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Hemmingen 44 Fälle wegen häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr
Umland Hemmingen

Hemmingen: 44 Fälle wegen häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr

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16:00 22.11.2019
Hemminger und Pattenser Mitglieder des Runden Tisches gegen häusliche und sexuelle Gewalt bieten Informationsmöglichkeiten für Frauen in Not. Quelle: Torsten Lippelt
Hemmingen/Pattensen

Mitglieder des Runden Tisches gegen häusliche und sexuelle Gewalt haben sich von der Polizei über die aktuellen Fallzahlen in Hemmingen und Pattensen informieren lassen. An der von Hemmingens Gleichstellungsbeauftragter Diana Sandvoß und ihrer Pattenser Kollegin Heike Grützner moderierten Veranstaltung in der Begegnungsstätte Arnum nahmen zwölf Mitglieder aus verschiedenen Institutionen der beiden Kommunen teil. Sandvoß und Grützner wiesen darauf hin, dass am Montag, 25. November, der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist. „Die Mitglieder des Runden Tisches nutzen diesen Tag jedes Jahr, um auf diese Fälle aufmerksam zu machen“, sagte Sandvoß.

Polizei: Häusliche Gewalt in allen sozialen Schichten

Der Hemminger Polizeihauptkommissar Andreas Kasten sagte, dass 2018 in seinem Zuständigkeitsbereich 44 Straftaten wegen häuslicher Gewalt aufgenommen wurden. Diese kamen in allen gesellschaftlichen und sozialen Schichten vor, vom Hartz-IV-Empfänger über den Angestellten bis hin zum Arzt oder Juristen. „Und für dieses Jahr sieht es bislang ähnlich aus“, sagte er. Für Pattensen zog sein Kollege André Kix eine ähnliche Bilanz, mit 22 Fällen im vergangenen Jahr.

„Jede dritte Frau in Europa war bereits von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Aber laut einer Studie der Europäischen Union von 2014 nutzen lediglich 20 Prozent dieser Frauen das Angebot einer Beratungseinrichtung“, teilte Sandvoß mit. Oft erführen die Frauen auch häusliche Gewalt nicht körperlich, sondern psychisch. Mangelndes eigenes Geld und freundschaftliche Kontakte lassen viele Frauen zudem zögern, sich in solchen Situationen zu trennen, ergänzte Lydia Pfeiffer, Leiterin des Frauenhauses der AWO Region Hannover. Sie berichtete dem Runden Tisch, dass ab Januar 2020 neben den bisher bestehenden drei Frauenhäusern in der Region mit dem Frauenhaus24 ein viertes eröffnen werde. Ein fünftes sei darüber hinaus in der Planung.

Neues Frauenhaus wird rund um die Uhr erreichbar sein

Mit einer für das Frauenhaus24 kostenlosen Telefonnummer sollen von häuslicher Gewalt betroffene Frauen jeden Tag rund um die Uhr eine Ansprechpartnerin für eine Sofortaufnahme in einem der Frauenhäuser in der Region finden. „Das ist auch für uns gut zu wissen, dass wir schnell einen Ansprechpartner haben, wenn wir schnell einen Platz für jemanden finden müssen“, lobte Sandvoß das neue Projekt. Bislang gibt es bereits das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, mit der Telefonnummer 08000 116016. Von dort wird dann örtlich weitervermittelt.

Als Ansprechpartner steht auch die in Laatzen ansässige Frauenberatungsstelle Donna Clara an der Hildesheimer Straße für Hemmingerinnen und Pattenserinnen bereit. „Wir bieten Gespräche und Beratung, Informationen und Vorträge an“, sagte die dafür zuständige Silvia Eckstein. Im vergangenen Jahr seien rund 30 Hemmingerinnen für insgesamt 95 Gespräche nach Laatzen gekommen – wohl aus Gründen der Diskretion, um nicht in Hemmingen auf Bekannte zu treffen.

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig

Die Pattenser Gleichstellungsbeauftragte lobt das Angebot. „Seitdem Donna Clara auch für Pattensen zuständig ist, haben sich immer mehr Frauen aus Pattensen Hilfe geholt. Das zeigt, wie wichtig Aufklärung ist: Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit, sondern eine Straftat", sagte Grützner. Sie betonte zudem die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit. Dazu habe der Runde Tisch in den vergangenen Jahren zahlreiche Aktionen gestartet, um die Öffentlichkeit niedrigschwellig zu sensibilisieren – von der Filmvorführung über die Verteilung von mit Kontaktinfos bedruckten Brötchentüten und Taschentüchern bis hin zum Info- und Popcornstand beim Sommerfest im Juni im Pattenser Fuchsbachpark.

Bei einem der nächsten Treffen soll zum besseren Netzwerken auch ein Vertreter des Männerbüros der Stadt Hannover eingeladen werden. Diese nun auch für die Region zuständige Einrichtung betreut nicht nur Männer, die selbst Opfer häuslicher Gewalt geworden sind (rund 10 Prozent aller Fälle), sondern leistet mit Therapiearbeit bei Tätern zugleich proaktiven Opferschutz.

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