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Hemmingen Mentoring-Programm: Mehr Frauen in die Politik
Umland Hemmingen

Hemmingen Pattensen: Mehr Frauen in die Politik mit Mentoring-Programm Gleichstellungsbeauftragte werben

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15:00 13.05.2019
Diana Sandvoß (von links), Andrea Eibs-Lüpcke, Karina Möllenhoff, Kerstin Liebelt und Heike Grützner wünschen sich weitere Teilnehmer beim Mentoring-Programm. Quelle: Torsten Lippelt
Hemmingen/Pattensen

Nur zehn der 27 Ratsmitglieder in Hemmingen sind weiblich. Wie kommt das? Die Hemminger Mentee Karina Möllenhoff hat eine Erklärung: „Politikerinnen vermitteln oft das Bild, perfekt zu sein und alles im Griff zu haben - ihr Amt und zugleich die Familie. Da sagen sich viele Frauen: Wie soll ich mich politisch engagieren? Ich schaffe das alles ja jetzt schon kaum.“ Auch der Respekt vor Politikern, die schon seit vielen Jahren aktiv sind, gehöre dazu. „Ein Berg an Erfahrung steht da vor einem Neuling“, ergänzt sie. „Aber ich habe gemerkt: Wenn ich etwas bewegen und erreichen will, muss ich mitmachen. Sonst fragen mich meine Kinder später, wie bestimmte Dinge überhaupt passieren konnten.“

Wer ähnlich denkt wie Möllenhoff, sollte am landesweiten Mentoring-Programm „Frau. Macht. Demokratie“ teilnehmen. Beim regelmäßig vor Kommunalwahlen – unter wechselnden Titeln - angebotenen Mentoring-Programm bekommen Frauen ohne kommunalpolitische Erfahrung als – neudeutsch – Mentee einen erfahrenen Mentor oder eine Mentorin zugeordnet. Der oder die steht mit Gesprächen und der Teilnahme an politischen Veranstaltungen wie Fraktions- und Ratssitzungen hilfreich und beratend zur Seite.

Gleichstellungsbeauftragte ermuntern zur Teilnahme

Zur Teilnahme an dem Programm haben jetzt Diana Sandvoß, die Hemminger Gleichstellungsbeauftragte, und ihre Pattenser Kollegin Heike Grützner bei einem gemeinsamen Medientermin im Hemminger Rathaus ermuntert. Mit dem vom Niedersächsischen Sozialministerium unterstützten Projekt sollen mehr bislang politisch nicht engagierte Frauen für eine Kandidatur bei der nächsten Kommunalwahl in Niedersachsen im Herbst 2021 gewonnen werden. Sandvoß gibt einen Überblick: „Der Frauenanteil im Bundestag liegt bei 30,9 Prozent, im Landtag bei 27,7 und in den niedersächsischen Stadt- und Gemeinderäten aktuell bei nur 23,5 Prozent. Unser Ziel ist es, anteilmäßig wie auch in der Gesellschaft auf rund 50 Prozent zu kommen.“ Zu diesem Zweck kooperiert sie mit Heike Grützner.

Fünf Mentees haben sich bislang in Hemmingen und Pattensen schon angemeldet. Als Mentoren unter anderem in Hemmingen Bürgermeister Claus Schacht (SPD) zugesagt, die SPD-Landtagsabgeordnete und Ratsvorsitzende Kerstin Liebelt sowie die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Barbara Konze. In Pattensen ist es die Ratsfrau Andrea Eibs-Lüpcke.

Der geplanten Auftaktveranstaltung in Hannover am 30. August 2019 folgen bis August 2020 drei sogenannte Rahmenveranstaltungen und weitere persönliche und fachliche Angebote an verschiedenen Standorten, bevor im Spätsommer 2020 – also etwa ein Jahr vor den Kommunalwahlen - die Abschlussveranstaltung ist.

Kerstin Liebelt kam übers Mentoring-Programm in die Politik

„Wer sich als Frau kommunalpolitisch engagieren möchte, muss dafür nicht gleich in eine Partei eintreten“, sagt Kerstin Liebelt, die selbst über das Mentoring-Programm in die Politik gekommen ist. „Wer gute Ideen hat und sich bei einer Partei mit seinen Interessen wiederfindet, kann auch Fraktionsmitglied ohne Parteizugehörigkeit werden“, verweist Kerstin Liebelt auf aktuelle Beispiele aus Hemmingen. Grützner erläutert: „Etwa 60 Prozent aller im Mentoring-Programm betreuten Frauen sind beim letzten Mal auf der Wahlliste einer Partei gekommen. Mehr als 40 Prozent haben dann auch ein Mandat erlangt.“

Warum sind aber so viele Männer in der Politik? „Bei Männern fragt keiner nach, wie diese Familie und Beruf organisiert bekommen“, sieht Andrea Eibs-Lüpcke hier eine Aufgabe, die auch durch mehr Frauen in der Politik verändert werden kann. Liebelt sagt selbstkritisch: „Wir Parteien müssen uns auch den Schuh anziehen, Beruf, politisches Engagement und Familie vereinbarer zu machen. Oft sind Sitzungen schlecht terminiert und viel zu lang.“

Hier können sich Frauen anmelden

Am Mentoring-Programm „Frau.Macht.Demokratie“ können alle Frauen teilnehmen, die im Herbst 2021 mindestens 18 Jahre alt sind und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder seit mindestens einem Jahr EU-Bürgerin sind. Gesucht werden außerdem in der Kommunalpolitik erfahrene Frauen und Männer, die als Mentoren die Mentees unterstützen.

Hemmingens Gleichstellungsbeauftragte Diana Sandvoß ist unter der Telefonnummer (05 11) 4 10 31 77 erreichbar, E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@stadthemmingen.de. Pattenser Bewerbungen notiert Heike Grützner unter der Rufnummer (0 51 01) 1 00 11 09 und zudem per E-Mail an gleichstellungsbeauftragte@pattensen.de. Bewerbungen können aber auch direkt auf der Website www.frau-macht-demokratie.de abgegeben werden und sind bis einschließlich Mittwoch, 15. Mai 2019, möglich. li

Von Torsten Lippelt

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