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Umland Hemmingen Nachrichten Mitfahrerbänke bleiben stehen
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00:16 19.11.2017
B.A.S.-Mitarbeiter Frank Rotermund (li.), Claus-Dieter Schacht und Werner Sporleder (re.) am provisorischen Standort der Hinweistafel in der Arnumer Straße. Quelle: Torsten Lippelt
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Arnum/Harkenbleck

Seit etwa einem halben Jahr stehen in Arnum und Harkenbleck sogenannte Mitfahrerbänke. Werden sie genutzt? Eine Statistik gibt es nicht. Die Idee dahinter: Jemand setzt sich auf die eigens aufgestellte Bank neben dem Mast mit dem grünen M auf gelben Grund und wird gratis von einem Fahrer mitgenommen. Dieser weiß davon, weil sich einige hundert Meter vor der Bank eine entsprechende Infotafel befindet. 

„Es ist etwas Neues. Es muss erst bekannt sein, und die Menschen müssen sich daran gewöhnen“, sagt Werner Sporleder. Er ist Vorstandsvorsitzender der B.A.S. Verkehrstechnik AG in Arnum, die Ideengeber für die Mitfahrerbank in Hemmingen ist und sie aufgestellt hat. Der Anlass: In kleinen Ortschaften wie Harkenbleck gibt es keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Insbesondere für Ältere ist es schwierig die Dinge des täglichen Bedarfs zu erledigen. Zwischen 8 und 23 Uhr fährt beispielsweise von der Haltestelle Im Häge in Harkenbleck – also dort, wo in der Nähe die Mitfahrerbank steht – stündlich ein Bus, sonnabends weniger und sonntags noch weniger. Gerade in Zeiten, in denen etliche Buslinien auf der Streichliste stehen, betont Sporleder: „Die Bänke bleiben stehen.“ Bei Bedarf könnten weitere aufgestellt werden. Wer Vorschläge hat, ruft bei der B.A.S. unter Telefon (0 51 01) 58 80 50 an. „Wir brauchen dann die Genehmigung der Behörden, aber das lässt sich ja erfragen“, sagt Sporleder

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„Eine schöne Idee“

Die Hemminger Stadtverwaltung begrüßt die Mitfahrgelegenheit. „Es ist eine schöne Idee“, sagt Fachbereichsleiter Sven Bertram. Ob Bäcker oder Arztpraxis: In einigen Stadtteilen sei die Infrastruktur nicht mehr dieselbe wie vor einigen Jahren. Die Hemminger Polizei hat zwar beobachtet, dass die Bänke oft leer seien, was aber nicht bedeute, dass sie nicht genutzt werden. Beschwerden, dass beispielsweise Fahrer gegenüber Beifahrern aufdringlich geworden sind, habe es nicht gegeben. 

Wie sieht es eigentlich mit dem Versicherungsschutz aus? Stefan Korpiun von der Hemminger VGH-Vertretung erläutert diverse Fälle. Beschmutze zum Beispiel ein Beifahrer mit seinem dreckigen Mantel die Autositze, dann werde dies über die Privathaftpflichtversicherung des Beifahrers geregelt. 

„Bei einem Unfall greift die Kfz-Haftpflichtversicherung“, erläutert Korpium. Der Fahrer sollte eine Fahrerschutzversicherung abgeschlossen haben, oft ein Bestandteil zum Beispiel von privaten Unfallversicherungen. 

Bei einem Test dieser Zeitung hat Lukas Tilch an der Mitfahrerbank an der B 3 in Arnum gehalten. Der 24-Jährige aus Hüpede sagt, er habe die Bank schon häufiger wahrgenommen, aber es habe dann nie jemand darauf gesessen. Er sagt, wenn er keine Eile wegen Terminen habe, nehme er hin und wieder Anhalter mit. 

Bei einem Aufruf auf der Facebook-Seite dieser Zeitung, persönliche Erfahrungen mit der Mitfahrerbank zu schildern, gab es unterschiedliche Reaktionen. Eine Frau schrieb: „Ich gucke immer, ob ich jemanden mitnehmen kann. Ich finde die Idee toll.“ Eine andere Frau merkt an: „Mir wäre das – ehrlich gesagt – zu unsicher. Nachher sitzt man dann mit seinen Einkäufen im Regen, und niemand hält an.“ Ein Nutzer hingegen schrieb: „Es funktioniert, ich wurde schon nach nur vier Minuten mitgenommen.“ Auch eine Frau hat gute Erfahrungen gemacht: „Heute zum ersten Mal ausprobiert, und keine zwei Minuten später wurde ich mitgenommen. Super!“

Unsere Zeitung hat den Test gemacht: Wie schnell wird man mitgenommen? Der Erfahrungsbericht steht hier: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Region/Hemmingen/Nachrichten/Die-Mitfahrerbank-ausprobiert

Von Andreas Zimmer

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