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Sicherheit Jeder kann Opfer sein: Täter kennen alle Tricks
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22:31 05.05.2013
Beugen Sie vor: Melanie Haßlöcher von der Polizei erklärt in vielen Vorträgen, wie sich jeder vor Verbrechern schützen kann. Quelle: Christian Franke
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Garbsen

Oma sitzt am Fenster, beobachtet die Straße, registriert jedes Auto, jeden Fußgänger. Für viele Nachbarn ein unangenehmes Bild. Sie fühlen sich überwacht. Aber ein Auge auf die Umgebung zu haben, kann etwas Gutes mit sich bringen, sagt Melanie Haßlöcher. Die 38-jährige Oberkommissarin gehört seit knapp vier Jahren zum Präventionsteam der Polizei Garbsen. Für sie steht Nachbarschaftshilfe auf der Liste ganz oben, wenn es darum geht, Verbrechen zu verhindern. „Das hat nichts mit Neugier zu tun. Oma macht es Verbrechern schwer“, stellt sie klar.

Haßlöcher steht vor gut 30 Senioren der AWO Meyenfeld - ein Vortrag von vielen, die sie jedes Jahr hält. Raus zu den Menschen, Kontakt halten und vor allem: Angst abbauen. Denn sie kennt die Berührungsängste der älteren Menschen. „Ich will ihnen die Scheu nehmen“, sagt sie. Ihnen sei es oft peinlich, Opfer einer Straftat zu werden. „Bei älteren Herrschaften geht das meist schneller und leichter“, sagt sie. Viele melden die Straftaten aber nicht - aus Scham. Vollständig verhindern lassen sich Verbrechen mit ihren Tipps nicht. Das weiß Haßlöcher. Aber: „Es ist besser vorzubeugen, als hinterher den Schaden zu regulieren“, sagt sie. Neben Tipps wie Nachbarschaftshilfe gibt sie je nach Art des Verbrechens wertvolle Hinweise.

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Antworten auf viele Fragen gibt die Polizei auf der Internetseite polizei-beratung.de. Aber auch ein Anruf bei der Polizei Garbsen unter Telefon (05131) 7014515 kann helfen.

So werden Sie hereingelegt: Drei Fallbeispiele

Haustürgeschäfte

Die Masche: An der Eingangstür, am Arbeitsplatz, auf dem Bürgersteig – sogenannte Haustürgeschäfte werden fast überall versucht. Verkäufer gehen auf verschiedene Arten vor, aber haben nur ein Ziel: Ihr Geld. Beliebt ist das Anbieten von Dachdeckerarbeiten. Hausbewohner sehen nicht, was auf dem Dach passiert. Am Ende wird ihnen eine horrende Rechnung präsentiert. Meist sind die Opfer so überrumpelt, dass sie dem Geschäft zustimmen. Oft setzen die Täter auch auf den Mitleidseffekt. Sie geben beispielsweise vor, gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und pleite zu sein. Als Haustürgeschäfte gelten übrigens auch die Kaffeefahrten, bei denen minderwertige Produkte für einen hohen Preis verkauft werden. Meist geschieht das unter hohem psychologischen Druck der Verkäufer. Für die Fahrten kommt die Einladung meist per Post, oft verbunden mit einer vermeintlichen Gewinnbenachrichtigung – ein Lockmittel. Die Geschäfte geschehen meist in einer rechtlichen Grauzone. Oft sind es keine Straftaten. Übers Ohr gehauen werden Sie trotzdem.

Der Rat: Gehen Sie auf keinen Fall auf Angebote an der Haustür ein! Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht überrumpeln. Und auch wenn es Ihnen schwerfällt, sich gegen Ihr Gewissen zu entscheiden – Ihr Mitleid ist nicht nötig. Die Täter kalkulieren vielmehr damit. Und an Kaffeefahrten sollten Sie sowieso nicht teilnehmen. Wenn Sie sich doch einmal auf ein Geschäft eingelassen haben, haben Sie in der Regel ein 14-tägiges Rücktrittsrecht. Nutzen Sie es und erkundigen Sie sich bei der Verbraucherzentrale. Die informiert auch generell über Haustürgeschäfte, Termine unter Telefon (0511) 911960.

