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Hemmingen Kiesabbau in Wilkenburg: Spezialfirma untersucht Römerlager-Gelände
Umland Hemmingen

Hemmingen: Kiesabbau auf Römerlager in Wilkenburg Holcim kündigt Untersuchungen an Entscheidung für Sommer geplant

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16:03 07.02.2020
So könnten die Menschen ausgesehen haben, die vor 2000 Jahren zwischen Wilkenburg und Arnum ihr Lager aufgeschlagen haben: Werner Pollak, Mitglied der Römer-AG Leine, hat sich bei einer Veranstaltung in eine historische Kluft geworfen. Quelle: Daniel Junker (Archiv)
Hemmingen

Die Firma Holcim, die in Wilkenburg Kies und Sand gewinnen will, hat Untersuchungen auf dem Gelände angekündigt. Sie beginnen am Montag, 10. Februar. Dem folge im zweiten Quartal dieses Jahres eine neue Berechnung, ob das Vorhaben wirtschaftlich sei, teilte Firmensprecher Jens Marquardt am Freitag mit. In dem Gebiet befinden sich Reste eines früheren Römerlagers.

„Aktuell ist die Frage zu klären, auf welchen Flächen im Vorfeld eines Rohstoffabbaus die archäologischen Grabungssarbeiten zur Sicherung des römischen Feldlagers durchgeführt werden müssen“, erläuterte Marquardt. Bisher gebe es noch keine archäologischen Untersuchungen, die flächendeckend seien.

Römerlager in Wilkenburg

Die beiden geplanten Flächen des Projektes Hemmingen-Müggenwinkel, in denen Kies abgebaut werden soll, befinden sich im Dreieck zwischen Wilkenburg, Arnum und Harkenbleck. Die Hemminger Stadtverwaltung hatte errechnet, das – wird der Kiesabbau genehmigt – alle sechs Minuten pro Tag ein leerer Lastwagen kommt oder mit Kies wegfährt. Wird das Römerlager jedoch zu einem Bodendenkmal erklärt, wäre die geplante Auskiesung des Geländes vom Tisch.

Jens Marquardt zufolge hat sich Holcim mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Region Hannover abgestimmt und eine Spezialfirma beauftragt, das Gelände mithilfe der Geomagnetik zu untersuchen. Die geophysikalischen Messungen über mehrere Tage sollen die Lagerreste nicht beschädigen und helfen, die genauen Grabungsbereiche zu klären. „Leider wird es auch diesmal keine vollständige Erfassung des Lagers geben können, da einige Grundstückseigentümer uns die Erlaubnis zum Betreten ihrer Flächen verwehrt haben“, erläuterte der Sprecher.

Kiesabbau in Hemmingen-Müggenwinkel

Erst wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung überarbeitet sei, plane das Unternehmen mit Sitz in Hamburg weiter. „Sollte Holcim sich im Sommer 2020 für einen Abbau entscheiden, dann wird das laufende Genehmigungsverfahren mit dem Erörterungstermin fortgesetzt. Zugleich wird Holcim im weiteren Verlauf den verstärkten Dialog mit allen Beteiligten suchen, um eine gemeinsame, tragbare Lösung zu finden und Ideen auszutauschen.“

2019 gab es die erste erfolgreiche Onlinepetition an den niedersächsischen Landtag, bei der fast 6000 Menschen für den Erhalt der Fundstätte votierten. Die Petition zielte darauf ab, das Raumordnungsprogramm des Landes zu ändern, an das die Region gebunden ist. Mit großer Mehrheit hat das Parlament die Petition im Dezember 2019 jedoch abgelehnt. Der Rat der Stadt Hemmingen hatte sich zuvor bereits einstimmig gegen die Auskiesung ausgesprochen.

Diese Rekonstruktion zeigt, wie das 30 Hektar große Römerlager einmal ausgesehen haben könnte. Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de (Archiv)

Das ist das Römerlager in Wilkenburg

Das mehr als 30 Hektar große Lager erstreckte sich über mehr als 500 mal 600 Meter und bot Platz für 20.000 Legionäre, entsprechend drei Legionen mit Hilfs- und Reitertruppen sowie Tross und mitreisende Zivilisten. Die Größe des Lagers und die Vielzahl an mit Gold und Silber überzogenen Ausrüstungsgegenständen könnten Indiz dafür sein, dass Tiberius selbst in Wilkenburg war.

Holcim hat seinen Sitz in Hamburg und betreibt zurzeit im Süden von Hannover Kieswerke in Nordstemmen, Barnten und Sarstedt.

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