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Nachrichten Standortnachteil durch schlechte Anbindung
Umland Gehrden Nachrichten Standortnachteil durch schlechte Anbindung
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00:16 13.08.2017
Von Dirk Wirausky
Wirtschaftsförderer Nurettin Demirel und Bürgermeister Cord Mittendorf mit den Referenten beim Forum Gesundheitswirtschaft Dr. Martin Memming, Andreas Müller, Dr. Petra Rambow-Bertram, Frank Kettner-Nikolaus und Thomas Löhr. Quelle: Wirausky
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Gehrden

Erst war Bürgermeister Cord Mittendorf stolz, am Ende äußerst zufrieden. Zum ersten Forum Gesundheitswirtschaft waren rund 50 Vertreter aus der Branche ins Rathaus gekommen. "Es war eine tolle Veranstaltung", freute sich Mittendorf.

Im Mittelpunkt standen diverse Vorträge, und so informativ sie auch waren, es waren vor allem die Aussagen von Dr. Martin Memming, ärztlicher Direktor am Klinikum Robert Koch, die nachhallten. Das Krankenhaus ist mit etwa 630 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt.

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Nach Ansicht von Memming sind es zwei Punkte, die den Standort Gehrden gegenüber anderen Krankenhäusern benachteiligt: die Verkehrsanbindung und die Wohnraumsituation. Aus Sicht von Memming sind das spürbare Wettbewerbsnachteile. "Angehende Ärzte nehmen lange Wege in Kauf, das Pflegepersonal allerdings nicht", so Memming. Im Gegensatz zu allen anderen Krankenhäusern des Klinikverbundes der Region habe Gehrden keinen S-Bahn-Anschluss. "Wir haben keine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das ist für uns als Arbeitgeber ein echtes Problem", beklagte Memming.

Auch die Parkraumsituation am Klinikum sei unbefriedigend - für Patienten, Besucher und Beschäftigte sowie die Anwohner des Krankenhauses. "Wir müssen das lösen", so Memming.

Und durch den Abriss des Schwesternwohnheimes könne das Klinikum den Mitarbeitern keine Wohnungen mehr anbieten. "Auch dort sind wir in Gehrden nicht gut aufgestellt", betonte Memming.

Das bestätigte später auch Dirk von der Osten, Geschäftsführer der AWO. Die schlechte Anbindung Gehrdens an Hannover bringe große Probleme. Durch die langen und umständlichen Anfahrtswege sei es schwierig, Arbeitskräfte zu finden. "Gehrden wird isoliert", sagte von der Osten. Außerdem gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum am Burgberg. "Wir brauchen eine Wohnraumförderung", so der AWO-Geschäftsführer.

Abgesehen davon sei das Klinikum laut Memming auf einem guten Weg, aber die Arbeit zugleich eine ständige Herausforderung. So gebe es eine große Diskrepanz im Hause zwischen dem hochmodernen Neubau, von dem etwa ein Drittel der Patienten profitiere, und dem sanierungsbedürftigen alten Trakt. "Ich gehen zwar davon aus, dass wir einen weiteren Neubau erhalten, doch bis dahin müssen wir die Zeit überbrücken", so Memming. Das Klinikum befinde sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen Verbesserung des Hauses im Bestand und dem Beginn des zweiten Neubauabschnittes. "Wir werden uns hinhangeln müssen und mit dem gegenwärtigen Zustand im alten Gebäudekomplex leben". sagte Memming.

Einen Vorschlag machte Memming der Stadt. Mediziner in der Nähe des Klinikums anzusiedeln, würde zu einer besseren Vernetzung führen. "Dazu müsste aber ein Investor gefunden werden", sagte Memming.

Für den städtischen Wirtschaftsförderer Nurettin Demirel stand als Fazit fest: „Wir müssen uns besser vernetzen und den Standort so stärken, dass es allen Akteuren der Gesundheitsbranche nutzt.“

Dirk Wirausky 13.08.2017
Dirk Wirausky 12.08.2017