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Hemmingen Corona-Risikogruppen: Hier gibt es eine Übersicht mit Einkaufshilfen
Umland Hemmingen

Hemmingen: Einkaufsdienste mit Helfern und Nachbarn von Bürgerstiftung Evangelische Jugend und Stadt

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18:30 25.03.2020
So wie in Köln (Bild) sollen bald auch in Hemmingen Einkaufshelfer unterwegs sein und Corona-Risikogruppen versorgen. Quelle: Oliver Berg/dpa
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Hemmingen

Die ersten größeren Einkaufshilfsdienste für Corona-Risikogruppen in Hemmingen laufen an. Vielerorts gibt es bereits kleine private Initiativen. Nun vermitteln beispielsweise auch die Bürgerstiftung Hemmingen und die Evangelische Jugend Hilfesuchende und Helfer. Im Stadtgebiet gibt es mittlerweile acht bestätigte Corona-Fälle.

Nachbarn helfen Nachbarn

Bürgerstiftung: „Nachbarn helfen Nachbarn“ - dieses Projekt der Bürgerstiftung Hemmingen gibt es schon lange und in der Corona-Krise ist der Name umso mehr Programm. Die Stiftung möchte vor allem ältere Menschen unterstützen, die nicht alleine zurechtkommen. „Insbesondere geht es darum, den Einkauf von Lebensmitteln zu übernehmen und ähnliche Besorgungen zu erledigen“, erläutert Vorsitzender Wolf Hatje. „Dabei wird die Stiftung selbstverständlich die behördlichen Vorgaben beachten.“

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Hatje erläuterte am Montagmittag, die ersten beiden Helfer hätten sich schon gemeldet. Das Netz solle möglichst alle sieben Stadtteile umspannen. Die Helfer sollen keine Extra-Einkäufe machen müssen, sondern die Liste mit Waren für den täglichen Bedarf bei ihrem gewohnten Einkauf miterledigen. „Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto: Es muss transportierbar sein“, erläuterte Hatje. Die Bürgerstiftung sehe sich als Vermittler. Hilfesuchende und Helfer sollen die Einkäufe untereinander absprechen.

Wie will die Stiftung bei der Vermittlung Missbrauch vermeiden? „Wir sind gut vernetzt und kennen ohnehin viele Menschen“, sagt Hatje. Im günstigsten Fall wohnen Hilfsbedürftiger und Helfer in einer Straße. Zudem spreche die Stiftung gezielt Menschen an, beispielsweise die Schüler der KGS Hemmingen, die beim beliebten Handytraining der Bürgerstiftung für Senioren helfen. Das Training muss derzeit ausfallen. Wer die Einkaufsaktion unterstützen möchte oder Hilfe benötigt, schreibt eine E-Mail an info@nhn-hemmingen.de oder ruft bei Wolf Hatje an, Telefon (05101) 58118.

Wer einkaufen geht, soll für Andere gleich etwas mitbesorgen. Quelle: dpa (Sebastian Gollnow)

Einkaufsservice für Risikogruppen

Evangelische Jugend: Die Evangelische Jugend Hemmingen bietet seit Montag einen Einkaufsservice für Menschen der Corona-Risikogruppe in Hemmingen an, also ab etwa 60 Jahre oder mit bestimmten Vorerkrankungen. „Für diese Personen kann der alltägliche Einkauf aktuell zu einer großen gesundheitlichen Gefahr werden“, erläutert Jana Thiel, Diakonin für Jugendarbeit in der Kirchregion Hemmingen. Deswegen plane sie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereits seit einigen Tagen, wie dieser Gruppe geholfen werden könne. Bestellungen von Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Medikamenten in haushaltsüblichen Mengen können bei Thiel aufgegeben werden: telefonisch unter (01520) 5203523 oder per E-Mail an einkaufshilfe-hemmingen@gmx.de. Darunter können sich auch interessierte Ehrenamtliche melden, die die Einkäufe erledigen und selbst ausliefern. „An einer Möglichkeit der bargeldlosen Bezahlung der Einkäufe für Menschen in Quarantäne oder ohne Bargeld im Haus wird derzeit noch gearbeitet“, erläuterte Thiel.

