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Hemmingen Bürger trifft Bauer: Mehr als 70 Teilnehmer bei Diskussion
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Hemmingen: Bürger trifft Bauer: Mehr als 70 Teilnehmer bei Diskussion über Konsum und Landwirtschaft

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15:00 29.11.2019
Rund 70 Frauen und Männer kommen ins Gemeindezentrum Hiddestorf, um über Konsum, Landwirtschaft und Naturschutz zu diskutieren. Quelle: Torsten Lippelt
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Hemmingen

Sie stehen auch auf Feldern in Hemmingen, die grünen Kreuze, die beim Diskussionsabend „Bürger trifft Bauer“ in Hiddestorf ein großes Thema waren. Einige der rund 70 Zuhörer, davon etwa die Hälfte Landwirte, kritisierten die Politisierung des Kreuzzeichens für die Landwirtschaft.

Richard Gnügge, Pastor der Nikolaikirchengemeinde Hiddestorf/Ohlendorf, und Bezirkslandwirt Burkhard Köhler aus Ohlendorf hatten die Veranstaltung im vollbesetzten Saal des Gemeindezentrums organisiert. Etwa zweieinhalb Stunden informierte Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolkes Hannover, über die Sorgen und Nöte der Landwirte in und um Hannover. Moderiert wurde der Abend von Pastorin Ricarda Rabe vom Kirchlichen Dienst auf dem Land.

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Diskussionsabend „Bürger trifft Bauer“

Anlass war die jüngste Faire Woche in der Nikolaigemeinde, die erste im Stadtgebiet Hemmingen. Sie lenkte den Blick auch aufs Handeln vor Ort – und eben die grünen Kreuze. „Soll dieses christliche Symbol als Zeichen der Klage, Trauer oder Ohnmacht gesehen werden?“, fragte Gnügge.

Volker Hahn Quelle: Torsten Lippelt

Hahn entgegnete: „Die grünen Kreuze sind eine Möglichkeit, unsere eigene Ohnmacht aufzuzeigen und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir wollen die Landwirtschaft gut machen, können es aber nicht“, kritisierte er das Agrarpaket der Bundesregierung. Geplant seien unter anderem strengere Regeln für die Landwirte zum Düngen und zum Einsatz von Insektiziden – ein Projekt, „das Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze als Deal im stillen Kämmerlein ausgehandelt haben“.

Kritik am Agrarpaket der Bundesregierung

Hahn bedauerte: „Mit uns hat dazu niemand im Vorfeld das Gespräch gesucht.“ Belastende Grundwasser-Nitratwerte und – auf einer Karte rot markiert – diesbezüglich zu verbessernde Flächen seien zu pauschal festgelegt und würden beispielsweise in der Region Hannover nicht detailliert den örtlichen Gegebenheiten entsprechen.

Als stiller Protest der Landwirte gegen die Landwirtschaftspolitik mahnen auf den Feldern aufgestellte grüne Holzkreuze – hier zwischen Arnum und Ohlendorf. Quelle: Torsten Lippelt

Der Ohlendorfer Landwirt Ralf-Henning Wilke sagte zu den Kreuzen: „Sie helfen uns, den Bürgern zu erklären, dass wir zu Standards produzieren, die es sonst weltweit kaum gibt – aber mit Waren zu geringen Weltmarktpreisen konkurrieren müssen, die anderswo dafür unterhalb dieser Standards produziert worden sind.“

Was wäre optimal für die Zukunft? Hahn sagte, er wünsche sich ein Erntedankfest 2030, bei dem „gesunde Nahrung und Essen bei weniger weggeworfenen Lebensmitteln sowie ein stets gedeckter Tisch einen höheren Stellenwert besitzen als heute“.

Lob für Projekt F.R.A.N.Z.

Er lobte das bundesweite Verbundprojekt F.R.A.N.Z von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband zur gut in die Hofarbeit integrierbaren Erhöhung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. „Seit zwei Jahren arbeiten wir dabei mit Leuten vom Naturschutz zusammen. Warum haben wir das nicht schon vor zehn Jahren gemacht?“, fragte er sich. Aber man benötige beispielsweise auch modernere Ausbring- und Messtechniken für punktgenaue Düngung und Geld für weitere Projekte. „Wir reden da bundesweit über viele Milliarden Euro – und die Banken halten sich mit Krediten zurück“, sagte Hahn.

Bezirkslandwirt wünscht sich bessere Umgangsformen

Auf geänderte Umgangsformen ging Bezirkslandwirt Burkhard Köhler ein. Früher habe man sich auf den Feldwegen begrüßt. „Heute bekommt meine Frau schon mal die Hundeleine der Fußgänger aufs Autodach geschlagen, wenn sie mir mit unserem Privatwagen mal Kaffee und etwas zu essen ans Feld bringt“, monierte Köhler.

Burkhard Köhler Quelle: Torsten Lippelt

Eine Hiddestorferin erzählte, sie hole aus Sicherheitsgründen immer ihre Kinder ins Haus, wenn ein Landwirt mal wieder irgendetwas auf dem nahe gelegenen Feld versprühe. Man wisse ja nicht, was das sei und warum das so oft geschehe. Hahn machte deutlich: „Formate wie dieses heute Abend sind gut, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Sprechen Sie uns ruhig an, wenn wir auf dem Acker unterwegs sind.“

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