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Garbsen Wünschewagen bringt Garbsener nach Polen
Umland Garbsen Wünschewagen bringt Garbsener nach Polen
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11:47 14.12.2018
Von Garbsen aus bricht der Wünschewagen mit dem Ehrenamtlichen Fabian Dranicki (Mitte) mit dem Ehepaar Dariusz und Maria Fluda ins polnische Ustka auf. Quelle: ASB Niedersachsen
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Garbsen/Ustka

Vor 15 Jahren hat Dariusz Fluda seine Frau kennengelernt, in Ustka, einem polnischen Badeort an der Ostsee. Anfang Dezember ist der Garbsener dorthin zurückgekehrt – ein letztes Mal. Denn der 59-Jährige hat Lungenkrebs und wird nicht mehr lange leben. Es war sein Herzenswunsch noch einmal den Strand in Polen zu sehen, an dem sich sein Leben entscheidend verändert hat. „Viele Todkranke wollen das Meer noch einmal sehen“, sagt Julia-Marie Meisenburg vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). „Bei Fluda war es anders: Er wollte unbedingt zum Ort des ersten Kennenlernens zurück.“

Es ist eine gleichzeitig traurige und berührende Aufgabe, die Meisenburg und ihr Team innehaben. Sie arbeiten für den Wünschewagen Niedersachsen des ASB – und kennen und erfüllen die letzten Wünsche von todkranken Menschen. Ob Zepellin-Fahrt, Hochzeit des Enkels oder Ausflug zum Hamburger Hafen: Die Ehrenamtlichen begleiten die schwerkranken Menschen im gut ausgestatteten Rettungswagen kostenlos bei ihren letzten Reisen. Fludas dreitägige Fahrt nach Polen war die erste Auslandsreise des spendenfinanzierten Wünschewagens. Maria Nieboj-Fluda, die Ehefrau des schwer krebskranken Garbseners, wusste um das letzte Vorhaben ihres Mannes. Als tatsächlich abzusehen war, dass der 59-Jährige nicht mehr lange leben würde, kontaktierte sie den ASB. „Innerhalb weniger Tage hat das Team die Reise organisiert“, erzählt Meisenburg. Medizinstudent Fabian Dranicki und Pfleger Timo Tillmann begleiteten das Ehepaar auf der 12-stündigen Fahrt ins 690 Kilometer entfernte Ustka.

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Garbsener trifft Tochter wieder

Gemeinsam besuchten sie die Orte, die vor 15 Jahren von großer Bedeutung waren. „Sie haben im gleichen Hotel übernachtet und bei einem Ausflug sogar die Bank wiedergefunden, auf der sich sich zum ersten Mal geküsst haben“, sagt Meisenburg. So als würde er noch einmal alle verfügbaren Kräfte zusammengespart, habe Dariusz Fluda den ersten Tag fast ohne Medikamente überstanden. Besonders rührend sei gewesen, dass der Garbsener bei dieser letzten Reise auch seine Tochter Magdalena nach acht Jahren wiedersehen konnte, erzählt Meisenburg. Sie sei aus Danzig an die Ostsee gekommen, um sich vom Vater zu verabschieden – gemeinsam mit ihrem Sohn Marciej, den Fluda zu ersten Mal getroffen habe.

Eigentlich dachte der 59-Jährige, der als Kurierfahrer bei der Stadt Hannover gearbeitet hat, er habe den Krebs besiegt. Ende 2017 war er nach Bestrahlung und Chemotherapie als geheilt erklärt worden. Er schmiedete Pläne für Reisen mit seiner Frau, wollte das Leben genießen. Doch dann kam die Krankheit zurück – in einer ganz besonders aggressiven Form und unheilbar. „Bei seiner Rückkehr nach Garbsen hat Dariusz Fluda gesagt, dass er noch maximal zwei Wochen leben werde“, sagt Meisenburg. Das sei ein Moment, in dem die Wünscheerfüller immer ganz besonders schlucken müssten. „Aber meistens haben unsere Mitfahrer Recht“, so Meisenburg. Viele sterben kurz nach dieser intensiven letzten Reise. Doch mit dem erfüllten Wunsch fiele den Angehörigen das Abschiednehmen leichter, sagt Meisenburg.

Info: Das Wünschewagen-Projekt lebt ausschließlich von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und dem Engagement hunderter Ehrenamtlicher. Geldspenden nimmt der ASB auf folgendem Konto entgegen: Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V., Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE07 5139 0000 0060 8253 51, Stichwort: Wünschewagen.

Von Linda Tonn