Stadt: Sie bietet schon seit vielen Jahren einen kostenlosen Einkaufsfahrdienst für Senioren an sowie für Menschen mit Behinderungen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, allerdings nur sonnabends. Bisher hat der Arbeiter-Samariter-Bund angemeldete Senioren abgeholt und ist mit ihnen zum Einkaufszentrum mit dem Real-Markt in Devese gefahren. Um die Ansteckungsgefahr für die Senioren so gering wie möglich zu halten, werden diese zum Einkauf jetzt allerdings nicht mehr mitgenommen. Der Fahrdienst kauft für die Senioren ein und bringt die Waren anschließend zu ihnen nach Hause. Das Angebot richtet sich an jene, die noch keinen Pflegegrad haben. Anmeldungen sind im Seniorenbüro bei Susanne Giese unter Telefon (0511) 4103286 möglich.

Junge Union: Auf eine Aktion der Jungen Union verweist Karina Möllenhoff, Beisitzerin im CDU-Stadtverband Hemmingen und beratendes Mitglied im städtischen Ausschuss für Bildung, Familie, Jugend, Senioren und Integration. Im Internet auf www.die-einkaufshelden.de können sich Hilfesuchende und Helfer registrieren. „Innerhalb weniger Stunden war mir die erste Hilfesuchende zugeteilt, und ich hatte die Möglichkeit, mich mit ihr in Verbindung zu setzen.“, erläuterte Möllenhoff. „Eine koordinierte Zuteilung ist meines Erachtens nach sehr sinnvoll.“

Privatinitiativen: Vielerorts im Stadtgebiet gibt es private Einkaufshilfen. Eine davon ist jene am Wilhelm-Gramann-Weg in Hiddestorf, einer kleinen Straße in der Nähe der Hauptstraße. Nach der Videobotschaft des Inhabers der Bäckerei Bosselmann, weiter in hiesigen Bäckereien einzukaufen, haben sich die Bewohner zusammengetan, um gegenseitig und im Wechsel Backwaren zu kaufen und den Nachbarn vor die Tür zu legen. „So können wir unseren Beitrag zur Unterstützung der ortsansässigen Bäckereien leisten und tragen gleichzeitig dazu bei, die Pandemie einzudämmen, da nicht 16 Nachbarn, sondern nur ein Nachbar das Geschäft betritt“, erläutert die Initiative, verbunden mit der Hoffnung: „Vielleicht wäre das auch unter anderen Nachbarschaften oder Hausgemeinschaften möglich.“

Weitere Corona-Themen in Kürze

Kontrollen: Bürgermeister Claus Schacht hat am Montag den Hemmingern gedankt, dass sie sich am Wochenende so besonnen verhalten haben. Sie haben Abstand gehalten, um Neuinfektionen zu vermeiden. Das Ordnungsamt der Stadt hat am Wochenende unter anderem auch Kontrollen auf Spielplätzen gemacht, diese sind zurzeit geschlossen, und ob sich bestimmte Geschäfte an die Schließungen gehalten haben. „Ich spreche allen Hemmingern ein großes Lob aus“, sagte Schacht. „Ein Großteil der Menschen ist zu Hause geblieben und diejenigen, die unterwegs waren, waren dabei in der Regel sehr umsichtig.“ Diese Disziplin gelte es jedoch weiter aufrecht zu erhalten, gerade auch im Hinblick auf das am Sonntag von der Bundesregierung erlassene Kontaktverbot.

Glockenläuten: Jeden Abend um 19 Uhr läuten nun Kirchenglocken für fünf Minuten. „Damit soll an alle erinnert werden, die erkrankt sind, ihren Dienst versehen und die Versorgung für uns aufrecht erhalten“, erläutert Pastorin Harriet Maczewski die Aktion der vier evangelischen Gemeinden in der Kirchenregion Hemmingen. Dort fallen alle Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen zunächst bis Sonntag, 19. April, aus.

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Von Andreas Zimmer

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