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Nachrichten Margarethenkirche steht seit 925 Jahren
Umland Gehrden Nachrichten Margarethenkirche steht seit 925 Jahren
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20:25 07.07.2014
Von Dirk Wirausky
Eine Inschrift im Südanbau der Margarethenkirche ist nachweislich fehlerhaft.
Eine Inschrift im Südanbau der Margarethenkirche ist nachweislich fehlerhaft. Quelle: Dirk Wirausky
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Gehrden

Glaubt man den Zeilen der Infotafel neben dem Kircheneingang, dann wurde die Margarethenkirche 1098 vom Mindener Bischof errichtet. Es stimme, dass er den Kirchenbau veranlasst habe, sagen Detlev Büttner und der Vorsitzende des Gehrdener Heimatbundes, Dieter Mahlert. Darauf weist ein in lateinischer Sprache verfasster Text hin, der vor 200 Jahren an der Chorwand übertüncht und auf eine Tafel übertragen worden ist, die heute im Südanbau der Kirche hängt. Dort heißt es: „Die Kirche in Gehrden wurde 1098 vom Mindener Bischof Volkwin gebaut.“ Aber Name des Bischofs und die Jahreszahl passen nicht zusammen. Der Bischof amtierte nämlich erst von 1275 bis 1293.

Die Diskussion ist nicht neu. Martina Grohmann, die in den neunziger Jahren mehrere Untersuchungen zur Geschichte Gehrdens angestellt hat, ging in einer Ausarbeitung bereits 1998 davon aus, dass die Kirche von Bischof Volkmar gegründet worden sei - und zwar 1089. Denn Volkmar war 1098 bereits tot, er wurde 1095 ermordet. Aufgrund seiner großen Unbeliebtheit und der Anstrengungen des Domkapitels, die Erinnerungen an ihn möglichst vollständig auszulöschen, hält es Grohmann für sehr unwahrscheinlich, dass die Kirche 1098 in seinem Namen posthum gegründet oder geweiht wurde. „Plausibler erscheint das Gründungsdatum 1089, einer Zeit also, in der Volkmar uneingeschränkt seine Gewalt ausüben konnte“, schreibt Grohmann.

Zudem vermutet sie, dass es bei der Inschrift zu einem Zahlendreher gekommen sei. Grohmann glaubt, dass die Inschrift mehrfach nachgemalt worden sei - und sich so Fehler eingeschlichen haben.

Doch ob 1089 oder 1098, fest steht: Gegen Ende des 11. Jahrhunderts gab es in Gehrden einen Vorgängerbau der heutigen Margarethenkirche. Allein Ausgrabungen unter der Kirche und um die Kirche herum könnten Klarheit geben, wie alt das Gotteshaus wirklich ist.

Büttner hat sich mit dem Kirchenbau in Gehrden befasst. Erst 1250 wurde eine Steinkirche errichtet. 1467 wurde der Treppengiebel aufgesetzt. Auch Büttner geht davon aus, dass das Ursprungsgebäude vor 925 Jahren errichtet wurde. Die Inschrift müsse deshalb „Die Kirche in Gehrden wurde 1089 von dem Mindener Bischof Volkmar gebaut“ heißen.

Heimatbund gibt Heft heraus

Die Heimatbundgruppe Gehrden und die Margarethenkirchengemeinde haben gemeinsam eine Broschüre herausgebracht. Das Heft beschäftigt sich mit der Geschichte der evangelischen Kirche. Es basiert auf einer Ausarbeitung von Martina Grohmann, die zur 700-Jahr-Feier der Stadt Gehrden 1998 erschien und inzwischen vergriffen ist. Daneben enthält das Heft unter dem Titel „925 Jahre Kirchenbau in Gehrden“ eine Ausarbeitung zur Baugeschichte von Detlev Büttner. Hans-Joachim Trieloff hat den Text mit zahlreichen Fotos ergänzt.

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