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Garbsen Trinkwasserpreis: Darum ist Garbsen Spitzenreiter in Niedersachsen
Umland Garbsen

Trinkwasserpreis: Darum ist Garbsen Spitzenreiter in Niedersachsen

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17:39 24.05.2020
1,75 Euro kosten 1000 Liter Trinkwasser in Garbsen. Damit ist der Wasserverband Garbsen-Neustadt Spitzenreiter in Niedersachsen.
1,75 Euro kosten 1000 Liter Trinkwasser in Garbsen. Damit ist der Wasserverband Garbsen-Neustadt Spitzenreiter in Niedersachsen. Quelle: Chris Gossmann (Archiv)
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Garbsen/Neustadt

1,75 Euro zahlen die Garbsener für einen Kubikmeter Trinkwasser. Damit sind sie Spitzenreiter in Niedersachsen. Das geht aus einem Vergleich hervor, den der Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen (BdSt) durchgeführt hat. Dabei wurden in den 25 größten Städten in Niedersachsen die Wohnnebenkosten betrachtet, darunter Abfallgebühren, Abwassergebühren, Rundfunkbeitrag – und die Kosten für das Trinkwasser. Schematisch hat der Steuerzahlerbund diese Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt in einem 120 Quadratmeter großen Einfamilienhaus verglichen.

Das Ergebnis: Bei einem Trinkwasserverbrauch von 132 Kubikmetern pro Jahr – das sind umgerechnet 132.000 Liter – zahlt die Musterfamilie in Garbsen 356 Euro und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt von 283 Euro jährlich. Ähnlich hoch sind die Kosten auch in Hildesheim (350 Euro), Langenhagen und Hannover (beide 343 Euro). Schlusslicht in Niedersachsen ist Lingen (Ems) mit jährlichen Kosten von 164 Euro. Im Vergleich aller Wohnnebenkosten landet Garbsen auf Platz fünf hinter Peine, Celle, Braunschweig und Hannover.

Lesen Sie auch: Hier geht es zum kompletten Vergleich der Wohnnebenkosten des BdSt

„Das Rohrnetz muss saniert werden, das erklärt den hohen Wasserpreis“: Sebastian Kratz, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserverbands Garbsen-Neustadt, wirbt um Verständnis für den Preis. Quelle: Linda Tonn

900 Kilometer Rohrnetz

Dafür, dass die Anwohner in Garbsen – und in großen Teilen von Neustadt – für das Wasser aus dem Hahn vergleichsweise viel zahlen, hat Sebastian Kratz, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserverbands Garbsen-Neustadt, eine einfache Erklärung: „Dafür wird auch viel ins Rohrnetz und in die Verteilungsanlagen investiert.“ Der Verband versorgt 115.000 Einwohner in Garbsen und Neustadt, bis auf die Kernstadt, Poggenhagen und Suttorf. Mehr als 30.000 Hausanschlüsse sind das. Dazu kommen etwa 900 Kilometer Rohrnetz und zwei Wasserwerke in Dedensen und Hagen.

Die in den Sechziger- und Siebzigerjahren verlegten Leitungen seien in die Jahre gekommen und müssten Stück für Stück erneuert werden, sagt Kratz. Zudem werde die Wassergewinnung immer schwieriger. In Hagen etwa sei der Nitratwert im Grundwasser sehr hoch.

Bis 2011 lag der Trinkwasserpreis des Wasserverbands noch bei 90 Cent pro Kubikmeter. Gleichzeitig schnellte die Zahl der Rohrbrüche in die Höhe. Der Verband beschloss ein langfristiges Programm, um die Rohre zu sanieren. „Wir sind genau an dem Punkt angelangt, an dem das Netz ausgetauscht werden muss“, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer. Und das kostet Geld.

Wasserpreis muss Sanierungskosten decken

Eine leichte Erhöhung des Wasserpreises reichte nicht aus, um die Kosten zu decken, deshalb wurde er immer weiter angehoben. „In unserem Versorgungsgebiet ist der Preis so hoch, weil wir angefangen haben, die Netze zu erneuern“, sagt Kratz. Sobald andere Versorger ebenfalls damit beginnen würden, würde auch dort der Preis steigen.

Investitionen in Anlagen: Der neue Brunnen im Wasserwerk Hagen ist im Januar 2020 ans Netz gegangen. Quelle: Wasserverband Garbsen-Neustadt

Ein Wasserversorger habe keine Gewinnabsicht, so Kratz. „Der Preis darf nur so hoch sein, dass unsere Aufwendungen gedeckt werden. Wir verschwenden kein Geld.“ Zudem würden die Kosten von der Kommune überwacht, auch die niedersächsische Landeskartellbehörde habe ein Mitspracherecht. Der Wasserpreis werde jedes Jahr neu kalkuliert.

„Ehrlich gesagt überrascht es mich, dass noch keine andere Kommune nachzieht“, sagt Kratz. Denn auch die Unterhaltung der Anlagen sei teuer.

Trinkwasser in Niedersachsen ist günstig

Im deutschlandweiten Vergleich ist das Trinkwasser in Niedersachsen günstig. Laut dem Statistischen Bundesamt zahlten die Bürger 2016 im Schnitt 1,63 Euro pro Kubikmeter. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen lag der Kubikmeterpreis bei 2,44 Euro, in Hessen bei 2,24 Euro. Im bundesdeutschen Schnitt liegt der Preis aktuell bei etwa 2 Euro. „Damit liegen wir in Garbsen immer noch darunter“, sagt Kratz.

Tägliche Wasserabgabe nimmt zu

Seit 1990 ist der Wasserverbrauch pro Kopf in Deutschland von täglich 147 auf etwa 127 Liter gesunken. Die Wasserversorger wie der Wasserverband Garbsen-Neustadt stoßen dennoch immer öfter an ihre Grenzen. „Wenn es warm und trocken ist, steigt die tägliche Abgabe immer höher“, sagt Sebastian Kratz. Und das seit etwa 2014. Flossen im Versorgungsgebiet in einem normalen Juli täglich 17.000 Kubikmeter durch die Leitungen, waren es im vergangenen Juli teilweise bis zu 23.000 Kubikmeter am Tag – ein Allzeit-Maximum in den vergangenen 60 Jahren. Deshalb zog der Wasserverband im Sommer 2019 die Reißleine und forderte die Nutzer in Garbsen und Neustadt auf, Wasser zu sparen. Mehr noch: Der Verband sprach sogar ein sogenanntes Nutzungsverbot für Trinkwasser aus, das heißt, der Garten durfte nicht bewässert und das Auto nicht gewaschen werden. „Im April 2020 waren wir diesem Szenario auch schon wieder bedrohlich nahe“, sagt Kratz. Denn nach Wochen ohne Regen stieg der Wasserbedarf von Tag zu Tag an. „Die Tagesspitzen sind extrem“, sagt Kratz. Auch dafür müssten die Anlagen künftig ausgebaut sein.

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Von Linda Tonn