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Hemmingen Ersthelfer retteten diesem Mann zwei Mal das Leben
Umland Hemmingen Ersthelfer retteten diesem Mann zwei Mal das Leben
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20:36 16.03.2019
„Ich habe das Wegschauen nie erleben müssen“: Herzpatient Hermann Heldermann mit Ehefrau Stefanie. Quelle: Foto: Conrad von Meding
Hannover/Hemmingen

Die Gesellschaft wird egoistisch? Hilfsbereitschaft nimmt ab? Hermann Heldermann kann das nicht bestätigen. Zweimal hatte er einen Herzinfarkt, bei einer Radtour in der Leinemasch und bei einer Autofahrt auf der B 65. Sein Glück: Beide Male haben Ersthelfer im Wortsinne beherzt zugepackt – und ihm mit Herzmassagen das Leben gerettet. Einmal sogar 40 Minuten lang, weil der Rettungswagen den Einsatzort nicht fand. „Dass ich lebe, ist ein Wunder“, sagt der 61-Jährige. Jetzt begleitet ihn ein implantierter Defibrillator auf Schritt und Tritt – und soll anspringen, falls sein Herz noch einmal aussetzen sollte.

Das Ereignis im Sommer 2015 hat viele Menschen in der Region berührt. Mit seiner Frau Stefanie Heldermann war der damals 57-jährige Hemminger auf einer kleinen Radtour durch die Masch im Süden Hannovers unterwegs, als plötzlich das Herz aussetzte. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, sagt Heldermann. Sehr wohl aber seine Frau: „Es war großartig, wie viele Menschen sofort zur Stelle waren und Hilfe angeboten haben“, sagt sie. Unter den Helfern: Der damals 28-jährige MHH-Assistenzarzt Felix Nadrowitz, der eigentlich auf dem Weg zu einem Treffen mit Freunden an den Kiesteichen war. Er machte das einzig Richtige: Als er sah, dass keiner der Umstehenden Erfahrungen mit Erster Hilfe hatte, begann er mit der Herzdruckmassage und delegierte zugleich Arbeit an die Umstehenden: Ehefrau Stefanie sollte die Mund-zu-Mund-Beatmung übernehmen, andere sollten über 112 den Notarzt alarmieren, wieder andere ausschwärmen, um dem Rettungswagen den Weg in der Masch zu zeigen.

Erste-Hilfe-Einsatz: 40 Minuten Massage, elf gebrochene Rippen

Nadrowitz sagte wenig später zur HAZ,

Treffen mit dem Retter: Hermann Heldermann (links) begegnet 2015 im Clementinenhaus auf seinem Lebensretter Felix Nadrowitz. Der junge MHH-Arzt reanimierte den früheren Gehrdener Bürgermeister. Quelle: Jan Philipp Eberstein

8 Prozent Überlebenswahrscheinlichkeit

Wann immer Heldermann in den Folgejahren wegen Herzproblemen bei Ärzten war, sei nach dem Studium der Arztbriefe stets ein Moment des Schweigens eingetreten – und des Staunens, sagt Heldermann. Bei einer Reha habe ihm ein Arzt gesagt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei 40 Minuten Reanimation nur etwa 8 Prozent betrage. „Aber ich habe nicht nur überlebt, sondern auch ohne bleibende Schäden“, sagt Heldermann. Ersthelfer Nadrwoitz hatte gegenüber der Presse bescheiden gesagt, dass das Überleben vor allem der guten körperlichen Kondition Heldermanns zu verdanken sei – der ehemalige Bürgermeister von Gehrden ist schlank und trainiert. Intensivsport habe er nie gemacht, sagt er – aber tatsächlich sei ihm immer wieder bescheinigt worden, dass seine Konstitution ganz wesentlich zur Rettung beigetragen habe: kein Übergewicht, keine Risiken wie zu hoher Alkohol- oder Zigarettenkonsum. 

