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Hemmingen Römerlager: Von Wilkenburg bis Finnland?
Umland Hemmingen Römerlager: Von Wilkenburg bis Finnland?
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19:58 09.04.2019
Große Ähnlichkeit: Der linke Kopf wurde beim Römerlager in Wilkenburg entdeckt. Rechts ist ein ähnlicher Fund aus Finnland zu sehen. Quelle: privat
Wilkenburg

Das Römerlager in Wilkenburg gewinnt europaweit an Bedeutung. Ein Grund dafür ist ein dort gefundener Wolfskopf aus Bleibronze. Er gleicht einem 2015 in der finnischen Stadt Huruksela, etwa 140 Kilometer entfernt von Helsinki, gefundenen Kopf nicht nur optisch, sondern auch von den verwendeten Materialien. „Die Köpfe deuten möglicherweise auf Handelskontakte zwischen Römern, Germanen und Nordvölkern hin. Bisher galt Dänemark als Grenze für die damaligen Handelsbeziehungen“, sagt Robert Lehmann, Mitglied der Römer AG Leine. Er hat auch an einigen Beiträgen mitgearbeitet, die jetzt in dem Buch „Hannoversche Numismatische Beiträge – Numismatik zwischen Archäologie, Kriminalistik und Chemie“ zum römischen Marschlager in Wilkenburg erschienen sind.

Universität in Helsinki plant Nachgrabungen

In dem Band kommt auch der finnische Fachmann Jouni Jäppinen zur Wort. Er erläutert, dass der in Finnland gefundene Kopf zunächst ins Mittelalter datiert wurde, da der Fundort bis zu dem Zeitpunkt als mittelalterlich galt. Da die Metallurgie beider Köpfe jedoch sehr ähnlich sei, erscheine eine Datierung in die Eisenzeit wahrscheinlicher. Auch aus seiner Sicht belegen die Funde damalige Handelskontakte zwischen Nord-, Mittel- und Südeuropa. Lehmann teilt aktuell mit, dass die Universität in Helsinki mittlerweile eine Nachgrabung plant. „Auch hieran zeigt sich die große Bedeutung des Lagers in Wilkenburg“, sagt der promovierte Chemiker.

Robert Lehmann (rechts) unterhält sich mit traditionell gekleideten Mitgliedern der Römer AG Leine. Quelle: Tobias Lehmann

Für Lehmann sind es vor allem zwei Fundobjekte, die das Potenzial haben, künftige Aushängeschilder für das rund 40 Hektar große Römerlager in Wilkenburg zu sein. Neben dem Wolfskopf ist das noch ein römischer Denar, der in den Jahren 2 oder 1 vor Christus geprägt wurde. Er zeigt auf der einen Seite den Kopf der Kaisers Augustus und auf der anderen dessen Adoptivsöhne Gaius und Lucius. Diese Münze ist so bedeutend, da es sich um die bisher älteste in Wilkenburg gefundene Münze handelt. Sie bestärkt die Archäologen in ihrer Vermutung, dass das Lager in der Zeit zwischen den Jahren null und sechs aufgeschlagen wurde.

Noch viele offene Fragen

Das Römerlager in Wilkenburg weist drei Alleinstellungsmerkmale auf, erläutert Lehmann: Es ist der bisher einzige archäologische Beleg in Form eines Marschlagers für den historisch überlieferten bellum immensum (gewaltiger Krieg) in den Jahre 4 und 5. Zudem ist es das einzige nicht überbaute römische Marschlager nördlich des Limes und zugleich das nördlichste bisher bekannt gewordene Römerlager in Deutschland. Doch es gebe auch noch viele offene Fragen. Lehmann weist auf die Stadt Waldgirmes in Hessen hin, wo unterhalb eines Marschlagers eine ganze römische Stadt entdeckt wurde. „Bisher ist nur etwa ein Prozent der Fläche archäologisch mit Bodeneingriff untersucht worden. Wer weiß, welche spannenden Geheimnisse in Wilkenburg noch gelüftet werden“, sagt Lehmann.

Römerlager bleibt Vorranggebiet für Kiesabbau

Wird das Römerlager zum Kiesabbaugebiet? Die Firma Holcim hat bei der zuständigen Region Hannover eine entsprechende Genehmigung beantragt. Die Fläche des Römerlagers ist im Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat jetzt auf Fragen von vier niedersächsischen Landtagsabgeordneten der Bündnisgrünen zum Römerlager geantwortet. Die Abgeordneten wollten unter anderem wissen, ob eine Änderung des Landes-Raumordnungsprogramms beabsichtigt sei.

Das Ministerium teilt mit, dass dies zurzeit nicht vorgesehen ist. Bei der Ausweisung von Vorranggebieten handele sich um eine Freihalteplanung, die eine mit dem jeweiligen Vorrang nicht zu vereinbarende Nutzung an der Stelle verhindern soll. Es könnten jedoch Erkenntnisse gewonnen werden, die für die Entscheidung zur Genehmigung eines Abbauvorhabens ebenfalls relevant seien. Dies sei beim Römerlager der Fall, führt das Ministerium aus. Somit könne die Genehmigung für einen Kiesabbau nicht allein damit begründet werden, dass das Areal ein ausgewiesenes Vorranggebiet sei.

Weiterhin weist das Ministerium darauf hin, dass Kiesabbau auch außerhalb der Vorranggebiete möglich ist. Sollte das LROP, das noch vor der Entdeckung des Römerlagers im Jahr 2015 erstellt wurde, geändert werden, sei der Kiesabbau an der Stelle dennoch nicht ausgeschlossen.

Von Tobias Lehmann

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