbsen sind alle Unterlagen einsehbar.

Wie breit werden die Baustellen?

Tennet rechnet derzeit mit Baufeldern von maximal 55 Metern Breite entlang der etwa 1,60 Meter tiefen Gräben. Vor Baubeginn wird der Boden untersucht, um den Einsatz der Technik exakt zu planen. Bodenkundliche Ingenieure überwachen die Planung, den Bau und die Wiederherstellung des Bodens.

Wie groß ist der Schutzstreifen?

34 Meter. In diesem sensiblen Feld über den vier Kabelpaaren darf nicht gebaut werden. In dem Korridor dürfen auch keine Bäume wachsen. Landwirtschaft soll weiterhin möglich sein.

Wie werden Grundbesitzer entschädigt?

Wer Land für den Südlink zur Verfügung stellen muss, erhält eine einmalige Entschädigung. Sie richtet sich nach dem Verkehrswert und der Nutzung des Grundstücks. Zahlen nennt derzeit niemand. Tennet zahlt für Einbußen während der Bauzeit. Landwirte erhalten dauerhaft Ausgleichszahlungen, sofern sie nachweisen können, dass der Ackerstreifen über dem Kabel weniger Ertrag bringt als die Flächen neben dem Korridor. „Darum sind wir bemüht, den Boden sehr zu schonen – alles andere würde uns sehr viel Geld kosten“, sagt Elisabeth Benecke, Sprecherin des Tennet-Projektteams.

Grundstücksbesitzer, Landwirte, Bürgerinitiativen und Einwohner informieren sich bei Tennet und den Projektpartnern über den aktuellen Stand der Südlink-Planung.

Landwirte kontra Südlink

Christian von Alten, Landwirt aus Lathwehren mit Pachtflächen in Kirchwehren, kritisierte sowohl die Technik der Erdkabel als auch die geplante Entschädigungspraxis. Die Politik habe noch nicht verstanden, dass die Erdkabel die Bodenstruktur der Flächen und das Wachstum die Pflanzen nachhaltig veränderten. Die Kapillarwirkung des Boden werde durch die Erdkabel unterbrochen. „Es wächst nichts mehr oder weniger – wir müssen unsere Bewirtschaftung anpassen“, sagte er. „Und was passiert, wenn die Kabel kaputtgehen?“ Von Alten fordert wie viele andere Landwirte den Bau der Stromtrasse unter vorhandenen Wegen. Auch der Rat in Neustadt habe das in seiner Stellungnahme gefordert.

Tennet hält dagegen: „Derzeit gibt es keine wissenschaftliche Studie, die wirtschaftliche Schäden für die Landwirtschaft erwarten lässt“, erklärte Benecke. „Wir werden das Fundament der Kabel und den Ackerboden weitgehend so herstellen, dass er wieder eine Kapillarwirkung hat. Der Boden wird Schicht für Schicht abgetragen und so auch wieder eingebaut“, sagt Benecke. Landwirtschaftliche Wege für das Kabel zu nutzen, lehnt Tennet ab. Denn: Wege wieder herzustellen sei teurer als Ackerboden zu ersetzen.

Landwirt Joachim Wieding aus Horst hält das gesamte Projekt für technisch veraltet. „Extrem wichtig ist mir, dass das Kabel wieder abgebaut wird, wenn es außer Betrieb geht. Dafür muss die Bundesrepublik garantieren. Nicht dass es so läuft wie bei der Atomkraft und beim PCB im Klärschlamm – hinterher will für den Müll keiner zuständig sein.“

Bürgerinitiative fordert erneut Verzicht

Die Garbsener Bürgerinitiativen informieren am Mittwoch, 12. Juni, 19 Uhr, im Vereinsheim Meyenfeld, Vor dem Moore, über das Eingabeverfahren und den aktuellen Stand. „Uns geht es nicht um unsere Vorgärten“, sagt Angela Thimian-Milz von der BI. „Wir halten die Technologie für veraltet. Viele Fragen sind ungeklärt. Wir wissen ja noch nicht einmal, welchen Energiebedarf Bayern zum Beispiel tatsächlich hat.“ Auch Marianne Knust aus Osterwald zweifelt am Sinn des 50-Milliarden-Euro-Projekts. „Unternehmen können Fabriken aus Süddeutschland auch nach Norden verlegen – das ging ja in Richtung Billiglohnländer auch.“

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Von Markus Holz und Jutta Grätz

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