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Steinweg 25: Vorsitzender des Lohnsteuervereins Gehrden stellt Strafanzeige

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15:47 25.10.2019
Als vollkommen unzureichend bezeichnet Hildemar Ulf Glier den aufgestellten Bauzaun um das Haus am Steinweg 25. Quelle: Dirk Wirausky
Gehrden

Hildemar Ulf Glier reicht es. Mehr und mehr verfalle das Gebäude am Steinweg 25 und nichts geschehe. Nun hat er sich in die seit Jahren geführte und festgefahrene Diskussion um die Zukunft des Hauses eingeschaltet.

Dabei greift er zu einem auf den ersten Blick drastischen Mittel. Er hat Strafanzeige gegen die Stadt Gehrden und die Region Hannover eingereicht. Der Vorwurf: Die Verantwortlichen würden durch Unterlassung billigend in Kauf nehmen, dass Bürger, die sich im Bereich des alten und unbewohnten Fachwerkhauses aufhalten, zu Schaden kommen könnten. Aus Sicht von Glier müsste der gesamte Steinweg im Umkreis des baufälligen Gebäudes abgesperrt werden. „Auch der Haupteingang zur Margarethenkirche müsste eigentlich geschlossen werden“, meint er.

Baufälliges Haus gefährde Bürger

Eine Gefährdung durch das baufällige Haus am Marktplatz liege aus Gliers Sicht eindeutig vor. „Dort kann immer etwas passieren“, sagt der 77-Jährige. Und erinnert daran, dass bereits Steinbrocken aus dem Giebel herabgestürzt seien. Gerade an Markttagen sei der Bereich um das Gebäude stark frequentiert, zudem sitzen an sonnigen Tagen zahlreiche Bürger im Außenbereich der Bäckerei und des Eiscafés. „Der Abstand zu dem Haus Steinweg 25 beträgt aber nur drei bis vier Meter“, sagt Glier. Es sei nicht auszudenken, was passiere, wenn Dachziegel herabfallen sollten. Auch Bürger, die sich am Bücherschrank aufhalten oder sich auf den Sitzbänken ausruhen sowie Kinder, die die Spielgeräte in Nähe des Gebäudes nutzen, seien nicht sicher. „Der provisorisch aufgestellte Bauzaun bietet nun wirklich keinen Schutz“, meint Glier. Er sei vollkommen unzureichend.

Stadt hat Eingriffsmöglichkeiten

Glier bricht auch eine Lanzefür Dirk Tegtmeyer, Ratsherr der Linkspartei. Der hatte vor einigen Wochen einen Antrag zur Diskussion gestellt, dass die Stadt prüfen solle, ob eine Enteignung der Besitzerin möglich sei. „Darüber ist überhaupt nicht vernünftig geredet worden“, meint Glier. Vielmehr sei der Vorschlag pauschal abgelehnt worden. „Dabei hätten die Verantwortlichen eine angedrohte Enteignung als Druckmittel einsetzen können“, sagt Glier. Eine Gefährdung für die Allgemeinheit sei durchaus eine rechtliche Grundlage für eine Enteignung. Die Stadt habe sehr wohl Eingriffsmöglichkeiten, wenn eine Gefährdungslage vorliege.

Für Glier ist Gefahr in Verzug, zumal in den nächsten Wochen das Wetter stürmisch werden könnte. Er stelle die Strafanzeige als Vorsitzender des Lohnsteuerhilfevereins. „Ich will vermeiden, dass unsere Mitglieder, die den Steinweg über den Marktplatz in Richtung des Büros an der Dammstraße nutzen, zu Schaden kommen“, betont Glier.

Eine Reaktion auf seine Anzeige hat der 77-Jährige noch nicht erhalten. Doch das ist für ihn gar nicht so entscheidend. „Ich verspreche mir Aufmerksamkeit in der Sache“, sagt er. Die Verantwortlichen müssten endlich handeln und nicht weiter abwarten.

Gänzlich tatenlos war die Stadt in den vergangenen Jahren allerdings nicht. Vor gut drei Jahren hat sie die Bauaufsicht der Region eingeschaltet. Sie sollte untersuchen, wie sicher das Haus ist. Daraufhin ist der Bauzaun aufgestellt worden. Auf der Südseite des Fachwerkhauses wurden Platten angebracht, weil sich an einigen Stellen die Gefache aufgelöst hatten. Abgesehen davon ist die Eigentümerin für die Verkehrssicherheit des Gebäude verantwortlich.

Über Größe des Neubaus wird gestritten

Über die Pläne am Steinweg 25 wird seit mehreren Jahren diskutiert und gestritten. Die Eigentümerin möchte das alte Gebäude abreißen und ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten. Doch bislang hat noch kein Entwurf die Zustimmung aller Beteiligten gefunden. Die Kirche hat als unmittelbarer Nachbar Mitspracherecht. Sie lehnt den aktuellen Entwurf ebenso ab wie die Bürgerinitiative „Wir in Gehrden“. Der Grund: Der neue Baukörper ist zu groß, zu hoch und verdeckt den Blick auf die Margarethenkirche. Die Forderung: Ein neuer Baukörper müsse sich der historischen Situation unterordnen und solle nicht größer werden als das bestehende Gebäude.

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