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Gehrden Grüne wollen Schottergärten verbieten
Umland Gehrden

Gehrden: Grüne wollen Schottergärten verbieten

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11:00 24.05.2019
Vorgarten mit grauen und schwarzen Kieselsteinen. Die Ratsgruppe Grüne/Linke will gegen die umstrittenen Schotter- und Steingärten vorgehen. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Müssen Hausbesitzer künftig einen grünen Garten anlegen? Das zumindest wünscht sich die Ratsgruppe Grüne/Linke. Sie fordert: „Grüne Gärten statt Schotterflächen.“ Die Gruppe verweist auf die Bauordnung.

Heinz Strassmann, Vorsitzender Gruppe, kennt die Problematik. „Ein Stein- oder Schottergarten gilt als pflegeleicht, allerdings bietet er auch kaum Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge oder andere Insekten“, sagt er. Die Gruppe Grüne/Linke möchte mit ihrem Antrag erreichen, dass Grundstückseigentümer darüber informiert werden, wie sie der Bauordnung folgen und ihre Gärten als blühende Oasen insektenfreundlich gestalten können.

Aufnahme in niedersächsische Bauordnung

Die Verwaltung soll beauftragt werden, die gesetzlichen Vorgaben der niedersächsischen Bauordnung umzusetzen und in die Bebauungspläne zu übernehmen. Diese Vorgaben beinhalten, dass nicht überbaute Flächen an Häusern Grünflächen sein sollen, und dass unbebaute Flächen begrünt werden müssen. Damit sollen eine hochgradige Versiegelung als auch Schotterflächen verhindert werden. „Die Verwaltung wird gebeten, verschiedene Festsetzungen zu prüfen, um einer solchen lebensfeindlichen Versiegelung entgegen zu wirken“, sagt Strassmann.

Pflegeleicht, aber nicht vorbildlich: Auch die Stadt verzichtet weitgehend auf Grün in den Beeten in der Innenstadt. Quelle: Dirk Wirausky

Parallel dazu solle darüber informiert werden, bestehende Schottergärten zurückzubauen und Alternativen aufzuzeigen, um diese in pflegeleichte, aber sinnvolle ökologische Oasen umzugestalten. Die Stadt in ihrer Vorbildfunktion müsse darüber hinaus bestehende Schotterbeete im öffentlichen Raum in blühende Grünflächen umwandeln, fordert die Ratsgruppe.

Bauordnung verbietet Schottergärten

Hannover will ernst machen. In der Landeshauptstadt wird ernsthaft erwogen, die niedersächsische Bauordnung konsequent durchzusetzen und die sogenannten Schottergärten zu verbieten. „Es gibt eine eindeutige Regelung“, sagt Wolfgang Middelberg, Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt. Das Problem: Es wird nicht kontrolliert, ob die Hauseigentümer sich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Die Kontrolle sei ein großes Verwaltungsakt, meint Middelberg. Die Stadt Gehrden weist die Hauseigentümer im Bebauungsplan auf die Bestimmung hin. Gleichzeitig ist die Region dafür zuständig, die Verordnung auch umzusetzen. „Sie muss als zuständige Aufsichtsbehörde Stellung beziehen“, sagt Middelberg – und die Regelung durchsetzen. dw

Die Situation in Gehrden ist aus Sicht der Grünen in den Neubaugebieten eklatant. Dort sei eine teilweise vollständige Versiegelung der Grundstücksflächen zu beobachten – mit Steinplatten, Folie, Kies, Asphalt, Plastikzäunen oder Gabionen. Dabei seien die nicht überbauten Flächen von privaten und gewerblichen Grundstücken ein wichtiges Potenzial für Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren in der Stadt. Zugleich leisten diese Grünflächen einen positiven Beitrag zum Stadtklima und für ein gesundes und lebenswertes Umfeld für Menschen.

Fast 50 Prozent der Fläche ist bereits versiegelt

Auch das Umweltbundesamt sieht die Bodenversieglung inzwischen als ein großes Problem. Etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen seien versiegelt – das heißt bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt. Damit gehen wichtige Bodenfunktionen, vor allem die Wasserdurchlässigkeit und die Bodenfruchtbarkeit, verloren. Mit der Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen nimmt die Bodenversiegelung weiter zu.

Auch die Umweltminister der Länder haben sich mit dem Thema kürzlich befasst. Ein bundes- oder landesweites Verbot der Schotterwüsten lehnen sie ab, das sei Sache der Kommunen.

Die Umweltverbände kritisieren den Trend zum grauen Vorgarten. Ein Großteil der Fläche gehe für Tiere und Pflanzen verloren, sagt beispielsweise der Naturschutzbund. Immer öfter werde Garten- zu Steinbau und die Fläche ökologisch wertlos, heißt es. Der Nabu fordert daher, dass von den Städten und Gemeinden Gestaltung von Flächen im Bebauungsplan festgelegt wird, die die Bauherren umsetzen müssen.

 

Von Dirk Wirausky

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