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Hemmingen Neue Ortsdurchfahrt: Arnumer haben viele Fragen
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Hemmingen: Neue Ortsdurchfahrt: Arnumer haben viele Fragen

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16:37 27.09.2019
Von der Sackgasse heute zur einer autofreien Flaniermeile: Die Alte Wilkenburger Straße soll sich stark wandeln und zum Herzstück von Arnum werden. Quelle: Andreas Zimmer
Arnum

Die Alte Wilkenburger Straße autofrei und mit einem Bachlauf sowie einem Biomarkt, aus dem Gelände an der Kapelle ist ein Platz mit einem Glaspavillon geworden, und überhaupt hat sich die B 3 in Arnum in einen schicken Boulevard verwandelt: Alles Visionen? Auf dem Papier gibt es sie schon. Der Architekt und Stadtplaner Prof. Rainer Hobigk vom Büro Infraplan aus Celle hat am Donnerstagabend im Hemminger Rathaus die sogenannte Konzeptplanung vorgestellt.

Denn ab Frühjahr 2020 soll die B-3-Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben werden. Damit wäre ein Großteil des Verkehrs raus aus Hemmingens größtem Stadtteil. Die Stadt übernimmt dann die heutige Bundesstraße, will sie umbauen und eine Ortsmitte schaffen – wenn Geld dafür aus einem Programm der Städtebauförderung fließt. Diese Zeitung fasst Fragen und Antworten der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt zusammen.

So könnte das Stadttor aussehen. Quelle: Infraplan Celle

Was hat der Ausschuss empfohlen?

Nichts, und so war es auch geplant, denn erst einmal sollte die überarbeitete Planung präsentiert werden. Alle vier Ratsfraktionen begrüßten die Vielfalt von Ideen. Hanspeter Michel (SPD) schwärmte gar davon, dass die „Fantasie fliegen“ dürfe.

Worin unterscheiden sich Konzeptplanung und die späteren Entwürfe?

Die Konzeptplanung hat etwas Visionäres. Hobigk erklärte, es sei zum Beispiel noch zu klären, ob die Pläne überhaupt so passen, weil sich hier und dort vielleicht eine Zufahrt befindet. „Es geht auch darum, klar zu machen, was man nicht will.“ Um etwas auszuschließen, müsse man aber sehen, wie es auf einem Plan wirkt.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt warte ab, ob sie ins Programm der Städtebauförderung kommt, erläuterte Stadtplanerin Angela Anders. Die Entscheidung werde voraussichtlich im April 2020 fallen. Bei einer Zusage folge ein Vorentwurf und dann ein Entwurf. Die Bürger würden beteiligt. Die Bündnisgrünen fordern, in einer öffentlichen Veranstaltung mit Bürgern über die Konzeptplanung zu diskutieren. Erst mit diesen Ideen und Anregungen sollen die Planer den Vorentwurf erstellen. Die CDU regte an, die Bürger über das städtische Mitteilungsblatt zur Beteiligung aufzurufen.

Rund 90 Minuten dauerten Präsentation und Diskussion. Die Sitzung wurde für fast eine halbe Stunde unterbrochen, damit die Zuhörer Fragen stellen konnten. Welche waren das?

Sie sprachen unterschiedliche Themen an. Ein Anwohner kritisierte, dass die Kosten Anfang des Jahres etwa 3,8 Millionen Euro betragen sollten und nun 5,5 Millionen Euro. Entsprechend höher werden die Beiträge für Anlieger sein, befürchtete er. Eine Frau empörte sich: „Die Kosten laufen ins Uferlose, und die Anwohner werden zur Kasse gebeten. Die Anwohner wollen diese Planung nicht.“

Wie haben der Planer und der Ausschuss darauf reagiert?

Hobigk erläuterte, die Summe Anfang des Jahres sei eine erste Kostenschätzung gewesen. Mittlerweile werde das Förderprogramm auch höher bezuschusst: mit 230 Euro anstatt 200 Euro pro Quadratmeter. „Die Frage ist zurzeit aber nicht, wie teuer das ist, sondern ob man zum Beispiel überhaupt einen Kreisel will.“ Es sei wie bei der Anfangsplanung der Elbphilharmonie in Hamburg: „Man kann in diesem Stadium nicht sagen, was sie kosten wird.“ Die Ausschussvorsitzende Svantje von Alten-Rilinger sagte: „Es ist wie beim Hausbau. Am Ende kostet es mehr. Und dass es mehr wird, das weiß man.“ Sie erklärte, für Arnum gebe es eine günstige, eine mittlere und eine teure Variante. Hobigk wies auf die Drittelfinanzierung hin: Stadt, Land und Bund zahlen je ein Drittel. Holger Falke (DUH) forderte eine Planung „vom Euro her gesehen“, aus der hervorgehe, was dringend sei. Falke betonte: „Ich denke da auch an die Anwohnerbeiträge. Arnum ist keine Pflichtaufgabe.“

Gab es noch weitere Bedenken?

