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Gehrden: Stadt investiert bis 2021 fast 40 Millionen Euro und macht weiter Schulden

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17:14 26.09.2019
Schlussspurt eines Millionenprojekts: Die Sanierung und Modernisierung des MCG ist fast abgeschlossen. Zurzeit wird der Mittelbau West neu gebaut. Quelle: Franz-V. Reitzler
Gehrden

Es ist ein Teufelskreis: Die Stadt muss in ihre Infrastruktur investieren – und macht damit weiter Schulden. „Wir werden in den nächsten beiden Jahren keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können“, sagte Bürgermeister Cord Mittendorf am Mittwochabend. Der Gehrdener Verwaltungschef brachte in der Sitzung des Rates den Doppelhaushalt 2020/21 ein. Mit einem eher düsterem Ergebnis: Im nächsten Jahr wird das Minus in der Stadtkasse 7,5 Millionen Euro betragen, 2021 liegt das Defizit dann bei etwa 7,3 Millionen Euro.

„Wir kommen um Investitionen nicht herum“, betonte Mittendorf. Allein für die Schulen werden in den kommenden zwei Jahren 27 Millionen Euro ausgegeben. Das sind 70 Prozent der gesamten Investitionen, die 17,6 Millionen Euro in 2020 und 21,5 Millionen Euro in 2021 betragen werden. Finanziert werden könne dies nur über Kredite in Höhe von 14,1 Millionen Euro im nächsten Jahr und 18,6 Millionen Euro im Folgejahr, erklärte Mittendorf.

Stadt befindet sich im Sanierungsstau

„Wir befinden uns in einem Sanierungsstau“, sagte Mittendorf. Die Schäden und Mängel an den kommunalen Gebäuden seien offensichtlich. „Wir müssen handeln.“ Gleichzeitig werde in der Verwaltung an einer Instandshaltungsstrategie gearbeitet, um für die Zukunft teure Reparaturen möglichst zu vermeiden.

Die größten Ausgaben erfordern zunächst die Modernisierung des Matthias-Claudius-Gymnasiums (3,2 Millionen Euro), der Bau der Grundschule Am Langen Feld (2,7 Millionen Euro), das Feuerwehrhaus Lemmie (1,2 Millionen Euro) und die Ausweisung neuer Gewerbeflächen (4 Millionen Euro). Für 2021 sind der Neubau der Ganztagsschule Am Castrum mit 11,5 Millionen Euro und der Bau einer neuen Mensa an der Oberschule mit 8,2 Millionen Euro veranschlagt.

Das sind die Millionenprojekte der Stadt Gehrden

Mittendorf blickte bereits voraus: Für die Jahre 2022 bis 2024 kündigte er Millionenprojekte wie den Neubau einer Sporthalle (7 Millionen Euro), den Bau eines Parkdecks in der Innenstadt (2,5 Millionen Euro), die Sanierung der Oberschule (2 Millionen Euro) sowie den Bau desFeuerwehrhauses in Lenthe und den Ausbau der Kita Nedderntor (je 1,5 Millionen Euro) an. „Unsere schwierige Haushaltslage wird sich nicht bessern“, sagte Mittendorf im Hinblick auf die weiteren Ausgaben.

Die Personalkosten steigen

Neben den Investitionen setzen auch die laufenden Ausgaben dem Etat zu. Das gilt vor allem für die Regionsumlage, die – nach dem jetzigen Stand – von 5,2 auf 7,6 Millionen Euro steigen soll. Abgesehen davon sind es im Wesentlichen die Personalkosten, die den Haushalt belasten: Sie betragen 14,4 Millionen Euro im Jahr. Der größte Anteil sind Personalkosten für die Kitas (33 Prozent). „Wir sind am Rande unserer Leistungsfähigkeit angelangt“, bilanzierte Mittendorf.

Die Konsequenz: „Wir wollen und müssen unsere Erträge steigern.“ Ein Vorschlag ist der Ausbau von Gewerbegebieten. „Das führt zu einer verbesserten Ertragskraft“, glaubt der Bürgermeister. Die weitere Ausweisung von Gewerbeflächen sei unumgänglich. Mögliche Standorte nannte Mittendorf noch nicht.

Zukunftstechnologien mit Wasserstoff

Ein weiteres Feld, auf dem sich die Stadt Gehrden künftig bewegen will, ist die regionale Wasserstoffwirtschaft. Außer in der Schwerindustrie ist die Technik zum Antrieb von Lastwagen und Bussen interessant. Auch die niedersächsische Landesregierung setzt auf diese neue Technologie. Die Bundesregierung rückt Wasserstoff ins Zentrum ihrer Pläne für Energiewende und Klimaschutz. Das will sich Gehrden zunutze machen. Erste Gespräche mit potenziellen Partnern und dem Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz laufen bereits. „Damit erwarten wir natürlich mittelfristig auch starke Gewerbesteuereinnahmen am Wirtschaftsstandort Gehrden“, sagte der Bürgermeister.

Der Haushalt soll in der Ratssitzung kurz vor Weihnachten verabschiedet werden. Bis dahin haben die Fraktionen Zeit, das Zahlenwerk zu diskutieren und Änderungswünsche zu formulieren.

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