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Hemmingen Animal Hoarding: Arnumer Verein hilft
Umland Hemmingen Animal Hoarding: Arnumer Verein hilft
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15:43 22.11.2018
Die Meerschweinchenkinder orientieren sich noch an ihren Müttern. Quelle: Kerstin Küster (Verein Hände für Pfoten)
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Arnum

Bei Kerstin Küster tummeln sich Meerschweinchen in allen Farben und Größen. Bereits im August hatte die Vorsitzende des Arnumer Tierschutzvereins Hände für Pfoten zehn Meerschweinchen aus einem sogenannten Animal-Hoarding-Fall in Gifhorn übernommen. Dabei halten Menschen Tiere in großer Zahl, können sie aber nicht mehr angemessen versorgen. In Gifhorn hatte ein 54-Jähriger rund 400 Kleintiere auf engstem Raum gehalten, darunter neben 40 Kaninchen, 24 Ratten, 10 Wachteln, 80 Mäusen, 25 Schlangen, vier Hunden, zwei Papageien und zahlreichen Vögeln auch mehr als 60 Meerschweinchen.

Verein sucht neue Familien für gesellige Nager

 

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„Da Tierheime vor Ort bei solchen Fällen in Anbetracht der großen Zahl von Tieren meist schnell an ihre Grenzen stoßen, habe ich angeboten, einige Meerschweinchen aufzunehmen“, berichtet Küster. Dabei erlebte sie allerdings eine Überraschung. Denn innerhalb weniger Wochen hatte sich die Zahl von zehn Tieren, die sie bei sich unterbrachte, fast verdoppelt. „Einige der Meerschweinchen waren trächtig, als sie hier ankamen, und bekamen dann Junge.“ Insgesamt sind in den vergangenen Wochen neun Meerschweinchenkinder in der Arnumer Auffangstation zur Welt gekommen. „Sie erfreuen sich mit ihren Müttern guter Gesundheit und können jetzt vermittelt werden“, berichtet Küster.

Der Nagernachwuchs ist mittlerweile zwischen ein und drei Monate alt. In der Regel werden die Kleinen, die bereits vollständig behaart und mit offenen Augen zur Welt kommen, drei Wochen von ihren Müttern gesäugt. Ab vier Wochen sind sie meist vollkommen selbstständig.

Ihre Vergangenheit in den viel zu engen und verdreckten Käfigen in Gifhorn haben alle Tiere unbeschadet überstanden. Dabei betont Küster: „Animal Hoarder sind keine bösen Menschen.“ In der Regel seien es Menschen, die einsam seien und deren einziger Bezug Tiere sind, weil andere Menschen sich von ihnen abgewandt oder sie sich freiwillig in Isolation begeben hätten. „Die Liebe zum Tier ist das einzige, was sie aufrecht hält.“

Laut dem Deutschen Tierschutzbund ist Animal Hoarding ein Krankheitsbild, bei dem Menschen Tiere in großer Zahl halten, aber mit der Pflege und Unterbringung überfordert sind. Den Tieren fehle es daher meist an Futter, Wasser, Hygiene, Pflege und tierärztlicher Betreuung. Animal Hoarding sei noch wenig erforscht, weshalb langfristige Hilfen für die Betroffenen schwierig zu leisten seien. Um ihnen besser helfen zu können, fordert der Verband eine intensivere Auseinandersetzung mit der Krankheit.

Wer einem oder mehreren der Meerschweinchen ein neues Zuhause geben will, kann sich beim Verein Hände für Pfoten unter der Telefonnummer (05101) 58362 melden. Da die possierlichen Nager gesellige Tiere sind, werden sie nicht in Einzelhaltung vermittelt, sondern nur in Gruppen. Damit es dabei nicht wieder zu einer wundersamen Vermehrung kommt, sollten diese allerdings gleichgeschlechtlich sein.

Von Stephanie Zerm