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Hemmingen Prozess Falsche Polizisten: Urteil soll am Montag fallen
Umland Hemmingen

Hemmingen: Landgericht Prozess Falsche Polizisten und Betrug bei Senioren

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11:35 20.11.2019
Das Urteil soll am Landesgericht am nächsten Verhandlungstag gesprochen werden. Quelle: dpa
Hemmingen/Hannover/Barsinghausen

Drei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung: Das hat Staatsanwältin Maren Stolper am dritten Verhandlungstag für den 28-jährigen Hildesheimer gefordert, der zurzeit wegen Betrugs vor dem Landgericht Hannover steht. Für seinen 24-jährigen Komplizen hält sie eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung für angemessen. Die beiden waren in einen von der Türkei ausgehenden Betrug involviert.

Von dort aus hatten zwei Männer Seniorinnen im Raum Hannover, darunter auch in Hemmingen, angerufen, sich als Polizisten ausgegeben und behauptet, dass das Geld der älteren Menschen auf der Bank nicht mehr sicher sei. Zum besseren Schutz sollten die Seniorinnen das Geld an die falschen Beamten übergeben.

Prozess: Betrüger prellen Senioren um ihr Geld

Betroffen von den im Dezember 2017 und Januar 2018 begangenen Taten waren insgesamt vier Seniorinnen aus Hemmingen, Barsinghausen, Hameln und Springe. Erbeutet wurden insgesamt fast 59.000 Euro. Der 24-Jährige holte das Geld an einem zuvor vereinbarten Ort ab und überbrachte es dem 28-Jährigen. Beide haben ein Geständnis abgelegt. Der 28-Jährige diente als eine Art Logistiker. Er zahlte den 24-Jährigen aus, behielt selbst einen Teil des Geldes und überwies den Rest in die Türkei.

Der 24-Jährige wurde beim Abholen des Geldes in Hemmingen auf frischer Tat ertappt. Die betroffene Seniorin erhielt die ausgehändigte Summe in Höhe von 12.000 Euro anschließend zurück. Die Polizei war dem Duo auf die Schliche gekommen, weil sie Telefongespräche zwischen den beiden Organisatoren in der Türkei und den beiden Hildesheimern abgehört hatte.

Wussten die Angeklagten von der Betrugsmasche?

In dem Prozess geht es jetzt auch darum festzustellen, wie viel die beiden Hildesheimer von dem Betrug konkret wussten. Beide hatten bestritten zu wissen, dass ältere Frauen um ihr Erspartes gebracht werden sollen. Die Staatsanwältin glaubte dies allerdings nicht und wies auf den Mitschnitt eines Telefongesprächs hin, dass der 28-jährige Hildesheimer mit der Türkei geführt hatte. Darin sagt der aus der Türkei telefonierende Mann, dass die Sache schnell abgewickelt werden sollte. „Ich kann die Alte nicht länger hinhalten“, sagte er. Das deute darauf hin, dass er von der Betrugsmasche wusste, führte die Staatsanwältin aus.

Prozess Falsche Polizisten: Bewährungsstrafen gefordert

Die Rechtsanwälte der beiden Angeklagten sahen das in ihren Plädoyers etwas anders. Philipp Götze vertritt den 24-jährigen Abholer des Geldes. Er hob mehrfach den Grundsatz „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“ hervor. Denn abgesehen von den beiden Geständnissen der Angeklagten gebe es wenig, worüber Gewissheit bestehe. „Wir können uns nicht sicher sein, was mein Mandant und der andere Angeklagte tatsächlich gewusst haben. Wenn etwas nicht sicher ist, muss immer die für den Angeklagten bessere Alternative angenommen werden“, sagte er. Götze forderte für seinen Mandaten zwei Jahre auf Bewährung.

Die gleiche Strafe forderte Anwalt Matthias Kracke für seinen 28-jährigen Mandaten. „Mein Mandant hat in den fast zwei Jahren seit den Taten gezeigt, dass er verstanden hat“, sagte Kracke. Er bezog sich darauf, dass der 28-Jährige allen Meldeauflagen nachgekommen sei und eine gute Sozialprognose zeige.

Urteil wird am nächsten Montag erwartet

Das letzte Wort haben in einem Prozess immer die Angeklagten. Der 24-Jährige hatte sich innerhalb des Prozesses bereits bei den Opfern entschuldigt und wiederholte dies auch noch einmal. Der 28-Jährige sagte, dass er den Opfern nicht habe in die Augen schauen können, weil er sich geschämt habe. „Ich würde nicht wollen, dass meine eigene Mutter so über den Tisch gezogen wird“, sagte er.

Der Prozess wird am Montag, 25. November, fortgesetzt. Für diesen Tag wird auch das Urteil erwartet.

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Von Tobias Lehmann

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