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Gehrden: Bäckerei Bosselmann darf sich doch nicht am Kreisel ansiedeln

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17:22 20.11.2019
Für das geplante Bauprojekt des Bäckereiunternehmens Bosselmann fehlt die politische Mehrheit. Quelle: Archiv
Gehrden

Der Ausschuss für Bau- und Städteplanung hat sich gegen die Ansiedlung des Unternehmens Bosselmann am Kreisel an der K 231 entschieden. Im Oktober vergangenen Jahres hatten sich SPD und CDU noch gegen FDP, Grüne, Linke und AfD bei einer knappen Abstimmung für die Ansiedlung durchgesetzt. Unternehmer Gerhard Bosselmann zeigte sich bestürzt über die Absage. Für seinen Betrieb sei der Beschluss „dramatisch“.

Die hannoversche Landbäckerei Bosselmann wollte im Kreuzungsbereich der K 230 und K 231 einen Bäckereigastronomiebetrieb bauen. Mittlerweile hat die CDU von ihrer Zustimmung Abstand genommen. Im Namen der CDU-Ratsfraktion hatte Thomas Spieker an die Verwaltung den Antrag gestellt, die Änderung des Flächennutzungsplanes nicht einzuleiten und das Planungsverfahren einzustellen. Dem Antrag wurde in der Sitzung am Dienstagabend stattgegeben – mit den Stimmen der CDU, der FDP, den Grünen und der AfD. Die SPD votierte dagegen, ein CDU-Mitglied enthielt sich.

Meinungsumschwung bei der CDU

Klaus Dörffer begründete den Umschwung seiner Fraktion unter anderem damit, dass die Informationen zu dem Bauvorhaben nicht transparent genug gewesen seien. „Und auch die Statements von Herrn Bosselmann in der Presse haben uns nicht überzeugt“, sagte Dörffer. Er wirkte bei seinem Vortrag allerdings nicht ganz glücklich, weil er im Grunde ja nicht „so ganz gegen diese Maßnahme sei“. Auch das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen sei letztlich aber ein Grund für das Umschwenken der CDU gewesen.

Dörffers Ausführungen aufmerksam zugehört hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Henning Harter. „Die Argumentation der CDU wirkt schlüssig, einen richtigen Grund dagegen habe ich allerdings nicht gehört“, sagte er. Es seien nur weiche Faktoren genannt worden. Die SPD akzeptiere die Entscheidung aber. Die CDU habe eine Bewertung vorgenommen, das bleibe ihr unbenommen. „Wir allerdings bleiben bei unserer Entscheidung und sind für eine Überplanung dieses Geländes, egal mit wem auch immer“, betonte Harter.

Auch in Gehrden sollte eine Filiale der Landbäckerei Bosselmann eröffnet werden. Quelle: Archiv

Lars Heiner (AfD) stimmte dem Antrag der CDU zu. „Man muss nicht auf jede Fläche was drauf bauen. Es gibt schon genug versiegelte Flächen“, sagte er. Auch die FDP billigte den Antrag. „Wir waren von Anfang an gegen das Bauvorhaben an dieser Stelle“, sagte Lutz Fengler.

Risiko liegt beim Antragsteller

Thomas Wahner (Bündnis 90/Die Grünen) wies auf die Frage nach Schadenersatzforderungen hin, die eventuell auf die Stadt zukommen könnten. Das sei nicht der Fall, „weil wir städtebauliche Verträge schließen, in denen wir ganz klar mitteilen, dass diese Verfahren mit Risiken behaftet sind“, sagte Bauamtsleiter Wolfgang Middelberg. Auch im Verfahren selbst könne es etwa aus naturschutzrechtlichen oder archäologischen Gründen noch Hindernisse geben, weshalb nicht gebaut werden könne. „Dieses Risiko muss der Antragsteller eingehen.“

Bosselmann hatte im vergangenen Jahr den Antrag gestellt, an der K 231 einen Bäckereibetrieb mit Gastronomie bauen zu dürfen. Laut Unternehmen sollte sich diese Filiale vor allem an Autofahrer und Pendler richten – eine Konkurrenz zu den ortsansässigen Bäckereien bestehe nicht. Ziel war es laut Bosselmann, „ein Gebäude zu errichten, in dem es von Frühstück über leichte Bäckersnacks und Nudelgerichte zum Mittag bis zum Flammkuchen am Abend alles gibt“. Zudem sollte auf dem Grundstück am Gehrdener Stadtrand Platz für kleinere Veranstaltungen geschaffen werden.

Bosselmann ist bestürzt

Gerhard Bosselmann ist nach der Absage fassungslos. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb und hatten uns auf Gehrden gefreut. Viele Gehrdener und Gehrdenerinnen hatten uns schon begeistert angerufen. Wir wären keine Konkurrenz für die Innenstadt und die dortigen Bäcker gewesen und hätten ein sehr ruhiges und ökologisch besonderes Vorhaben mit einer Gartenanlage realisiert“, sagte der Unternehmer auf Anfrage. Zunächst habe die Politik zugesagt. „Daraufhin haben wir die Planung fertiggemacht, 40.000 Euro in unzählige Gutachten investiert.“

Gerhard Bosselmann ist über die Entscheidung im Ausschuss fassunglos. Quelle: Dirk Wirausky

Diese Summe sei nun verloren, beklagt der Firmenchef, dessen Tochter mit dem Projekt in die Firma eintreten sollte. „Alle Gutachten, auch das des Verkehrs, waren positiv, wir hätten sogar eine neue Abbiegespur gebaut“, ergänzt Bosselmann. Ein Jahr Arbeit und Freude seien kaputt. „Die CDU hat mich trotz meines Angebots nicht einmal angehört, um mir die Chance zur Stellungnahme zu geben“, kritisiert der Bäckereichef. Es handele sich um ein Kräftemessen von CDU und SPD. „Wir sind zwischen diese Mühlsteine geraten. Ich stehe aber nach wie vor zur Verfügung und glaube an Gehrden“, sagte Bosselmann

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