Beim Autofahren bleibt das Herz erneut stehen

Und trotzdem erwischte es ihn ein zweites Mal. Im Sommer 2017, Heldermann war im Auto auf der Rückfahrt auf der B 65 unterwegs, setzte bei Barsinghausen-Nordgoltern das Herz plötzlich wieder aus. Sein Auto schlingerte in den Gegenverkehr, traf glücklicherweise nur den Anhänger eines entgegenkommenden Fahrzeugs, schleuderte von der Fahrbahn ins Feld. „Das Ganze passierte an einer der wenigen Stellen auf diesem Abschnitt der B 65, wo es keine Gräben neben der Fahrbahn gibt“, sagt Ehefrau Stefanie Heldermann. Doch damit nicht genug: Der erste Helfer, der mit dem Auto vorbeikommt und aussteigt, ist ein Hausarzt, der mit seiner Arzthelferin unterwegs ist – und mit der Reanimation beginnt, Auch das Feuerwehrhaus ist in Sichtweite, sodass schnell professionelle Hilfe kommt. „Ich habe nicht einen Schutzengel, sondern wohl mehrere“, sagt Heldermann.

Inzwischen die dritte Rehabilitation

Inzwischen ist bei ihm ein gelegentliches Vorkammerflimmern diagnostiziert und dass eine Herzklappe nicht richtig schloss. Ob das ursächlich ist für die zwei Infarkte, ist unklar – aber an der MHH ist jetzt die Mistralklappe operiert worden und ein Defibrillator implantiert. Sollte das Herz wieder aussetzen, gibt er kräftige Impulse. Zudem verfügt das Gerät über eine Diagnoseeinheit, die eine Dauerüberwachung der Herzrhythmen ermöglicht. Wenn dieser Text erscheint, befindet sich Heldermann gerade in ambulanter Rehabilitation – es ist mittlerweile seine dritte.

Das häufige Schimpfen auf die angebliche Anonymität des Klinikalltags können die Heldermanns nicht nachvollziehen. Im DRK-Krankenhaus Clementinenhaus, wo Hermann Heldermann nach dem ersten Vorfall drei Tage ins künstliche Koma versetzt wurde, sei die Betreuung erstklassig gewesen, sagt Ehefrau Stefanie Heldermann: „Ich habe mich zu jeder Zeit wirklich bestens informiert gefühlt über alles, was wichtig war“, sagt sie: „Und das ist für Angehörige ein sehr wichtiges Gefühl.“ Auch im Regions-Klinikum Gehrden, wo Heldermann nach dem Autounfall erneut ins Koma versetzt wurde, und in der MHH sei die Betreuung exzellent gewesen: „Sowohl die Kompetenz der Ärzte wie auch das Umsorgen des Personals waren wirklich gut“, sagt Heldermann

Werbung für Erste-Hilfe-Auffrischung

Vor allem der selbstlose Einsatz der Ersthelfer aber löst in Heldermann ein Gefühl der Dankbarkeit aus. „Ich habe das Wegschauen nie erleben müssen“, sagt er. Deshalb unterstützt er Werbung für Erste-Hilfe-Auffrischungskurse – und hat natürlich längst selbst einen absolviert. Bei einer Podiumsdiskussion 2016 zur „Woche der Wiederbelebung“ im Clementinenhaus hat er ebenso als Gesprächspartner mitgemacht wie beim Ersthelfertag 2018 in der hannoverschen Fußgängerzone. „Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen helfen können, wenn jemand in Not ist“, sagt Heldermann. Er hat es am eigenen Leib erfahren.

Interview zur Ersten Hilfe: „Nur wenn Sie nichts machen, machen Sie etwas falsch“

Auf eine Erste-Hilfe-Situation kann sich jeder vorbereiten, sagt Dr. Mathias Gnielinski, Ärztlicher Leiter im Clementinenhaus, im Interview: „Wenn Sie Zeuge eines Notfalls sind, dann schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie aktiv.“ Er hat dafür praktische Tipps parat.

Herr Gnielinski, viele Menschen haben
Hemmungen, bei einem Notfall zu helfen. Wie verhält man sich richtig?

