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11:53 20.09.2014
Von Dirk Wirausky
Mohammed (7, von links), Redor (9), Shahin Hasan, Suhrab, Rosemarie Lindwedel, Donia (3), Mariam (13), Hameira (6) und Freundin Jasmin (6)
Mohammed (7, von links), Redor (9), Shahin Hasan, Suhrab, Rosemarie Lindwedel, Donia (3), Mariam (13), Hameira (6) und Freundin Jasmin (6) Quelle: Wirausky
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Redderse

Eigentlich heißt er Suhrab, aber alle rufen ihn Ronaldo. Der einstige brasilianische Fußballstar sei sein Vorbild, sagt der Neunjährige und zeigt dabei seine Künste mit dem Ball. „Ich will später auch Fußballprofi werden“, sagt Suhrab, der in der E-Jugend des TV Jahn Leveste spielt.

Suhrab kommt aus der afghanischen Hauptstadt Kabul. Mit seinen Schwestern Mariam und Humeira sowie seiner Mutter lebt er nun in Redderse. Früher habe er nie richtig Fußball spielen können. „Ich durfte nicht auf die Straße“, sagt Suhrab. Es sei viel zu gefährlich gewesen. Deshalb habe er mit einem Gummiball in seinem Zimmer geübt.

Für Redor ist Suhrab ein Vorbild. „Er trainiert mit mir und zeigt mir Tricks“, sagt der Sechsjährige, der aus der syrischen Stadt Qamischli an der türkischen Grenze stammt. Für ihn, seine drei Geschwister und seine Eltern ist Redderse die neue Heimat. „Wir sind froh, einer grausamen Diktatur entkommen zu sein“, sagt Vater Shahin Hasan. Es sei ein großes Glück, hier sein zu dürfen. Anfangs war es nicht einfach - wegen der Sprache. Inzwischen fühlen sich alle wohl.

Das liegt nicht zuletzt an Rosemarie Lindwedel. Sie kümmert sich um die Migrantenfamilien. Sie hätten Unvorstellbares durchgemacht. Sie wolle ihren Teil zur Integration beitragen. „Hilfe ist für mich und viele andere Dorfbewohner selbstverständlich“, sagt sie. Unter anderem hat die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins für Suhrab und dessen 13-jährige Schwester Mariam eine Ferienfreizeit in Einbeck organisiert. „Sie kamen total begeistert zurück“, sagt Lindwedel.

Mariam nennt sie nur Rosemarie. „Sie ist immer für uns da“, sagt die 13-Jährige. Ihr Leben in Afghanistan sei nicht schön gewesen. „Wir hatten viel Ärger und immer Angst“, sagt sie. In die Schule durfte sie nicht. „Mädchen mussten zu Hause bleiben.“ Ihr Vater starb vor drei Jahren. Er wurde umgebracht. Von wem? Mariam weiß es nicht. Und eine Frau ohne Mann sei in Afghanistan rechtlos. „Wir mussten weg. Es war lebensgefährlich.“

Zurückgeblieben sind zwei Schwestern im Alter von 14 und 15 Jahren. Sanja, die Ältere, ist inzwischen verheiratet und hat eine kleine Tochter. Mariam hofft, dass ihre andere Schwester Samira bald auch nach Deutschland kommen kann. „Ich muss oft an beide denken.“ Ab und zu telefoniert sie mit ihnen.

Mariam ist glücklich in Redderse. „Es ist toll, jeden Tag Strom zu haben, keinen Hunger und Durst zu leiden, sich frei bewegen zu können und in eine Schule gehen zu dürfen“, sagt die 13-Jährige. Das sei Wunsch aller afghanischen Kinder.

Dirk Wirausky 20.09.2014
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