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Gehrden Dürfen todkranke Menschen ihr Leben selbst beenden?
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Dürfen todkranke Menschen ihr Leben selbst beenden?

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20:12 04.12.2019
Viele Gästen verfolgen das Gespräch auf dem Podium: (von links) Superintendentin Antje Marklein, Nikolaus und Anne Schneider sowie Moderator Heinz-Jürgen Görtz. Quelle: J. Richter
Barsinghausen

Was ist, wenn ein geliebter, todkranker Mensch den Wunsch hat, zu sterben? Wie gehen Angehörige und Freunde mit dieser Situation um? Was ist erlaubt und was nicht? Über das Thema Sterbehilfe haben Anne und Nikolaus Schneider, evangelischer Theologe und früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), in der Petruskirche diskutiert. Mehr als 100 Gäste verfolgten das Gespräch des Ehepaares, zu dem die Initiative Ökumenische Gespräche in Kooperation mit der Calenberger Diakoniestiftung und der ambulanten Hospizdienst Aufgefangen eingeladen hatte.

Das Ehepaar Schneider gehört selbst zu den betroffenen Menschen, die sich mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen mussten. Vor fünf Jahren war Anne Schneider an einer aggressiven Form des Brustkrebses erkrankt. Sie und ihr Mann, der wegen der Erkrankung seiner Frau vom EKD-Ratsvorsitz zurücktrat, positionierten sich damals unterschiedlich – und begründeten ihre Entscheidung jeweils mit ihrem christlichen Glauben. Moderiert von Heinz-Jürgen Görtz, katholischer Theologe und früher Professor an der Leibniz-Universität Hannover, sprach das Ehepaar über die Zeit, als beide öffentlich über ihre jeweilige Haltung zur aktiven Sterbehilfe diskutierten – und damit Aufsehen erregten.

„Wenn nichts mehr hilft, will ich in die Schweiz fahren, um dort Sterbehilfe zu erfahren“, hatte Anne Schneider sich damals gewünscht. Ihr Mann hätte sie begleitet. Eine gesetzlich geregelte Sterbehilfe in Deutschland lehnt er aber ab. Über die Diskussionen von Anne und Nikolaus entstand das Buch „Vom Leben und Sterben“, das im Neukirchner Verlag erschienen ist. Daraus lasen beide zum Ende der Veranstaltung eine kurze Passage vor.

Noch immer haben beide unterschiedliche Ansichten über die Sterbehilfe. Schon vor der Erkrankung von Anne Schneider hatte das Ehepaar in der Öffentlichkeit über das Thema diskutiert – auch beim Kirchentag in Hannover. Damals schilderten beide ihre Erfahrungen mit dem Krebstod ihrer jüngsten Tochter Meike. „Miteinander reden hilft“, betonte Nikolaus Schneider. „Es ist eine gewisse Form der Verarbeitung für uns beide. Aber wir sind nicht die einzigen, es sind viele, die auch betroffen sind.“

Nach Ansicht von Nikolaus Schneider soll der Staat soll das Leben grundsätzlich schützen und bewahren. Deshalb müsse er Rahmenbedingungen schaffen, in dem auch das Sterben geschützt werde, sagt er. Das heiße, dass gute Bedingungen nötig seien, wie eine gut ausgestattete Palliativmedizin, gute Pflege und ein Wissen über den Umgang mit Sterbenden. „Die Würde des Menschen steht an erster Stelle auch im Sterben“, betonte Nikolaus Schneider. Deshalb dürfe der Staat auch keine Regelung treffen, wie Menschen getötet werden. In Ausnahmesituationen und in Barmherzigkeit gegenüber dem Sterbenden könne dessen Sterbenszeit verkürzt werden.

Auch Anne Schneider meint, dass der Staat das Leben schützen soll. Es dürfe aber keinen Zwang zum Leben geben, sagt sie. Ein Mensch müsse seine Sterbensphase in freier Entscheidung verkürzen können. Wichtig ist ihr eine Beratungspflicht für Sterbewillige. Kein Arzt dürfe zur Sterbehilfe verpflichtet werden. Aber sie wolle, dass es eine rechtliche Freiheit des einzelnen Menschen gebe, selbstbestimmt zu sterben.

Superintendentin Antje Marklein dankte dem Ehepaar Schneider für seine Offenheit. Anstatt eines Honorars, auf das die Gäste verzichtet hatten, wurden am Ausgang Spenden für den Fuchsbaus im Ambulanten Hospizdienst, eine Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, sowie das zukünftige stationäre Hospiz in Barsinghausen gesammelt.

Von Lisa Malecha

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