Trickbetrug

Die Masche: Ein Mann klingelt an der Tür. Er trägt Arbeitskleidung, vielleicht einen Overall, und gibt sich als Handwerker aus. Zurzeit ist bei Betrügern besonders beliebt, sich als Heizungsmonteur oder Wasserwerker zu verkleiden. Sie bitten um Zugang zum Heizungskeller. Häufiger Vorwand: ein Wasserrohrbruch in der Nachbarschaft. Während ein Täter Sie ablenkt, durchsucht ein Komplize das Haus. Der hatte sich draußen versteckt. Nach einigen Minuten verschwindet der falsche Handwerker – häufig mit der Auskunft, es sei „alles in Ordnung“. Ist es aber nicht, denn der Komplize ist mit der Beute weg. Meist erbeuten die Betrüger Schmuck oder Geld. Der Klassiker unter den Trickbetrügereien ist der Enkeltrick. Jemand gibt sich am Telefon als Verwandter aus (Standardfrage: „Weißt Du, wer hier ist?“), bittet um Geld und lässt es von einem Boten abholen.

Der Rat: Niemand ist verpflichtet, jemanden in seine Wohnung zu lassen. Seien Sie wachsam – benutzen Sie Ihre Gegensprechanlage und schauen Sie durch den Türspion. Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen. Doch Achtung, der könnte gefälscht sein! Rufen Sie in jedem Fall das Unternehmen an, das der Handwerker als seinen Arbeitgeber angibt. Wichtig: Suchen Sie sich die Telefonnummer selbst aus dem Telefonbuch oder im Internet heraus. Wenn Sie den Betrüger fragen, haben Sie mit Sicherheit einen Komplizen am Apparat. Generell gilt: Seien Sie misstrauisch, wenn Sie oder Ihre Hausverwaltung keinen Handwerker bestellt haben. Den Enkeltrick versuchen die Betrüger auch gern mit anderen Verwandten, wie Neffen oder Onkel. Seien Sie wachsam, wenn sich jemand ohne Namen meldet.

Einbruch

Die Masche: Häufig kommen sie im Dunkeln. Aber auch tagsüber sind sie aktiv: Einbrecher. Oft genügt einfaches Werkzeug, ein Schraubendreher oder ein Brecheisen. Sie hebeln ein Fenster oder eine Tür auf, durchsuchen die Wohnung, stecken Wertgegenstände ein und laufen davon. Manche gehen aber auch rabiat vor. Dann schlagen sie eine Scheibe ein, um an den Fenstergriff zu kommen. So kommen sie in die Häuser. Meist dauert so ein Einbruch nur wenige Minuten. In der Regel haben es die Diebe auf Schmuck und Geld abgesehen. Aber auch Elektrogeräte wie Laptops und moderne Mobiltelefone sind beliebte Beute. Besonders aktiv sind die Einbrecher im Winter und während der Urlaubszeiten. Und auch wenn eine hohe Hecke den Blick des Nachbarn auf Ihren Teller verhindert – sie verhindert gleichzeitig auch, dass er sehen kann, wenn bei Ihnen etwas Verdächtiges vor sich geht.

Der Rat: Schließen Sie in jedem Fall Ihre Türen und Fenster ab! Wenn möglich, drehen Sie den Haustürschlüssel zwei Mal im Schloss herum. Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren sollten, wechseln Sie zur Sicherheit den Schließzylinder aus. Sollte Ihre Tür ein Glasfenster haben, lassen Sie keinesfalls den Schlüssel von innen stecken. Den Schlüssel zu verstecken, zum Beispiel unter der Fußmatte, ist ohnehin eine ganz schlechte Idee. Außerdem gibt es verschiedene einbruchhemmende Türen und Fenster. Dann brauchen die Einbrecher länger, um sich Zugang zu verschaffen. Und mehr Zeit bedeutet ein größeres Risiko, entdeckt zu werden. Häufig lassen es Täter dann ganz sein.

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