Ja, darunter Kritik an den geplanten Änderungen an der Kreuzung mit der Wilkenburger Straße. Anwohner befürchten, dass Fahrer aus dem Wohngebiet rund um die Bockstraße den Weg über die Solling-, Garten- und Nordstraße nehmen, um schneller auf die heutige B 3 zu kommen. Zuvor hatte schon Holger Falke (DUH) gefordert, die Ampelschaltung zu verändern, sollte der Kreuzungsbereich verengt werden. „Sonst gibt es auf der Bockstraße einen Rückstau bis aufs Feld“, sagte Falke. Die Ortsgruppe im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) fordert Shared Space auf der nahezu der gesamten Ortsdurchfahrt, also eine Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Die Grünen fordern Shared Space vom Müggenwinkel bis zur Bockstraße.

Flair wie in Meran: So könnte der Bachlauf auf der Alten Wilkenburger Straße aussehen. Quelle: Infraplan Celle

Bleibt an der Wilkenburger Straße die Kreuzung oder wird dort ein Kreisel angelegt?

Das ist noch unklar. Über die heutige Kreuzung verläuft eine Landesstraße. Hobigk mutmaßte, dass die Landesbehörde es bei der Kreuzung belassen möchte. Auch bei dieser Variante wäre eine Umgestaltung der Kreuzung wünschenswert, um „mehr Aufenthaltsqualität“ für Fußgänger und eine „intimere“ Atmosphäre zu schaffen. Den Anfangsbereich der Bockstraße bezeichnete Hobigk als trostlos und monoton.

Entsteht an der Alten Wilkenburger Straße wirklich ein Biomarkt?

Die Eigentumsverhältnisse sind noch nicht geklärt. Hobigk sagte, denkbar sei eine Passage, die von der B 3 zu einem Hof führt. In einem Shop-in-Shop-System sollen regionale Erzeugnisse verkauft werden. Die Alte Wilkenburger Straße solle das „Herzstück“ von Arnum werden. Denkbar sei ein Bachlauf.

Was hat es mit dem Glaspavillon auf sich?

Dieser könnte an der Wilkenburger Straße nahe der Kapelle aufgestellt werden. Denkbar seien zum Beispiel Palmen und Papageien, sagte Hobigk. Der Pavillon solle zum neuen Kapellenplatz gehören. Die Kapelle komme heute wegen der „angeklatschten Architektur“ nicht richtig zur Geltung. Besucher können die Kapelle heute nur über die B 3 erreichen. Das solle sich ändern.

Was ist für Radfahrer geplant und was für Busfahrgäste?

Die Radverkehrsführung ist unterschiedlich: mal als Radweg, mal als Schutzstreifen. Hobigk möchte die Bushaltestellen auflösen und durch sogenannte Kaps ersetzen. Die Busse fahren dann dicht an den Bordstein heran.

Auf der Ortsdurchfahrt soll künftig Tempo 30 gelten. Gibt es Ideen, wie Fahrer dazu gebracht werden sollen, langsamer zu fahren?

Hobigk sagte, Fahrer sähen nicht nur die Tempo-30-Schilder, sondern orientieren sich beim Tempo auch an der Gestaltung einer Straße. Die heutige B 3 solle schmaler werden und mit mehr Bäumen und einem breiterem Fußweg einen Boulevardcharakter erhalten. So wäre ein gepflasterter Platz an der Einmündung Mühlenweg auch eine optische Bremse. Kreisel, auch am Hohen Holzweg ist ein solcher geplant, würden den Verkehr ohnehin verlangsamen. Auf der Strecke von der Hiddestorfer Straße in Richtung Pattensen könnte eine Allee mit Bäumen und Hecken die Straße „optisch einengen“, was jedoch im Hinblick auf die Kosten die Luxuslösung sei. Eine einfachere Variante wären Blühstreifen. Die Ausschussvorsitzende fragte nach Bodenwellen auf der Straße. Hobigk riet, diese auf einer solch langen Strecke „restriktiv“ zu verwenden, also beispielsweise nur an bestimmten Einmündungen.

Den Kreisel am Hohen Holzweg könnte eine Skulptur schmücken. Quelle: Infraplan Celle

Wie kam die Idee an, eine Skulptur auf den Kreisel am Hohen Holzweg zu stellen?

Gemischt. Dirk Fahlbusch (SPD) warnte vor der Unfallgefahr. Roman Binder (Grüne) wünschte sich einen Baum. Ob der Kreisel bei Dunkelheit illuminiert werden soll, sei im Hinblick auf den Klimaschutz noch zu diskutieren.

Und noch vor dem Kreisel am Hohen Holzweg ist ein Stadttor geplant?

Ja, möglicherweise aus alten Scheunentoren. Die heutige Einfahrt nach Arnum erinnere zu sehr an eine Großstadt, sagte Hobigk.

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Von Andreas Zimmer

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