Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Gehrden Mit 23 Jahren Kommunalpolitiker: Kai-Christian Schönwald ist Gehrdens jüngstes Ratsmitglied
Umland Gehrden

Gehrden: Kai-Christian Schönwald ist das jüngste Ratsmitglied

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 03.05.2021
Engagiert und diskussionsfreudig: Kai-Christian Schönwald will die politischen Themen in seiner Heimatstadt Gehrden aktiv begleiten.
Engagiert und diskussionsfreudig: Kai-Christian Schönwald will die politischen Themen in seiner Heimatstadt Gehrden aktiv begleiten. Quelle: Dirk Wirausky
Anzeige
Gehrden

23 Jahre alt ist Kai-Christian Schönwald. Und damit das jüngste Ratsmitglied in Gehrden. Ein Problem ist das für den Studenten nicht, der für die CDU im Gehrdener Rat sitzt – mehr junge Leute in der Kommunalpolitik würde er sich allerdings schon wünschen.

Treffpunkt am Portal des niedersächsischen Landtags in Hannover. Da liegt die Vermutung nahe, es träume möglicherweise jemand davon, eines Tages die Stufen zu dem Gebäude nicht nur als Besucher zu erklimmen. Doch Kai-Christian Schönwald erstickt derartige Spekulationen im Keim. „Eine Karriere in der Politik kann höchstens ein Plan B sein“, sagt der 23-Jährige, der in Hildesheim Internationales Informationsmanagement studiert. Zu viele Unwägbarkeiten bestimmten das Leben eines Berugspolitikers, zu abhängig sei man von Faktoren, die man nicht direkt beeinflussen könne, sagt Schönwald. Deshalb stehe für ihn fest: „Ich fühle mich in der Kommunalpolitik wohl und konzentriere mich darüber hinaus auf meine berufliche Zukunft.“ Und die sieht er nicht in der großen Politik. „Mein Studium hat absolute Priorität“, betont er.

Seit vier Jahren im Gehrdener Rat

2017 kam Schönwald für die CDU in den Rat der Stadt Gehrden – damals als Nachrücker. Ungewohnt sei das anfangs gewesen, gesteht er. Er als 19-Jähriger inmitten der erfahrenen und bewährten Frauen und Männer, die zum Teil seit Jahrzehnten die Gehrdener Politik bestimmen. Ein gewisser Respekt sei da gewesen. Und so habe er sich zu Beginn seiner kommunalpolitischen Karriere mehr darauf konzentriert, die Abläufe kennenzulernen und zuzuhören. „Ich wusste schließlich nicht, wie Politik auf kommunaler Ebene funktioniert“, sagt er.

Kai-Christian Schönwald sitzt seit 2017 für die CDU im Rat der Stadt Gehrden. Quelle: Dirk Wirausky

Inzwischen hat er seine Zurückhaltung abgelegt. „Es ist wichtig, eine Meinung und vor allem eine Ahnung zu haben, um mitzureden“, sagt er. Nicht zuletzt deshalb bereitet sich Schönwald, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes der Jungen Union ist, oft akribisch auf die Sitzungen vor. Das sei gelegentlich auch anstrengend. Doch der Dialog und die Diskussion ist ihm wichtig. Er wolle nicht nur daneben sitzen und zuschauen. „Ich will meine eigene Meinung zeigen“, sagt er.

„Wir müssen mehr mit Bürgern sprechen“

Auch in Gesprächen mit den Bürgern gilt für ihn, seine Meinung zu sagen. „Es unsere Aufgabe, den Menschen die Hintergründe unseres Handelns zu erklären“, sagt er. Kommunalpolitiker müssten ihre Arbeit nahbar machen. „Sonst entsteht Frust bei den Bürgern“, meint Schönwald. Kommunalpolitik lebe von Leuten, die sich aktiv einbringen. Schönwald wirkt wie ein Paradebeispiel dafür. Er engagiere sich für Gehrden, weil er dort hingehöre, betont er. „Mein Ziel ist es, Lösungen zu finden.“ Doch er weiß auch: „Politik ist vor einer Entscheidung zunächst Diskussion und Abwägung.“

Dass so wenige junge Menschen sich in der Kommunalpolitik engagieren, überrascht Schönwald nicht. Sie hätten andere Ziele und Interessen. So zögen etwa viele Jugendliche nach Ende ihrer Schulzeit aus Gehrden weg. „Die Lebensplanung ist nicht kompatibel mit einem Engagement in der Kommunalpolitik“, meint Schönwald. Häufig fehle zudem die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Er werde beispielsweise von Freunden immer wieder gefragt, warum er sich „das antue“.

Junge Leute sind unterrepräsentiert

„Junge Leute sind in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert“, sagt er. Die Folge: Diese Altersgruppe habe keine Lobby, weil die Themen, die sie betreffen, kaum vorkommen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur Politik für die Ü50-Jährigen machen“, meint Schönwald. Deshalb müsse es gelingen, Jugendliche und Heranwachsende mitzunehmen. Deshalb habe er sich vor Jahren auch für die Bildung eines Jugendparlaments eingesetzt. „Das war ein wichtiger Schritt“, sagt er. Das Gremium sei eine bedeutende Schnittstelle zwischen den Generationen. Dort entstünden Ideen, und es würden Vorschläge gemacht, die ansonsten in der Kommunalpolitik nicht auftauchen.

Die Politik habe auch den Auftrag und die Verantwortung, die Zukunft der Jugendlichen zu gestalten. „Sie müssen allein schon deshalb in die politischen Prozesse einbezogen werden“, sagt Schönwald. Es müssten junge Themen aufgegriffen werden – etwa Mobilität, Digitalisierung oder Freizeitgestaltung.

Youngster in der Gehrdener Kommunalpolitik. „Wir müssen mehr junge Menschen für die politische Arbeit begeistern“, sagt Kai-Christian Schönwald. Quelle: Dirk Wirausky

Die Parteien müssten zudem mehr um junge Menschen werben und auf sie zugehen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sei das zwingend erforderlich – im Gehrdener Rat liegt der Altersdurchschnitt deutlich über 50 Jahre. „Wir brauchen den jugendlichen Drive in der Politik“, sagt Schönwald. Dazu gehöre auch, dass sich die Parteien verändern. „Sie dürfen nicht mehr durchweg hierarchisch organisiert sein.“

Kommunalpolitik als Hobby

Dass er in die Politik eingestiegen ist und ihre einen Großteil seiner Freizeit opfert, hat mit Schönwalds Grundeinstellung zu tun. „Ich kann nichts ändern, wenn ich nicht dabei bin“, betont er. Der 23-Jährige stammt auch aus keiner „politisch vorbelasteten Familie“. „Ich habe mich schon am Gymnasium für politische Themen interessiert“, sagt er. Später habe er in der neunten Klasse ein Praktikum beim CDU-Landtagsabgeordneten Max Matthiesen gemacht. „Das war sozusagen der Beginn meines kommunalpolitischen Engagements“, erzählt er.

Bereut hat er das bis heute nicht. Auch für die nächste Wahlperiode wird der 23-Jährige für die CDU kandidieren. „Ich will halt nicht jemand sein, der jammert, sondern Lösungswege aufzeigen“, sagt er. Das gilt auch in Zukunft.

Von Dirk Wirausky