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Hemmingen Pläne für Hochwasserschutz vorgestellt
Umland Hemmingen

Hemmingen: Pläne für Hochwasserschutz und Deichbau mit Varianten im Ausschuss vorgestellt

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00:19 16.05.2019
In der Aula der KGS stellen die Planer die neuen Varianten vor. Quelle: Andreas Zimmer
Hemmingen

Beim Hochwasserschutz in Hemmingen liegen jetzt vier Varianten auf dem Tisch. Zwei gab es bereits, zwei sind am Montagabend dazugekommen. Mehr als 70 Besucher haben die entsprechende Präsentation in der Aula der Hemminger KGS verfolgt. Dort stellten Mitarbeiter von Fachbüros die Varianten in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt vor. Sie hatten die im April 2018 vorgestellte Machbarkeitsstudie um zwei Varianten eines Schutzes unter einem HQ 100 erweitert. Mit dem HQ 100 ist ein Hochwasser gemeint, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt. Die zentrale Frage dabei war: Gibt es eine Variante, die nicht so viel kostet wie die Maximallösung mit rund 20 Millionen Euro, vergleichsweise gut schützt und öffentlich gefördert wird?

Das sind die beiden neuen Varianten, die teilweise Schutz bieten:

-Bei der etwa 3,8 Kilometer langen, sogenannten 90-Prozent-Variante des HQ 100 (entspricht einem HQ 70) belaufen sich die Kosten auf etwa 4,4 Millionen Euro. Die Trasse ist hauptsächlich eine Wand, der Rest – etwa 27 Prozent – ist ein Erdwall.

Variante 90 Prozent vom HQ 100 Quelle: Stadt-Land-Fluss Ingenieurdienste

-Bei der 3,3 Kilometer langen 70-Prozent-Variante des HQ 100 (entspricht einem HQ 30) belaufen sich die Kosten auf etwa 3,3 Millionen Euro. Die Trasse ist hauptsächlich eine Wand, der Rest – etwa 30 Prozent – ist ein Erdwall.

Variante 70 Prozent vom HQ 100 Quelle: Stadt-Land-Fluss Ingenieurdienste

Das sind die beiden schon bestehenden Varianten:

-Der acht Kilometer HQ 100-Trasse bietet den optimalen Schutz, ist allerdings mit schätzungsweise 20 Millionen Euro auch die teuerste Variante.

-Die sogenannte Nullvariante: Die Stadt belässt es beim bisherigen Katastrophenschutz, also zum Beispiel durch Sandsäcke. Jeder Hauseigentümer muss weiterhin selbst dafür sorgen und sich entsprechend versichern.

In der Aula der KGS stellen die Planer die neuen Varianten vor. Quelle: Andreas Zimmer

Alle Trassen verlaufen vom Klewertweg in Höhe B3 zur Berliner Straße, um den NDR-Sendemast und die KGS zum Alten Dorf und weiter nach Wilkenburg. Je nach Variante können aber Teilstücke fehlen. Thomas Pfeiffer, Leiter des Planungsbüros BPR Hannover, erläuterte, einen Schutz für alle sei immer dort geplant worden, wo das Wasser in hintere Häuserreihen fließt. Wo es nur an einer einzigen Tür stehe, müsse sich der jeweilige Eigentümer um den Schutz kümmern. Jede der beiden neuen Varianten lasse sich in etwa zwei Jahren bauen. Für die acht Kilometer lange Trasse sei mit bis zu sechs Jahren Bauzeit zu rechnen.

Die Finanzierung: „Ohne konkrete Planung gibt es keine Förderzusage“, machte Bürgermeister Claus Schacht deutlich. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gehe von einer EU-Förderung in Höhe von voraussichtlich 43 Prozent aus. Das Geld fließe aber nur unter bestimmten technischen Voraussetzungen. Die Verwaltung will sich in den nächsten Wochen mit dem NLWKN über weitere Details der Förderung abstimmen und was dafür im Einzelnen bei den Plänen zu berücksichtigen ist. Die Region Hannover habe bereits signalisiert, dass sie die Pläne aus Hemmingen grundsätzlich genehmigen würde.

Der weitere Zeitplan: Der Ratsbeschluss ist für den 27. Juni 2019 vorgesehen, der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause. Bereits am 20. Juni kommt der vertraulich tagende Verwaltungsausschuss zusammen. Wenn im November 2019 die Haushaltsplanberatungen beginnen, wird die Verwaltung also Geld für die weitere Planung bereitstellen – oder gegebenenfalls nichts.

So hat der Ausschuss entschieden: Die zweistündige Sitzung endete ohne Votum. Die Ratsfraktionen wollen erst noch intern beraten. Die Stadtverwaltung hatte in ihrer Tischvorlage für den Ausschuss keine Empfehlung ausgesprochen.

Die Fragen der Zuhörer: Eine Stunde lang stellten die Zuhörer ihre Fragen. Sie forderten beispielsweise auf der Internetseite der Stadt eine Karte bereitzustellen, aus der die genaue Wassertiefe hervorgeht. Büroleiter Thomas Pfeiffer kündigte an, diese zur Verfügung zu stellen. Ein Zuhörer fragte, ob es nicht besser sei, anderswo ein weiteres Hochwasser-Rückhaltebecken wie in Salzderhelden (Landkreis Northeim) zu bauen. Ulrich Kiel, einer der Geschäftsführer des Büros Stadt-Land-Fluss Ingenieurdienste, erläuterte, ein weiteres großes Becken würde nicht ausreichen. Deswegen werde überlegt mehrere kleine zu bauen, zum Beispiel im Harz. Auch eine Bürgerbefragung war Thema. Bürgermeister Claus Schacht sagte, dies sei bei dem komplexen Thema schwierig: „Welche Frage sollen wir da stellen?“ Unbeantwortet, denn niemand kann dies je beantworten, ist die Frage, wann das nächste große Hochwasser kommt und wie viele Tage es in Hemmingen bleiben wird. Die Forderung nach einem konkreten Zeitplan wiesen die Ausschussvorsitzende Svantje Von Alten-Rilinger und Fachbereichsleiter Axel Schedler zurück. „Wir können es nicht übers Knie brechen und müssen doch auch erst die Bevölkerung informieren“, sagte Von Alten-Rilinger. Schedler sagte: „Wir wissen nicht, wie lange das Planfeststellungsverfahren dauert.“

Die Vorgeschichte: Der Rat musste im Juni 2018 entscheiden, ob er nun ins Planfeststellungsverfahren für eine Hochwasserschutztrasse einsteigt oder für 35.000 Euro ein weiteres Gutachten in Auftrag gibt.

Zum Weiterlesen: Darum hat der Rat im Sommer 2018 für ein weiteres Gutachten gestimmt

Von Andreas Zimmer

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