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Hemmingen Die Hemminger Bücherschränke im Test
Umland Hemmingen Die Hemminger Bücherschränke im Test
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00:17 06.07.2018
Der Bücherschrank in Hiddestorf. Quelle: Andreas Zimmer
Hemmingen

SommerzeitLesezeit. Abends packt mich plötzlich die Lust auf einen Roman. Die Stadtbibliothek und die meisten Geschäfte haben zu, aber es gibt ja noch die drei öffentlichen Bücherschränke im Hemminger Stadtgebiet. Rund um die Uhr kann jedermann kostenlos Bücher zum Lesen herausnehmen und gut erhaltene eigene Bücher hineinstellen.

Meine erste Station: Wilkenburg. Denn es ist der jüngste unter den drei Bücherschränken, aufgestellt erst im April dieses Jahres. Ein Buch steht mit dem Titelbild nach vorn: Joss Stirling – Die Macht der Seelen. Beim Aufschlagen stelle ich fest: Es ist ein unkorrigiertes Leseexemplar des Romans. „Das Lektorat dieses Textes ist noch nicht abgeschlossen“, heißt es gleich auf der ersten Seite. Ich stöbere weiter. Die Auswahl ist vergleichsweise groß, reicht von Romanen über Sachbücher bis zu Ratgebern. Auch religiöse Literatur ist darunter. Liegt es daran, dass die St.-Vitus-Kirche direkt gegenüber ist? Ich hatte es befürchtet: Ich stoße auf ein Buch von Johannes Mario Simmel und eines von Heinz G. Konsalik. Kein Bücherschrank ohne ein Buch von zumindest einem der beiden. Das ist wie mit Vinyl von James Last in den Wühlkisten im Schallplattenladen und auf Flohmärkten. Es gab sie früher eben in fast jedem Haushalt. Die Abendsonne durchflutet den Wilkenburger Kirchplatz. Am liebsten möchte ich mich gleich auf die Sitzbank neben dem Schrank setzen und loslesen. Doch mal sehen, was der Schrank am Rathaus in Hemmingen-Westerfeld zu bieten hat.

Auch hier die unterschiedlichsten Bücher. Teilweise ist das Glas des Schrankes etwas zerkratzt, so dass – je nach Lichteinfall – die Buchrücken schlecht lesbar sind, aber die Klappen lassen sich für die freie Sicht alle öffnen. Schließlich ist dieser Schrank auch der älteste, im Juli 2011 enthüllt, und er wird offenbar rege genutzt. Es gibt sogar ein Buch aus und über Hemmingen: „Hemmingen damals“ von der Bürgerstiftung, noch originalverpackt. In dem Band hat die Stiftung die Berichte und Geschichten von Hemmingern bei Erzählabenden in den Jahren 2011 bis 2013 gesammelt. Wie auch in Wilkenburg und später in Hiddestorf sind etliche Bücher zu finden, die aus dem Bestand der Stadtbibliothek Hemmingen ausgeschieden sind. In Hemmingen-Westerfeld ist das auch kein Wunder, schließlich befindet sich die Bibliothek im Rathaus. Das ist überhaupt das Schöne an diesem Standort: Man kann sich zum Beispiel ein Eis kaufen und den Sommerabend lesend mit Erfrischendem verbringen.

Nun möchte ich aber noch zum Schrank in Hiddestorf. Ich stöbere wieder allein – offenbar bin ich zu spät dran. Der Schrank steht vor dem Gemeindezentrum und man merkt ihm an, dass ihn viele junge Familien nutzen. Es gibt etliche Elternratgeber und Kochbücher und so viele Kinderbücher wie in den beiden anderen Schränken nicht. Fast vier Jahre ist es schon wieder her, dass dieser Schrank seiner Bestimmung übergeben wurde. Schade, dass es keinen Schrank mehr im größten Hemminger Stadtteil, in Arnum, gibt. Dort stand 2011 schließlich der erste: vor dem Gemeindehaus der Friedensgemeinde. Dann wurde er ans Freibad umgesetzt.

Elf Kilometer bin ich insgesamt gefahren. Drei Bücherschränke auf dieser Strecke – eine gute Quote. Nun wollte ich eigentlich einen Roman und habe drei ganz andere Bücher gefunden. Doch gut so: In jedes habe ich noch an dem Abend reingelesen.

Es gibt Bücherschränke in Hemmingen-Westerfeld, Hiddestorf und Wilkenburg.

Hemmingen-Westerfeld

Ort: Rathausplatz

Unterstützer: unter anderem Bürgerverein und Bürgerstiftung

Zahl:schätzungsweise 250, fast voll

Größtes Buch: Stephen SkinnerFeng Shui, DIN-A-4-Band über die chinesische Harmonielehre

Dickstes Buch: Jack Finney – Zeitspuren, Sciene Fiction auf 893 Seiten

Ältestes Buch: vermutlich Johanna Hoffmann – Die verratene Heilige von 1966, historischer Roman

Simmel oder Konsalik? Zwei Mal Simmel

Angebot für Kinder: sehr gering

Besonderes: Vier Sitzplätze direkt daneben, ansonsten gibt es noch viele andere Sitzgelegenheiten einschließlich der Gastronomie am Rathausplatz

Hineingestellt: Die Lesemaus – Wir haben einen Freund, der ist Fußballspieler

Herausgenommen: „Hemmingen damals“, wenn ich es denn nicht schon hätte, deshalb „Der Winterabend-Krimi“ mit mehreren Kurzgeschichten

Hiddestorf

Ort: vor dem St.-Nikolai-Gemeindezentrum an der Ostertorstraße

Unterstützer: unter anderem Bürgerverein und Bürgerstiftung

Zahl: etwa 250, fast voll

Größtes Buch: „Italia Kochbuch“ vom Verlag Lechner Eurobooks

Dickstes Buch: Die Bibel mit 1228 Seiten schlägt Marion Zimmer Bradley – Die Nebel von Avalon, Fantasy-Roman mit 1104 Seiten

Ältestes Buch: vermutlich Wilkie Collins – Der rote Schal von 1967, Roman

Simmel oder Konsalik? Ein Mal Konsalik

Angebot für Kinder: gering, etliche „Petzi“-Bücher und für Kinderhände gut erreichbar im untersten Regal

Besonderes: Zwei Sitzbänke direkt neben dem Schrank laden zum Verweilen ein

Hineingestellt: Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Roman

Herausgenommen: Julia Heilmann und Thomas Lindemann – Kinderkacke: Das ehrliche Elternbuch

Wilkenburg

Ort: Kirchplatz St. Vitus, Kirchstraße

Unterstützer: unter anderem DRK, Sparkasse und Bürgerstiftung

Zahl: schätzungsweise 250 Bücher, fast voll

Größtes Buch: Diercke Weltatlas, DIN-A-4-Format

Dickstes Buch: Ken Follet – Säulen der Erde, Roman mit 1151 Seiten

Ältestes Buch: vermutlich Victor Hugo – Die Elenden, Roman, undatierter Band in Sütterlinschrift

Simmel oder Konsalik? Beide

Angebot für Kinder: sehr gering

Besonderes: Zwei Sitzbänke neben dem Schrank mit Blick auf den Kirchhof laden zum Verweilen ein

Hineingestellt: Lesebuch für Kinder

Herausgenommen: Kurt G. Blüchel – Bionik: Wie wir die geheimen Baupläne der Natur nutzen können

Von Andreas Zimmer

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