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Gehrden Auch mit 104 Jahren ist Anna Wach noch munter
Umland Gehrden

Gehrden: Anna Wach feiert ihren 104-jährigen Geburtstag im Haus Gehrden

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19:00 12.08.2019
Anna Wach feierte ihren 104. Geburtstag im Haus Gehrden unter anderem mit Tochter Ilona Niehörster (68). Quelle: Mario Moers
Gehrden

Als Gehrdens älteste Bewohnerin geboren wurde, befand sich die Welt im Krieg. An der Ostfront hatte die Armee des Prinzen Leopold von Bayern am 5. August 1915 das kampflos von den Russen geräumte Warschau besetzte. In den USA kämpften Texasranger mit mexikanischen Rebellen im Banditenkrieg. Ein russischer Wissenschaftler erfand die Gasmaske mit Kohlefilter, in England trieb Winston Churchill die Entwicklung des ersten Panzers voran. Am 6. August, einem Freitag, wurde Anna Wach (wie sie nach der Heirat mit ihrem zweiten Mann heute heißt) in der nördlichsten Gemeinde Hessens, in Bad Karlshafen, geboren. Das schrieb man damals noch mit „C“ und ohne das „Bad“. Ob ihr Vater auch in dem Krieg kämpfte, den Historiker mitunter als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, bezeichnen, ist nicht ganz klar.

Geboren in Karlshafen, hat Anna Wach den großen Teil ihres Lebens in Höxter verbracht. In Gehrden feierte die 104-Jährige nun ihren Geburtstag.

Viel hat Anna Wach in ihren 104 Jahren erlebt, an alles erinnert sie sich aber nicht mehr. Für die Überlieferung ihrer Lebensgeschichte ist sie heute auf die Erinnerung ihrer jüngsten Tochter Ilona Nienhörster angewiesen. Die 68-Jährige besucht ihre geistig wache Mutter regelmäßig im Seniorenheim Haus Gehrden. Nur mit dem Hören klappt es bei Anna Wach heute nicht mehr so recht. Und mit der modernen Technik von Hörgeräten konnte sie sich nie anfreunden.

Anna Wach war das jüngste von acht Kindern. Kurz nach ihrer Geburt übernahm der Vater eine Gärtnerei in Höxter. Nachdem Anna die Volksschule absolviert hatte, begann sie als Kindermädchen zu arbeiten. „Sie erzählte manchmal davon, dass sie bei einer reichen jüdischen Familie in Karlshafen angestellt war“, berichtet ihre Tochter. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Zwei ihrer Brüder kehrten nicht mehr zurück. Dann heiratete Anna Wach. Ihr erster Mann starb an den Kriegsfolgen. Die junge Frau war nun auf sich allein gestellt. Eine Erfahrung, die ihr Leben bis heute prägt. „Sie musste sich mit Jobs über Wasser halten“, erzählt Tochter Ilona.

Die verschollene Tochter

Als Anna Wach Ende der Vierzigerjahre ihren zweiten Mann Horst kennenlernt, erlebt die junge Familie ein Szenario, das typisch ist für diese Zeit. Der kriegsversehrte Versicherungskaufmann Horst Wach hatte bereits eine Tochter, Regina. Sie war auf der Flucht in eine der größten Katastrophen der letzten Kriegstage geraten. Als eine von 1252 Passagieren hatte sie den Untergang des ehemaligen Kreuzfahrtschiffs „Wilhelm Gustloff“ überlebt – mehr als 9000 Männer, Frauen und Kinder starben, als das improvisierte Flüchtlingsschiff im Januar 1945 von einem sowjetischen U-Boot vor der Küste Pommerns versenkt wurde. Regina gelangte nach Dänemark. Erst als sie 18 Jahre alt war, sah sie ihren Vater wieder. Dieser hatte inzwischen diese neue Frau und zwei weitere Töchter. Für sie war die Rückkehr der verlorenen Tochter ein Kindheitstrauma. „Plötzlich drehte sich alles um jemanden anderes. Das war für uns wie eine Konkurrenz“, erinnert sich Nienhörster. Heute hat sie einen guten Kontakt zu ihrer Halbschwester. Die Zeit heilt Wunden. Ihre zweite Schwester Bärbel lebt nicht mehr.

Anna Wach feierte ihren 104. Geburtstag im Haus Gehrden unter anderem mit Tochter Ilona Niehörster (68). Quelle: Mario Moers

Minigolf und Italien

Nach dem Wiederaufbau beginnt für die Familie ein Lebensabschnitt, der Tochter Ilona als besonders schön im Gedächtnis geblieben ist. „Meine Mutter hat einen Minigolfplatz betrieben. Da traf man immer Leute und konnte natürlich auch spielen“, erzählt sie. Im Urlaub ging es nach Italien – typisch für die damalige Wirtschaftswunderzeit. 1968 beginnt ein neues Kapitel. Nachdem die Ehe mit ihrem zweiten Mann in die Brüche geht, lebt Anna Wach allein in Höxter. Sie verdient ihr eigenes Geld, hilft in der Gemeinde und besucht hin und wieder ihre Tochter Bärbel und deren Familie in England. „Sie war immer sehr lebenslustig“, sagt Nienhörster. Ihr eigenes Verhältnis zur Mutter war nicht immer so gut wie heute. Seit die alte Dame vor zehn Jahren zur Tochter zog, hat es sich aber deutlich verbessert. „Ich glaube, heute ist sie froh, dass sie mich hat“, sagt Nienhörster. Sie schaut freundlich zu der alten Dame im Rollstuhl, die vor dem Seniorenheim sitzt und die Wärme der Sonnenstrahlen genießt. Wenn sie gefragt wird, wie sie es gemacht hat, so alt zu werden, sagt sie: „Man darf nicht aufgeben, muss immer wieder aufstehen.“ Ihre Tochter hat da ihre eigene Theorie. „Sie kämpft, hängt unglaublich am Leben. Es ist, als ob sie daran festhält“, sagt sie. Die 104-jährige hat heute ihre Fingernägel elegant in Altrosa lackiert, trägt Goldenschmuck am Arm. Weiterleben – das ist eine Fähigkeit, die Anna Wach in ihrem langen Leben verinnerlicht hat.

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Von Mario Moers

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