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Nachrichten Gehrdener Berg ist 85 Millionen Jahre alt
Umland Gehrden Nachrichten Gehrdener Berg ist 85 Millionen Jahre alt
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06:15 14.10.2012
Von Dirk Wirausky
Dieter Mahlert zeigt einen Kalkstein, der etwa 85 Millionen Jahre alt ist. Quelle: Dirk Wirausky
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Gehrden

Die Ergebnisse hat er nun zusammengetragen. Fest steht, dass der Gehrdener Berg vor etwa 85 Millionen Jahren Teil eines Kreidemeeres war. In dieser Zeit setzten sich Ton, Sand, Kalk sowie Reste von Meeresgetier ab. „Es bildeten sich Moostierchenriffs, wie es sie heute noch in Australien gibt“, sagt Mahlert. Herausgefunden hat Mahlert dies mittels einer mikroskopischen Untersuchung von Kalksteinen. Dabei entdeckte er Hohlräume, sogenannte Moostierchengehäuse, und Muschelreste.

Nach einem heftigen Klimaumschwung vor etwa 65 Millionen Jahren folgten mehrere Eiszeiten, die ihre Spuren auch am Gehrdener Berg hinterlassen haben. Die gesamte Region war mit Eis bedeckt. „Es lässt sich an der Beschaffenheit der Erdschichten feststellen, dass der Gehrdener Berg einst Teil des Deistersattels war“, sagt Mahlert. Nach der Eiszeit wurden durch Erosion die Bergkuppen freigelegt, und es bildeten sich Täler.

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Die Bodenbildung begann nach der letzten Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren. Wegen starker Winde wurde aus dem Norden Löss nach Gehrden getragen und bedeckte den Berg. Und dieser Löss hat dafür gesorgt, dass es am Fuß des Gehrdener Berges äußerst fruchtbaren Boden gibt. Genutzt werde das aber nur ungenügend.

Mahlert hat dafür wenig Verständnis: „Der Lössboden wird stattdessen bebaut“, sagt er. Und an diesem Punkt wird Erdgeschichte aktuell. „Geologische Begebenheiten sind in diesem Fall so wichtig, dass sich auch die Politiker damit beschäftigen sollten, bevor sie Bebauungspläne verabschieden“, sagt Mahlert.

Der Deister lag unter Eis

Ein 170 Kilo schwerer Findling im Deister beweist: Die Region lag komplett unter Eis. Im Sommer war er von einem Hobbynaturforscher aus Bredenbeck gefunden worden. Experten sind sich sicher: Der Findling kommt aus Skandinavien und kam mit Gletschern während der Eiszeit in die Nähe von Barsinghausen – irgendwann vor 127?000 bis 400?000 Jahren. Damit ist klar: Der ganze Deister lag komplett unter Eis. Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die heimischen Gebirgszüge wie der Deister niemals komplett unter Eis lagen. Der Fund auf 365 Metern Höhe beweist nun das Gegenteil. Die Region Hannover war demnach in den Eiszeiten bis zu einem halben Kilometer hoch mit Eis bedeckt.