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Hemmingen Der wahre Mr. Big kommt aus Hiddestorf
Umland Hemmingen

Hemmingen: Mr Big, der Mann im Prunkgrab, ist Thema beim Männerfrühstück in Hiddestorf, Archäologin berichtet

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18:00 04.12.2019
Regionsarchäologin Ute Bartelt berichtet beim Männerfrühstück im Gemeindezentrum von der örtlichen Siedlungsgeschichte und dem hier gefundenen Prunkgrab aus dem 6. Jahrhundert. Quelle: Torsten Lippelt
Hiddestorf

Wer den Namen Mr. Big hört, mag sich an die Fernsehserie „Sex & the City“ erinnert fühlen, in der dieser eine idealisierte Männerfigur verkörpert. In Hiddestorf hingegen ist damit ein vor fast 1500 Jahren in einem Prunkgrab beigesetzter Mann gemeint. Gefunden hatte man ihn erst 2012 bei archäologischen Untersuchungen für ein Neubaugebiet der Kreissiedlungsgesellschaft im Bereich Wiesenweg.

Rund 40 Zuhörer erfuhren am Dienstag beim Männerfrühstück der Nikolaikirchengemeinde im Gemeindezentrum Hiddestorf mehr über Mr. Big. Regions-Archäologin Ute Bartelt berichtete zwei Stunden lang mit Fotos und Grafiken über die mehr als 1000 Jahre alten Siedlungsspuren an der Arnumer Landwehr.

Archäologischer Fund in Hiddestorf

Die als Kommunalarchäologin für die Region Hannover im Bereich der Bodendenkmalpflege zuständige Ute Bartelt skizzierte dabei zunächst den örtlichen Siedlungsraum am Nordrand des heutigen Hiddestorfs nahe der Landwehr. Der Siedlungsraun war bei 2008 begonnenen Ausgrabungen gefunden worden. Für den Zeitraum zwischen 800 vor und 600 nach Christus fand man hier als Nachweis von sogenannter Siedlungskontinuität Holz- und Lehmwerküberreste von Wohnhäusern, Lager- und Werkstätten.

Die Regionsarchäologin Ute Bartelt berichtet beim Männerfrühstück im Gemeindezentrum von der örtlichen Siedlungsgeschichte und dem hier gefundenen Prunkgrab aus dem 6. Jahrhundert. Quelle: Torsten Lippelt

Überraschend war jedoch eine Grabstätte aus der Zeit um 530 nach Christi Geburt. In einem von Holzpalisaden umrahmten und damals wohl gut sichtbaren Grab lag in einer Holzkiste das Skelett eines rund 60-jährigen Mannes, den die Archäologen trotz seiner heutzutage bescheidenen Körpergröße von etwa 1,60 Meter schnell Mr. Big tauften.

Beigesetzter wird Mr. Big genannt

Grund waren die besondere Gestaltung des Grabes und die Vielzahl seiner wertvollen Beigaben. So war wenige Meter vor dem Prunkgrab offenbar sein mit 1,40 Metern Widerrist für damalige Verhältnisse große Hengst mit beigesetzt worden. Als Widerrist wird der erhöhte Übergang vom Hals zum Rücken bezeichnet. Wenige Meter hinter ihm gab es vier weitere, weniger geschmückte Gräber, möglicherweise von Gefolgsleuten.

„Wir vermuten, dass der hier Beigesetzte möglicherweise ein Amtsträger in Grenzfunktion zwischen den hier benachbarten Franken und Thüringern war“, sagte Bartelt. Diese hätten sich zu Lebzeiten damals bekriegt. Möglicherweise seien alle dort Beigesetzten einer Kriegshandlung in der Nähe zum Opfer gefallen.

Prunkgrab in Hiddestorf

Gefunden wurden im Prunkgrab Waffen wie eine Lanze und ein Schildrest, ein Sax-Kurzschwert, ein Spatha genanntes zweischneidiges Langschwert, zudem Essen für den Weg ins Totenreich und Tongefäße. Auch ein als damaliges Statussymbol bekanntes bronzenes Perlrandbecken als Waschgelegenheit und eine unversehrte Glasschale fränkischer Art hatte man dem Toten mit ins Grab gelegt. „Die Schale ist ein Meisterstück und komplett erhalten – wir mussten sie nur säubern“, erläuterte Bartelt.

Regionsarchäologin Ute Bartelt zeigt ein weiteres Bild über das Prunkgrab. Quelle: Torsten Lippelt

Auch auf Fragen von Teilnehmern des Männerfrühstücks in Hiddestorf antwortete sie gern. So stellte sie fest: „Zur Zeit wird viel gebaut. Ich freue mich über jede mögliche Fundstelle, an der wir nicht ausgraben müssen.“ Und „Sachsengrab“, wie es viele nennen, könne man zum Prunkgrab auch nicht einfach so ohne historische schriftliche Quellen sagen. „Erst ab dem zehnten Jahrhundert etwa ist bekannt, wie sich die Menschen damals selbst genannt haben.“

Straße Am Weidenbrunnen erinnert an Ausgrabungen

In Hiddestorf selbst erinnert nur das Straßenschild Am Weidenbrunnen an die hier bei den Ausgrabungen gewonnenen Einblicke ins örtliche Leben zwischen 800 vor und 600 nach Christi Geburt. Der Name verweist darauf, dass man dort seit dem Beginn der Bodenuntersuchungen im Jahr 2008 bis zur Errichtung der Einfamilienhäuser insgesamt mehr als 80 historische Brunnen und Wasserentnahmestellen gefunden hat. Zur Wandaussteifung waren diese zumeist mit einem Flechtwerk aus Weiden ausgestattet gewesen, das sich dank Luftabschluss unter der Erde und dort passender Feuchtigkeit sogar oft bis heute erhalten hat.

Ein Straßenschild erinnert an die Ausgrabungen. Quelle: Torsten Lippelt

Wer mehr über Mr.Big und die Geschichte der Hiddestorfer Grabfunde erfahren möchte, hat dazu noch bis zum 2. Februar 2020 in Braunschweig die Gelegenheit. Dort läuft im Landesmuseum die zuvor bereits in Hannover präsentierte Landesausstellung „Saxones. Das erste Jahrtausend in Niedersachsen.“ Nach Ende der Ausstellung werden die Hiddestorfer Grabfunde wieder als Bestandteil der Dauerausstellung im Landesmuseum Hannover zu besichtigen sein.

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Von Torsten Lippelt

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