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19:46 06.03.2015
Von Andreas Zimmer
Dorit Miehe (sitzend links) und Svenja Schneider (sitzend rechts) nehmen probeweise im Ratssaal Platz. Hinter ihnen stehen Frauke Patzke und Wolf Hatje.
Dorit Miehe (sitzend links) und Svenja Schneider (sitzend rechts) nehmen probeweise im Ratssaal Platz. Hinter ihnen stehen Frauke Patzke und Wolf Hatje. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen

Ratsarbeit in Hemmingen ist männlich dominiert. Das ist Dorit Miehe und Svenja Schneider aufgefallen. „In Fachausschusssitzungen reden meistens Männer, selbst in den Zuhörerreihen sind kaum Frauen“, sagt Miehe. Das soll sich ändern - und Schneider und Miehe gehen mit gutem Beispiel voran. Sie sind Mentees im Programm „Politik braucht Frauen“.

Nach der Kommunalwahl im Herbst 2016 gehören sie vielleicht selbst dem Rat der Stadt an. Beide sollen und wollen sich um Mandate bewerben. Mitglied in einer Partei sind sie bisher nicht. Miehes Mentorin ist Ratsfrau Frauke Patzke (Bündnisgrüne), Schneider wird von Ratsmitglied Wolf Hatje (DUH) begleitet. Ratsfrau Kerstin Liebelt (SPD) kümmert sich um je eine Mentee aus Hemmingen-Westerfeld und Springe. Auch die CDU nimmt an dem Programm teil, doch die Mentees haben diesmal andere politische Vorlieben geäußert. In der Region Hannover haben sich insgesamt 83 solcher Tandems gefunden.

Hemmingens Gleichstellungsbeauftragte Diana Sandvoß hat Mentoren und Mentees gestern anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März zu einer ersten Bilanz nach etwa zwei Monaten an einen Tisch geholt. Was bewegt Frauen, sich an dem Programm, das bis Anfang 2016 läuft, zu beteiligen? „Ich habe davon in der Zeitung gelesen“, sagt Miehe. Sie erläutert, sie habe sich schon ehrenamtlich engagiert. Weil ihre Kinder nun größer sind, sei genug Zeit dazu. Miehe - ihr Alter gibt sie mit „über 50“ an - wohnt seit etwa 20 Jahren in Hiddestorf und arbeitet in Laatzen bei einem Projekt mit Alleinerziehenden als Jobcoach. Svenja Schneider hat während des Praktikums bei einer Gleichstellungsbeauftragten in der Region von dem Mentoringprogramm erfahren. „Ich wollte mal reinschnuppern“, sagt die 26-Jährige aus Hemmingen-Westerfeld. Sie studiert Politik und Religionswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover. „Außerdem engagiere ich mich gern ehrenamtlich.“

Auch die Mentoren profitieren von dem Programm. Wolf Hatje sagt, dass das eigene Verhalten reflektiert werde. „Wir fragen uns: Warum tun wir das überhaupt so?“ Frauke Patzke sagt: „Was für uns selbstverständlich ist, ist für andere neu.“ Bestimmte Themen bevorzugen Miehe und Schneider nicht. Letztere blockt ab: „Mit diesem Schubladendenken will ich gar nicht erst anfangen.“

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