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Nachrichten Radverkehrskonzept ist fertig
Umland Hemmingen Nachrichten Radverkehrskonzept ist fertig
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20:39 02.03.2015
Von Andreas Zimmer
Holprig: Eine der vielen schadhaften Stellen auf dem Radweg an der Landesstraße 389 in Wilkenburg.
Holprig: Eine der vielen schadhaften Stellen auf dem Radweg an der Landesstraße 389 in Wilkenburg. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen

Das 40-seitige Papier wird am Donnerstag, 5. März, 19 Uhr, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt im Rathaus vorgestellt. Es bleibt bei der bisher eingeschlagenen Richtung: In vielen kleinen Schritten über Jahre soll die Situation für Radfahrer verbessert werden. 310.000 Euro, so die Empfehlung, seien dafür jährlich zu investieren.

Von dem Geld sollen nicht nur Fahrradstraßen wie zum Beispiel am Köllnbrinkweg in Hemmingen-Westerfeld ausgewiesen werden. Das Konzept dreht sich zum Beispiel auch um Wegweiser. Von Letzteren gibt es in Hemmingen zwei Systeme. „An einigen wichtigen Netzpunkten fehlen sie“, wird in dem Konzept kritisiert.

Ladestation aufbauen

In Hemmingen gibt es bislang keine öffentliche Stelle, an der Elektrofahrräder aufgeladen werden können. Das soll sich ändern. Da es eine gewisse Zeit dauert, bis der Akku voll ist, sollten die Ladestationen in der Nähe von Geschäften oder Freizeiteinrichtungen sein. Für die Planer bieten sich unter anderem der Rathausplatz, Schwimmbäder und der Gewerbepark Hemmingen II unter anderem mit dem Real-Markt an.

Zählsäule anschließen

Wie viele Radfahrer sind an einer bestimmten Stelle unterwegs? Sichtbar werden soll dies durch eine Radzählstelle. Sensoren erfassen die Radfahrer, die Zahl erscheint auf Displays. Angezeigt werden der Tag und die Jahressumme bis dahin. „Der Radverkehr wird dadurch stärker thematisiert“, heißt es in dem Konzept. Als Standort schlagen die Planer zum Beispiel einen Abschnitt auf dem Schulweg zur KGS vor.

Anlehnbügel aufstellen

Die Abstellmöglichkeiten für Räder sollen verbessert werden. Die Vorderradhalter, wie es sie zum Beispiel am Strandbad gibt, sind aus Sicht der Planer veraltet. Einige Halter seien zudem stark verbogen. Der neue Standard seien Anlehnbügel, wie sie unter anderem schon an der KGS stehen. Die Planer verweisen darauf, dass dort trotzdem viele Fahrräder wild abgestellt werden. Möglicherweise reiche die Zahl der Anlehnbügel nicht aus.

Wegenetz verbessern

Wünschenswert ist laut Planer ein kontinuierlicher, sicherer und komfortabler Radweg an der kompletten B 3 in Hemmingen. Zudem soll vielerorts die Benutzungspflicht für gemeinsame Geh- und Radwege wie an der Berliner Straße in Hemmingen-Westerfeld aufgehoben werden. Radfahrer wären dann auf der Straße – und im Blickfeld der Autofahrer – unterwegs. Im Süden der Berliner Straße soll es aber einen Schutzstreifen geben.

Der Griff nach dem Strohhalm

Jetzt hat die Hemminger Stadtverwaltung auch Rückendeckung vom Rat: Einstimmig beschlossen die Mitglieder in ihrer jüngsten Sitzung bei der Radwegsanierung an der L 389 in Wilkenburg etwas Neues auszuprobieren. Dabei übernimmt die Stadt zunächst die Planungskosten, die eigentlich das Land zahlen müsste. Die Stadtverwaltung soll Details dazu erfragen. Ein Großteil der Strecke befindet sich auf dem Gebiet der Landeshauptstadt.

Von einer „grenzwertigen Situation“ sprach der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Beismann. „Zwei Landesregierungen“ seien schon an der Macht gewesen, aber der marode Radweg sei immer noch nicht erneuert. Das Land müsse endlich die Verkehrssicherheit auf der Strecke gewährleisten. Beismann und auch Jürgen Grambeck, Fraktionschef der Bündnisgrünen, erwähnten den Unfall einer Frau aus Rethen, über die diese Zeitung berichtet hatte. Die heute 77-Jährige schilderte in dem Artikel, wie sie 2012 auf dem Radweg aus Richtung Wülfel kommend kurz vor der Leinebrücke verunglückt war. Sie hatte sich die Schulter gebrochen. Insgesamt etwa neun Wochen verbrachte sie im Krankenhaus und bei Rehabilitationsmaßnahmen in Kliniken. Grambeck stellte klar: „Wir übernehmen nicht Aufgaben, die beim Land liegen. Doch wir sollten diesen kleinen Strohhalm greifen.“

Den Antrag im Rat hatten CDU, Bündnisgrüne und DUH gestellt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulff Konze sagte, durch das neue Modell könnte die Sanierung in der Prioritätenliste des Landes schneller nach oben gelangen. „Dies auszuloten ist es allemal wert.“

Kim Gallop 01.03.2015
28.02.2015