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Umland Gehrden Nachrichten So reagiert Gehrden auf die Südlink-Entscheidung
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00:19 24.02.2019
In solchen Rohren werden die Kabel für den Südlink verlegt. In einem Graben sollen dann zwei bis vier Rohre untergebracht werden. Quelle: Roland Weihrauch
Gehrden

Die Entscheidung über den Verlauf der Südlink-Trasse ist gefallen. Der Netzbetreiber Tennet als Vorhabenträger für das Projekt Erdkabel Südlink hat bekannt gegeben, dass er der Bundesnetzagentur den Verlauf zwischen Gehrden und Ronnenberg als Vorzugstrasse empfehlen wird. Das bedeutet, dass der Korridor an Lenthe, Northen, Ditterke und Everloh sowie Gehrden vorbei läuft. Ein Umstand, der Bürgermeister Cord Mittendorf und die Ortsbürgermeister auf dem falschen Fuß erwischt.

Südlink-Entscheidung überrascht Mittendorf

Mittendorf war völlig überrascht. „Mit dieser Entscheidung habe ich nicht gerechnet“, sagt er. Er habe erwartet, dass die Trasse östlich von Hannover verlegt werde. Dass der Bau einer Leitungstrasse für eine zukunftsorientierte Stromversorgung erforderlich ist, wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Es wird jedoch erwartet, dass die Abwägungen der Vorhabensträger, die zu dem geplanten Trassenverlauf geführt haben, noch ausführlich mitgeteilt werde. Mittendorf glaubt allerdings, dass das Vorhaben in der Öffentlichkeit inzwischen auf größere Akzeptanz stoße als noch vor ein paar Jahren, weil sich Tennet für eine Erdverkabelung entschieden habe. „Das ist positiv“, meint Mittendorf. Gemeinsam mit seinem Wennigser Kollegen Christoph Meineke fordert er die Vorhabensträger auf, die Kabel im Bodenverdrängungsverfahren zu verlegen, damit die Belastung für die Umwelt und für die Grundstückseigentümer so gering wie möglich ausfallen.

Meier: Tennet muss Folgen für Natur gering halten

Überrascht ist auch Northens Ortsbürgermeister Friedhelm Meier. Er erwartet nun von Tennet, dass die Folgen für die Natur und die Landwirtschaft durch die nötigen Baumaßnahmen möglichst gering gehalten werden. „Außerdem gehe ich davon aus, dass die Stadt eine Informationsveranstaltung anbietet“, sagt er. Auch Meiers Amtskollege aus Lenthe, Jürgen Ermerling, hatte nicht damit gerechnet, dass die Trasse westlich von Hannover verlegt werden soll – „in einem Bereich mit fruchtbarem Ackerboden“. Aus seiner Sicht gebe es keine Argumente für die westliche Variante. Gisela Wicke, Ortsbürgermeisterin von Everloh, befasst sich schon lange mit der Stromtrasse Südlink und den Folgen – sie ist in der Bürgerinitiative aktiv. „Ich bezweifele den Sinn dieses Projekts“, sagt sie. Dass die Leitung unter die Erde verlegt werden, bezeichnet sie zwar als einen Erfolg, gibt aber gleichwohl zu, dass dies vor allem für Landwirte Nachteile mit sich bringt.

Eingriff ist für Landwirte eine Katastrophe

Im Gehrdener Stadtgebiet sind von den Tennet-Plänen gleich mehrere Landwirte betroffen. Einer davon ist der Lenther Jakob von Richthofen. Gut zehn Hektar der bewirtschafteten Flächen betreffen die Baumaßnahmen. „Für uns ist es eine Katastrophe“, sagt von Richthofen. Der massive Eingriff zerstöre die seit Jahrhunderten gewachsenen natürlichen Strukturen nahezu komplett. „Die Arbeiten haben große Auswirkungen“, sagt er. Es könne nach der Verlegung der Erdkabel nicht mehr das angebaut werden wie bisher, zumal die Erwärmung des Bodens durch die Stromleitungen erheblichen Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen haben werde. Von Richthofen geht davon aus, dass es Jahrzehnte dauert, bis sich der Ackerboden von dem Eingriff erholt habe. Die Entscheidung, den Korridor durch das Calenberger Land zu legen, kann von Richthofen nicht nachvollziehen. „Wir haben hier einen der fruchtbarsten Ackerböden in Europa“, sagt er.

Seeßelberg-Buresch: Oberleitungen für Landwirtschaft besser

Hanns Christian Seeßelberg-Buresch kritisiert die verantwortlichen Politiker. „Wir fühlen uns von der Politik allein gelassen“, sagt der Landwirt aus Everloh. Für ihn steht fest: Die Leitung in der Erde habe negative Auswirkungen für die Landwirtschaft. „Ein gewachsener Boden wird aufgelockert – mit Folgeschäden“, meint Seeßelberg-Buresch. Es werde Probleme bei der Ernte der Felder geben. Und er ist ehrlich: „Mir wäre eine Oberleitung lieber.“ Durch die Rohre unter den Äckern werde der Boden erwärmt und der Wasserhaushalt beeinträchtigt. Und: Das Pflanzen von Tiefwurzlern wie Zuckerrüben und Raps ist nicht erlaubt. Die angekündigte einmalige Entschädigung für Landwirte könne die negativen Folgen des Eingriffs nicht ausgleichen, zumal Seeßelberg-Buresch damit rechnet, dass die Rohre nach rund 20 Jahren wieder ausgetauscht werden müssen. „Wir fordern daher Gespräche, um ein gemeinsames Ergebnis zu finden“, sagt er.

Heimatforscher begrüßen Trassenführung

Während auch Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke von der Entscheidung überrascht wurde, begrüßen in Ronnenberg zumindest Heimatforscher die Entscheidung für die Trasse durch das Calenberger Land: Sie erhoffen sich durch die Untersuchungen vor den Bauarbeiten Rückschlüsse auf den genauen Verlauf der historischen Hellweges auf Gehrdener Gebiet und den Beweis, dass die Schlacht von Runibergun im Jahr 530 auf Ronnenberger Gebiet stattgefunden hat.

Von Dirk Wirausky

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