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Hemmingen Streit um geplantes Naturschutzgebiet
Umland Hemmingen Streit um geplantes Naturschutzgebiet
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19:15 23.04.2019
Das Linderter und Stamstorfer Holz gehört nicht nur zu Hemmingen, sondern auch zu Ronnenberg und Springe. Im Hintergrund sind Häuser von Hiddestorf zu sehen. Quelle: Torsten Lippelt
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Hemmingen

Wie schutzwürdig ist das Linderter und Stamstorfer Holz? Die Region Hannover möchte das mehr als 100 Hektar umfassende Gelände, das ungefähr so groß ist wie 150 Fußballfelder, als Naturschutzgebiet ausweisen. Doch die Stadt Hemmingen zögert mit ihrer Stellungnahme, ein CDU-Ratsherr und Waldeigentümer spricht gar von „Pseudo-Naturschutz“ und „Enteignung“.

Bürgermeister Claus Schacht teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die Stadt die Region Hannover gebeten hat die Abgabefrist zu verlängern. Eigentlich sollte der Rat die Stellungnahme bereits in der jüngsten Sitzung vor den Osterferien beschließen, also einen Tag vor Fristende, doch die CDU bremst. Fraktionschef Ulff Konze erklärte am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung: „Wir wollen die Hinweise und Argumente, die Waldeigentümer an uns herangetragen haben, sehr ernst nehmen.“ Die Diskussion in der Fraktion über die jüngste Bewertung dieser Kritikpunkte durch die Region stehe noch aus.

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Waldeigentümer haben Bedenken

Ihre Bedenken hatte die CDU bereits im Hemminger Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt deutlich gemacht. „Ich bin entsetzt, dass es als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden soll“, sagte CDU-Ratsherr Christian Baxmann, der Flächen in dem Areal besitzt. Wegen der künftigen hohen Auflagen käme dies einer Enteignung gleich. Es handele sich nicht nur um das Waldgebiet, sondern auch landwirtschaftliche Flächen und Wiesen.

Axel Schedler, Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung, erläuterte in der Sitzung, dass Privatwaldbesitzer den Wald in der Zeit von März bis August nur mit behördlicher Zustimmung bewirtschaften dürfen. In den restlichen Monaten des Jahres sei die Zustimmung nicht notwendig. Werden die Flächen Naturschutzgebiet, ist es für Spaziergänger verboten Wege zu verlassen sowie Hunde unangeleint oder an mehr als zwei Meter langen Leinen laufen zu lassen. Baxmann sprach von einem „Pseudo-Naturschutz“. Er bezweifle zum Beispiel, ob das Gelände zum Beispiel ein Jagdgebiet für Fledermäuse sei.

Grüne für Naturschutzgebiet

Die Fraktion der Bündnisgrünen sieht das anders und befürwortet das Naturschutzgebiet. „Die Stadt ist nicht dazu da Waldbesitzer zu schützen“, sagte Ratsfrau Ulrike Roth. Die Hemminger SPD-Fraktion wollte, da sich neue Aspekte ergeben hatten, nicht im Fachausschuss abstimmen, sondern erst in der Fraktion beraten. Ein Zuhörer im Ausschuss forderte, die Stadtverwaltung solle die Region dazu bewegen, die Eigentümer an einen Tisch zu bringen. Christian Baxmann erklärte, es habe bereits ein Treffen gegeben, an der auch ein Vertreter der Region teilnahm. Regionssprecher Klaus Abelmann teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Um die privaten Waldbesitzer einzubinden, hat ein Gespräch mit ihnen auf dem Gut Bredenbeck stattgefunden. Die Kniggesche Forstverwaltung wurde von der Region gebeten, die Miteigentümer zu dieser Veranstaltung der Region einzuladen.“ Abelmann machte deutlich: „Eine Fortführung ist nicht geplant.“

Auch in der jüngsten Sitzung des vertraulich tagenden Hemminger Verwaltungsausschusses kamen die Fraktionen nicht weiter, so dass das Thema turnusgemäß am 16. Mai erneut auf der Tagesordnung des Rates steht. Die Stadtverwaltung hat bisher vorgeschlagen, dass der Rat das geplante Naturschutzgebiet zur Kenntnis nimmt, also keine Anregungen und Hinweise vorzubringen. Das bedeutet, der Rat würde das Vorhaben der Region befürworten. In ihrer Tischvorlage schreibt die Stadtverwaltung, es handele sich um einen „historischen Waldstandort“ mit unterschiedlich großen heimischen Laubbäumen. Das Areal eigne sich für gefährdete Tierarten wie zum Beispiel den Großen Schillerfalter, aber auch seltene Gehölze wie die Heckenrose und die Schwarzpappel.

FFH-Gebiet gehört zum Netz Natura 2000

Das Gebiet gehört nicht nur zu Hiddestorf (Hemmingen), sondern auch zu Linderte (Ronnenberg) und Lüdersen (Springe) sowie zum Natura 2000, dem Netz von europäischen Schutzgebieten. Es ist identisch mit dem bereits bestehenden Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet Linderter und Stamstorfer Holz.

Mehr zum Thema aus Ronnenberger Sicht lesen Sie hier.

Von Andreas Zimmer