Wenn plötzlich ein Mensch mit Herzinfarkt zusammenbricht, dann ist es völlig natürlich, dass man sich zunächst hilflos fühlt: So etwas erlebt man schließlich nicht jeden Tag. Aber jeder kann sich auf solch eine Situation vorbereiten. Wir empfehlen dringend, immer mal wieder den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen, den fast jeder zum Führerschein oder anderen Anlässen einmal absolviert hat. Mit dem dort erlernten Wissen kann man Leben retten. Und wenn möglichst viele Menschen diese Kenntnisse parat haben, profitiert am Ende jeder von uns davon. Man weiß ja nie, wann es einen selbst trifft.

Wo gibt es die Kurse in Hannover?

Fast alle Organisationen, die im Rettungsdienst tätig sind, bieten sie an, etwa Johanniter, ASB, und natürlich wir vom Deutschen Roten Kreuz. Unsere Rot-Kreuz-Ausbildung für Erste Hilfe gibt es fast täglich in einer der Kommunen regionsweit. Die in Hannover sind oft sehr lange im Voraus ausgebucht – im März ist kein Termin mehr frei, aber ab April gibt es noch freie Plätze an verschiedenen Wochentagen. Unter Telefon (05 11) 9 46 88 12 können Sie die freien Termine erfragen, die Teilnahme kostet 40 Euro für den Grundkurs. Der Auffrischungskurs kostet dasselbe, aber da sind auch im April alle Termine ausgebucht – am besten bewirbt man sich jetzt gleich für Mai. Alle Termine lassen sich auch im Internet buchen.

Wird es dieses Jahr wieder eine Woche der Wiederbelebung im Clementinenhaus geben?

Unsere Themenwochen sind ein großer Erfolg, deshalb beteiligen wir uns auch in diesem Jahr wieder an der bundesweiten Aktion „100 pro Ein Leben retten“, sie läuft vom 16. bis 22. September. Und es wird in dem Zusammenhang auch wieder das Reanimationstraining für Laien geben. Der Termin ist Mittwoch, 18. September, ab 17 Uhr.

Wir haben alle mal gelernt, dass man zum Beispiel bei verletzten Motorradfahrern nach einem Unfall sehr vorsichtig sein muss und dass es bei Erster Hilfe nach einem Schlaganfall bestimmte Abfolgen von Herzdruckmassage und Beatmung zu beachten gibt. Ist Erste Hilfe kompliziert?

Nein. Wir Ärzte sagen: Nur wenn Sie nichts machen, machen Sie etwas falsch. Wenn Sie Zeuge eines Notfalls sind, dann schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie aktiv. Fragen Sie Umstehende, ob jemand ausgebildeter Ersthelfer ist, und wenn nicht, dann greifen Sie selbst zu. Es stimmt: Bei verletzten Motorradfahrern heißt es heute, man soll möglichst den Helm nicht abnehmen, um das Genick nicht zusätzlich zu belasten. Wenn das Herz schlägt und er atmet, bringt man ihn am besten in die stabile Seitenlage und ruft den Notarzt und zieht dem Verletzten dann vielleicht eine wärmende Decke über den Körper. Aber noch mal: Niemand macht Ihnen einen Vorwurf, wenn Sie vielleicht etwas falsch machen – Hauptsache, Sie machen.

Und bei einem Herzinfarkt?

Tatsächlich haben sich auch dort die Regeln etwas geändert. Weil sich viele Menschen vor der Mund-zu-Mund-Beatmung scheuen, empfehlen die Notfallmediziner, darauf im Zweifel zu verzichten und stattdessen sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Wenn Sie 100-mal pro Minute drücken, also fast zweimal pro Sekunde, dann pumpen Sie so viel Blut ins Hirn, dass die Sauerstoffversorgung im Zweifelsfall auch ohne Beatmung gewährleistet ist. Wir empfehlen, dazu die Titelzeile des Bee-Gees-Songs „Stying Alive“ zu singen. Das macht erstens Sinn, weil es übersetzt heißt „Am Leben bleiben“. Und zweitens trifft man fast automatisch das richtige Tempo, wenn man singt „Stay – stay – stay – stay – staying alive“.

Interview: Conrad von Meding

Von Conrad von Meding

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