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Nachrichten Stücke aus dem Sündenbabel der USA
Umland Hemmingen Nachrichten Stücke aus dem Sündenbabel der USA
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06:00 05.01.2015
Die „Jazz-Ärzte“ behandeln ihr Publikum, die ein gelungenes Neujahrskonzert mit der Old Virginny Jazzband erlebten. Quelle: Michael Krowas
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Hemmingen-westerfeld

Die Mannen um Lokalmatador Ulli Petersen präsentierten Oldtime-Jazz, Dixieland und Swing in seiner schönsten Form. Drei Bläser, je ein Gitarrist, Bassist und Drummer sorgten für den Zeitsprung zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Musiker spielten sich souverän und unaufgeregt durch die Jazz-Standards. Akustische Höhepunkte gab es immer wieder durch Saxophonist Ulli Baier, der auch auf der Klarinette zu überzeugen wusste - und so Erinnerungen an den britischen Jazzklarinettisten Mr. Acker Bilk lebendig werden ließ.

Bandleader Rainer Topp übernahm die Rolle des Moderators und klärte das Publikum dabei auch über die Vorbilder des Ensembles auf. Den Song „Careless Love“ habe man wieder ins Programm aufgenommen, nachdem er die inspirierte Version der französischen Jazzsängerin Madeleine Peroux gehört habe, gab er zu Protokoll.

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Vor dem „Buddy Bouldon Blues“ schilderte Topp das New Orleans der vorletzten Jahrhundertwende. Im „Sündenbabel Amerikas“ habe es 2000 Huren gegeben, sagte Topp, und 30 Pianisten, die in den Bordellen für Unterhaltung gesorgt hätten. Der Trompeter Bouldon galt als das Genie unter den Jazzbläsern; er habe tagsüber als Frisör gearbeitet. „Die, die ihn kannten, kamen frühmorgens, wenn er noch keinen Alkohol getrunken hatte und seine Hand noch ruhig war“, erzählte Topp und brachte die Lacher auf seine Seite. Man merkte ihm allerdings deutlich seine Nervosität an, wenn er Geschichten und Anekdoten rund um die Lieder zum Besten gab.

Stücke wie „Dr. Jazz“ aus dem Jahr 1926 oder „Undecided“ kamen im Soundgewand der Old Virginny Jazzband beschwingt und entspannt daher. Die sechs Hannoveraner haben sich dem traditionellen Jazz etwa der Dutch Swing College Band oder eines Chris Barber verschrieben. Neues gab es nicht zu hören, aber das erwartete auch niemand. Viele zufriedene Gesichter im Bauhof sah man an diesem Abend. Einige gähnten verstohlen, aber das mochte der ungewohnten Veranstaltungszeit geschuldet gewesen sein.

Michael Krowas

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