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Umland Hemmingen Nachrichten Im Jugendzentrum regieren die Oldies
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21:10 28.07.2014
Chameleon: Dieter (r.) und Achim grooven zusammen.
Chameleon: Dieter (r.) und Achim grooven zusammen. Quelle: Michael Krowas
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Hemmingen

Am Wochenende war Til von Dombois, der Pop-Kantor des Kirchenkreises Laatzen-Springe, mit 34 Jahren der Jüngste im Jugend Kultur Haus an der Hohen Bünte, kurz Jugi genannt. Neben seiner Tätigkeit für die Kirche ist von Dombois ein hervorragender Sänger und Multiinstrumentalist; er war einer von vier Dozenten des Bandworkshops „50 plus“ in Hemmingen. Hier duzt man sich.

„Dein Groove fängt auf drei an“ sagt Bassist Mario zu Marc. Der Keyboarder nickt, und dann spielen die beiden Musiker gemeinsam mit Drummer Achim und Saxophonist Mick eine Ska-Version von „Sun don’t shine“.

In drei Räumen des Jugend Kultur Hauses hatten sich die Teilnehmer häuslich eingerichtet. Gitarrenkoffer standen herum, darin Notenblätter und Ersatzsaiten. „Und meine Magentabletten“, sagte Manfred Otten aus Völksen grinsend, „damit ich das Bier besser vertrage.“ Der 51-jährige Bassist spielt in zwei Bluesbands und im Musikzug Völksen. Er war aufgrund der Initiative seiner Kinder Svenja, Annika und Jens beim Workshop. „Papa, der alte Sack, muss da hin“, hätten die gesagt und ihn einfach angemeldet.

Saxofonist Michael McCormack aus Laatzen war gekommen, „um mal wieder so richtig abzurocken.“ Der gebürtige Schotte war ein sicherer Solist in verschiedenen Ensembles, die sich immer wieder neu bildeten.

Otten, McCormack und all die anderen Teilnehmer hatten jede Menge Spaß, aber die ernsthafte musikalische Arbeit kam auch nicht zu kurz. Johannes Lange-Kabitz, Mario Ehrenberg-Kempf, Andreas Hülsemann und von Dombois unterwiesen die Musiker, die zum Teil hervorragend mit ihrem Instrument umgehen konnten, teils aber auch noch nie in einer Band gespielt hatten, in elementaren Dingen. „Ihr müsst aufeinander hören“, sagte Keyboarder Hülsemann oft, „sonst seid ihr nicht homogen.“ Es ging auch um den Feinschliff wie etwa die Bühnenpräsenz; bei einem Konzert am Sonnabend kamen rund dreißig Gäste, die die innerhalb kürzester Zeit entstandenen Bandleistungen bejubelten.

Kleine, feine Riffs beim Stimmen der Instrumente und gelungene Soli beim Vortrag der erarbeiteten Stücke zeigten manchmal die Klasse der einzelnen Musiker. Bei den Songs, die die altgedienten Musiker gemeinsam einstudiert haben, gab es nur wenig Überraschungen: Der unvermeidliche Beatles-Titel „Get Back“ war ebenso dabei wie „Satisfaction“ von den Stones und „Oye como va“ von Carlos Santana. Bis auf einen Ausreißer: Nach nur einer Stunde gemeinsamen Musizierens gab es bei einer der Sessions eine nahezu perfekte Version des Jazz-Klassikers „Chameleon“ von Herbie Hacock zu hören.

„Die Jungs sind alle gut“, sagte Hülsemann, „und das Jugi ist für uns ideal geeignet.“ Der ausgebildete Pastor und Kirchenmusiker hatte das Wochenendseminar organisiert, sorgte für Übernachtungsmöglichkeiten und das Catering und stand während der gesamten Zeit allen Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite.

Mit Unterstützung der evangelischen Landeskirche und der Stadt Hemmingen ist ein interessantes Projekt entstanden, das fortgesetzt werden wird. Näheres zu den geplanten Terminen erfährt man auf www.bandworkshop50plus.de.

Michael Krowas

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