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Nachrichten Norovirus legt Klinik in Gehrden lahm
Umland Gehrden Nachrichten Norovirus legt Klinik in Gehrden lahm
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09:44 20.05.2011
Von Veronika Thomas
Immer und immer wieder putzen: Mitarbeiter im Klinikum Robert Koch in Gehrden reinigen die Krankenhausküche mit Spezialreinigungsmitteln. Quelle: Michael Thomas

Das hoch ansteckende Norovirus lähmt seit Wochenanfang den Betrieb des Klinikums Robert Koch in Gehrden. Seit Montag haben sich in dem 300-Betten-Haus 57 Patienten und 30 Beschäftigte mit dem Erreger infiziert, im Klinikum Springe mit 100 Betten waren es elf Patienten und ein Mitarbeiter, die an Durchfall, Erbrechen und Übelkeit erkrankt waren. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde das Virus über einen Mitarbeiter in der Gehrdener Klinikküche verbreitet. Das würde auch die Zahl der Infektionen in Springe erklären, weil die Speisen für beide Häuser in Gehrden zubereitet werden. „Das Schlimmste ist vorbei. Die Lage normalisiert sich wieder“, sagte der Ärztliche Klinikdirektor Martin Memming gestern. „Ich denke, dass der Betrieb am Wochenende wieder normal läuft.“

Am Montagabend hatten Ärzte und Pflegepersonal festgestellt, dass die Zahl der Durchfallerkrankungen überdurchschnittlich stark angestiegen war. Als sich ein Küchenmitarbeiter Dienstagmorgen krank meldete, weil er an Durchfall litt, fiel der Verdacht rasch auf diesen Bereich. „Um 10 Uhr haben wir sofort die Küche geschlossen und alle zuständigen Fachbehörden wie das Landesgesundheitsamt und den Fachbereich der Region informiert“, sagte Martin Langsdorf, stellvertretender Pflegedirektor. Danach wurde eine ganze Kette von Notfall- und Hygienemaßnahmen in Gang gesetzt, die im Fall einer meldepflichtigen Erkrankung wie dem Norovirus einzuhalten sind.

Um die weitere Ausbreitung der Infektion zu verhindern, wurden die betroffenen Patienten isoliert, die Klinik verhängte ein Aufnahmestopp für neue Patienten, planbare Operationen wurden weitgehend verschoben. Erst seit gestern werden wieder vereinzelt Patienten aufgenommen, die ausschließlich desinfizierte, grundgereinigte Einzelzimmer mit WC erhalten. Die Speisenversorgung der Patienten in Gehrden und Springe hat vorübergehend das Krankenhaus Oststadt-Heidehaus übernommen. Der gesamte Küchenbereich in Gehrden ist gesperrt und wird zurzeit mit speziellen Reinigungsmitteln immer und immer wieder geputzt. „Wir haben schon aufgehört zu zählen“, sagte Küchenleiter Frank Schäfer. Die auch von Lebensmittelkontrolleuren geprüfte Küche nimmt erst dann wieder den Betrieb auf, wenn die Stuhlproben aller 35 Mitarbeiter dreimal hintereinander negativ getestet worden sind. Das könnte voraussichtlich am kommenden Dienstag der Fall sein.

Eine Infektion mit dem Norovirus dauert in der Regel ein bis drei Tage, manchmal nur wenige Stunden. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 50 Stunden, deshalb kann der Erreger auch von Personen übertragen werden, die keine Symptome verspüren. „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von Noro-Infektionen, vor allem in größeren Einrichtungen wie Altenheimen oder Kliniken, auch in diesem Frühjahr“, sagte Nils Meyer, Sprecher der Region Hannover. „Aber nicht in dieser Größenordnung. Diese Häufung ist schon außergewöhnlich.“

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