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Hemmingen Hochwasser: Kein Sonderschutz für die KGS
Umland Hemmingen

Hemmingen: Neue Varianten zum Hochwasserschutz und Deichbau

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10:41 18.05.2019
Hochwasser an der KGS 2017. Quelle: Andreas Zimmer
Hemmingen

Die Diskussion über die neuen Varianten zum Hochwasserschutz in Hemmingen ebbt nicht ab. Diese Zeitung fasst erneut Fragen unter anderem von Lesern im Gespräch mit der Redaktion und in sozialen Netzwerken zusammen.

Zum Hintergrund: Vier Varianten liegen jetzt auf dem Tisch. Variante 1: HQ 100-Trasse mit optimalen Schutz, acht Kilometer lang, Kosten: 20 Millionen Euro. Dabei wurde von einem HQ 100 ausgegangen, also einem Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Variante 2: Die Stadt belässt es wie bisher beim Katastrophenschutz zum Beispiel durch Sandsackwälle. Variante 3 (neu): 90-Prozent-Variante des HQ 100, entspricht einem HQ 70; fast vier Kilometer lang, Kosten: 4,4 Millionen Euro. Variante 4 (neu): 70-Prozent-Variante des HQ 100, entspricht einem HQ 30; 3,3 Kilometer lang, Kosten: 3,3 Millionen Euro.

Es ist immer von einer Schutzwand die Rede. Wie sieht sie genau aus?

Laut Thomas Pfeiffer, Leiter des Planungsbüros BPR Hannover, handelt es sich um eine schlichte Mauer. Sie ist durchschnittlich 80 Zentimeter tief. Die Tiefe hängt von der Beschaffenheit des Bodens und dem Grundwasserstand ab.

Bekommt die KGS einen Sonderschutz?

Nein. „Sie ist geschützt, aber bei allen Varianten so, wie es alle Anderen auch sind“, erläutert Thomas Pfeiffer.

Muss die Stadt für einen Hochwasserschutz entsprechende Anlagen bauen?

Bürgermeister Claus Schacht erläutert, dazu sei sie nicht verpflichtet.

Haben die Hemminger die jüngsten Hochwasser und die damit verbundenen Straßensperrungen und Umleitungen gelassen aufgenommen?

Nach den Erfahrungen von Bürgermeister Claus Schacht nicht: „Die Hemminger drehen schon bei einem Tag Hochwasser durch.“ Bei Hochwasser werden schnell die stark genutzten Verbindungen nach Wülfel und nach Döhren gesperrt.

Kommt das Hochwasser in Hemmingen plötzlich?

Nein. Ulrich Kiel, einer der Geschäftsführer des Büros Stadt-Land-Fluss Ingenieurdienste, spricht von einer „gewissen Vorwarnzeit“. Kiel erläutert: „Das Wasser läuft von allen Seiten zusammen und sammelt sich.“ Das erkläre auch, warum 2003 die Sonne schien und Hemmingen trotzdem Hochwasser hatte.

Nimmt das Wasser immer den gleichen Weg?

Genau lässt sich das nicht vorhersagen, aber Kiel erläutert, eine „wesentliche Gefahr kommt von Süden“, also es drückt nach Wilkenburg.

Wie lange bleibt ein Hochwasser?

Fachbereichsleiter Axel Schedler sagt, das lasse sich nicht vorhersagen. Svantje von Alten-Rilinger, Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, verweist darauf, dass beim Hochwasser 1946 die Kartoffelvorräte verschimmelten. Dies traf die ohnehin notleidende Bevölkerung zusätzlich heftig.

In Wilkenburg soll Kies abgebaut werden. Ist dieses mögliche Vorhaben in die erweiterte Machbarkeitsstudie eingeflossen?

Nein. Ulrich Kiel zufolge ist der Kiesabbau ohnehin nur dann möglich, wenn der Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt wird.

Es ist immer von Hemmingen-Westerfeld und Wilkenburg die Rede. Arnum und Harkenbleck sind doch auch zu schützen?

