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Umland Hemmingen Nachrichten Beim Schützenausmarsch dürfen Pumps nicht fehlen
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20:34 24.04.2015
Die Gründungsmitglieder Margrit Andratzek (links) und Ingeborg Körner blättern in der Chronik.
Die Gründungsmitglieder Margrit Andratzek (links) und Ingeborg Körner blättern in der Chronik. Quelle: Torsten Lippelt
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Hemmingen

Der ausschließlich Frauen zu seinen Mitgliedern zählende Verein feiert am Sonnabend, 25. April, im Hotel zur Post mitsamt Bürgermeister Claus Schacht sein 50-jähriges Bestehen.

Neun junge Frauen, denen es damals nicht gefiel, aufgrund der ablehnenden Schützen-Männerwelt vom Schießsport abgehalten zu werden, gründeten am 26. April 1965 in der Gaststätte Siegmund den Damenschießclub. Bis heute dabei sind die Schriftführerin Margrit Andratzek, Gertrud Szalkau und das Ehrenmitglied Ingeborg Körner, die 1967 von der Gründungsvorsitzenden Vera Wiegmann die Clubführung für die nächsten 27 Jahre übernahm.

Die erste Fahnenweihe und die Schützenkostüme, der erste Ausmarsch 1968 und der Umzug 1974 auf die Schießstände in der Leineaue sind markante Punkte dieser Zeit, in der die Mitgliederzahl bis auf 40 stieg. Mit dem Vorsitzwechsel 1994 auf die noch heute im Amt befindliche - und somit erst dritte Vorsitzende in 50 Vereinsjahren - Jutta Marczinski, ist das zweimalige Gewinnen der Winterkönigin im Verband Hannoverscher Schützenvereine verbunden: durch sie selbst (1995) und Margrit Andratzek (2002). 21 Frauen zählt der Verein nun, trainiert wird mittwochs.

Beim kommenden Ausmarsch in Hannover werden sich die Hemminger Damen im Unterschied zu den meisten anderen Schützen auf einem großen Wagen fahren lassen. Das geht dann auch in höherem Alter noch gut in Pumps.

„Wir schossen von der Küche ins Waschhaus“

Gemeinsam mit Gertrud Szalkau gehören Margrit „Mama“ Andratzek und Ingeborg „Omi“ Körner zu den Schützinnen der ersten Stunde im Hemminger Damenschießclub. Im Interview erklären sie ihre Motivation.

Frau Körner, was hat Sie als junge Frau vor 50 Jahren persönlich bewogen, einen Schießclub nur für Damen zu gründen?

Jung – Na ja… Ich war damals 40 Jahre alt und meist allein zu Hause. Da hat mein Vater gesagt: „Geh doch da mal hin!“ So wurde ich bei der Gründung das neunte Clubmitglied – und sogleich die offizielle Schießwartin, obwohl ich bis dahin noch nie ein Gewehr in der Hand gehalten hatte!

Und Sie, Frau Andratzek?

Bei uns als Schützenfamilie haben die Jungen und Mädchen schon zu Hause schießen geübt – von der Küche aus in einen Kugelfang, der im Waschhaus stand. Aber als ich im Schützenverein schießen wollte, durfte ich nicht. Da fand ich mit 27 dann als Lösung unseren Damenschießclub.

Und was gefällt Ihnen heute an dieser Runde?

Körner: Soweit ich kann, schieße ich noch. Aber in erster Linie schätze ich hier das nette Miteinander.

Andratzek: Ich weiß nicht, wann ich mal gefehlt habe – aber es ist nicht nur der Schießsport, sondern auch die Geselligkeit und das gegenseitige Helfen mit Rat und Tat, das Spaß macht. Auch wenn wir im Club langsam immer weniger werden.

Von Thorsten Lippelt

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