Ja, in Arnum aber nur die Ferienhäuser und -wohnungen auf der Westseite des Arnumer Sees. Im Osten Harkenblecks ist die Schmutzwasserpumpstation zu schützen.

Gibt es bei den neuen Varianten Retentionsraumverluste?

Die Planer haben die Zahlen errechnet: etwa 204.000 Kubikmeter bei der 90-Prozent-Variante und 58.000 Kubikmeter bei der 70-Prozent-Variante.

Bei den Kostenberechnungen müsste man doch eigentlich die Privatversicherungen mitbetrachten. Wenn die Stadt einen Deich baut: Spart sie den Hauseigentümern dann nicht die Versicherungsprämie?

Fachbereichsleiter Axel Schedler erläutert, hierzu habe die Stadt keine Daten: „Wir wissen nicht, wie die Eigentümer versichert sind.“

Welche Schadenssumme könnte durch die große und die kleinste Lösung verhindert werden?

Bei einem HQ 100-Schutz sind es 33 bis 53 Millionen Euro und bei der 70-Prozent-Variante 10 bis 17 Millionen Euro.

Was ist, wenn eine andere Stadt an der Leine oder in der Nähe ihren Hochwasserschutz verbessert, hätte Hemmingen dann trotz Deich oder Schutzwand und -wall mehr Hochwasser?

Nein, denn alle Kommunen, so ist es gesetzlich vorgeschrieben, müssen bei eventuellen Änderungen die Auswirkungen auf andere Städte prüfen lassen. „Man kann nicht nur sein Ding machen“, sagt Ulrich Kiel, einer der Geschäftsführer des Büros Stadt-Land-Fluss Ingenieurdienste.

Entfällt bei den kleineren Varianten das aufwendige Planfeststellungsverfahren?

Nein, es ist auch bei der 90- und der 70-Prozent-Variante vorgeschrieben. Ohne den Planfeststellungsbeschluss ist laut Fachbereichsleiter Axel Schedler kein Förderantrag möglich: bei der HQ 100-Variante bei einem Landesprogramm und bei den 90- und 70-Prozent-Varianten aus dem ELER. Die Abkürzung steht für Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Stimmt es, dass bei den kleineren Varianten erheblich weniger Pumpwerke benötigt werden?

Ja. Abteilungsleiter Dietmar Juschkewitz erläutert, bei der HQ 100-Variante seien 18 Pumpwerke geplant – immer dort, wo Regenwasserkanäle in Bäche und Gräben münden. Bei der 90- und 70-Prozent-Variante sei nur ein Pumpwerk beim Maschgraben an der Berliner Straße in Hemmingen-Westerfeld vorgesehen.

Erster Trend in der Ratssitzung

Sie brauchen erst zum Jahresende entscheiden, doch zur Jahresmitte sollen die vier Hemminger Ratsfraktionen bereits eine erste Einschätzung geben, wie sie zum Hochwasserschutz stehen. Dazu hat Bürgermeister Claus Schacht die Fraktionen am Donnerstagabend im vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss aufgefordert.

„Eine Entscheidung benötigen wir erst im Dezember dieses Jahres für den Haushalt 2020“, sagte Schacht im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber die Fraktionen sollen in der Ratssitzung am 27. Juni schon sagen, wie sie sich den weiteren Prozess vorstellen, ob sie sich zum Beispiel noch Fachleute einladen möchten.“

Mitarbeiter von Fachbüros hatten am Montag dieser Woche die neuen Varianten für den Hochwasserschutz vorgestellt und zwar im Fachausschuss in der Aula der KGS. Der Ausschuss gab noch kein Votum ab, weil die Fraktionen erst intern diskutieren wollen. Die Verwaltung hat bisher keine Empfehlung abgegeben. Schacht sagte, dies werde nachgeholt, wenn es gewünscht sei.

Nach der üblichen Beratungsfolge wäre ein Ratsbeschluss in der Sitzung am 27. Juni geplant. Nun wird es – auch zur Information der Öffentlichkeit – ein erstes Stimmungsbild geben. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 19 Uhr im Rathaus. zi

Von Andreas Zimmer

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