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Nachrichten Zeitzeugen erinnern sich an das Kriegsende
Umland Hemmingen Nachrichten Zeitzeugen erinnern sich an das Kriegsende
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00:22 17.04.2015
Von Andreas Zimmer
Die Hemminger Flakstellung: Bewohner der Dörfer in der Nähe berichten, dass die Kommandos zum Feuern nachts deutlich zu hören waren. Dem grellen Lichtschein folgte ein lauter Knall. Quelle: Buch Heinz Wiegmann
Hemmingen

Drei der Zeitzeugen kannten sich bereits vor 70 Jahren. Lisa Kistenmacher wohnte in Hemmingen-Westerfeld und Heinz Wiegmann in Hemmingen Dorf. Kistenmacher und Waltraud Uhde aus Arnum besuchten gemeinsam den Konfirmationsunterricht. Die vierte Zeitzeugin ist Waltraut Rehren aus Hiddestorf. Auch wenn die Dörfer nicht weit voneinander entfernt waren: Es habe kaum Kontakt untereinander gegeben, erläutert Rehren. Die wichtigste Informationsquelle sei das Radio gewesen.

Die Veranstaltung des Heimatbundes am Mittwoch, 22. April, beginnt um 19.30 Uhr im Trinitatisgemeindezentrum in Hemmingen-Westerfeld. Der Eintritt ist frei. Zudem hält der Militärhistoriker Karl-Heinz Heineke aus Köln einen Vortrag zum Thema. Darüber hinaus zeigt der Heimatbund den vierminütigen Beitrag aus „Hallo Niedersachsen“ im NDR-Fernsehen. Ein Kamerateam hatte Anfang dieses Monats mit Zeitzeugen in der Arnumer Begegnungsstätte gedreht.

Heinz Wiegmann: Süßes Ende einer Vernehmung

Die deutschen Soldaten in der Flakstellung in der Hemminger Feldmark waren fort, das Barackendorf darin schien leer. Mit vier anderen Jungen machte sich Wiegmann, fast 13 Jahre alt, auf den Weg zu dem Dorf, wo sie bis zu 30 Köpfe von Panzerfäusten abklemmten und so entschärften und in einen Brunnen warfen. Als ein Kumpel einen Stein in die Scheibe der Kantine schleuderte, traf er unerwartet einen amerikanischen Soldaten an der Brust, der mit einer Trillerpfeife Alarm schlug. Soldaten eilten herbei und verhörten die Teenager mithilfe eines Dolmetschers. Der Steinwurf missfiel ihnen. „Doch nach der Vernehmung bekam jeder von uns eine Tafel Schokolade und einen Beutel Kekse“, erzählt Wiegmann. Warum das? „Als Belohnung für die entschärften Köpfe der Panzerfäuste.“

Waltraud Uhde: Die leise Ankunft der Amerikaner

Per Flugzeug hatten die Amerikaner Zettel abgeworfen mit der Aufforderung, sich zu ergeben. „Doch der Ortsgruppenleiter hielt uns in Schach: Wer die weiße Fahne hisst, wird erschossen!“, berichtet Waltraud Uhde aus Arnum, damals 13 Jahre alt. Sie war am 10. April mit ihrer Großmutter in ­rnum zusammen, ihre Mutter war Straßenbahnfahrerin in Hannover. „Plötzlich hieß es: Pattensen-Ende hat die weiße Fahne gehisst.“ Der Ortsgruppenleiter sei spurlos verschwunden. Panzer rollten schließlich durch Arnum, zu beiden Seiten gingen amerikanische Soldaten. Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie einen Farbigen gesehen. Und über noch etwas staunte sie: „Alle Soldaten trugen federleichte Schuhe. Man hörte keine Schritte.“

Waltraud Rehren: Der Wald als Versteck

„Die ständigen Bombardierungen von Hannover – es waren Tage der Angst. Was kommt? Was wird? Können wir im Dorf bleiben?“ Am 10. April 1945, „ein schöner Frühlingstag“, war Waltraut Rehren aus Hiddestorf knapp 16 Jahre alt. In ihrem Heimatort gab es zwei Kriegsgefangenenlager mit Polen und Russen. Am 10. April hatten sich viele Bürger in den Wald zurückgezogen, um das weitere Geschehen dort abzuwarten – auch Waltraut Rehren mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern. Ihr Vater sei Ende Januar 1945 eingezogen worden. „Es blieb wider Erwarten sehr ruhig.“ Die Amerikaner seien mit Militärwagen durch Hiddestorf gefahren. „Trotz des Kriegsendes schlief unsere Familie die ersten Tage danach noch in voller Montur, um sich jederzeit verstecken zu können."

Lisa Kistenmacher: Mütterliche Sorge um die Tochter

In Hemmingen-Westerfeld wurde am 10. April weder geschossen noch fuhren Panzer. Lisa Kistenmacher, damals 14 Jahre alt, erinnert sich, dass die amerikanischen Soldaten einen unbescholtenen Bürger ausgeguckt hatten, den sie vorn mit einer weißen Fahne auf einen Jeep setzten und mit dem sie durch die Ortschaft fuhren. „Ich weiß noch, wie mich meine Mutter an einem Baum vor den Blicken der Amerikaner versteckt hat. Ich war eine blonde junge Frau und körperlich schon gut entwickelt.“ Ihr Vater habe an dem Tag eine weiße Binde getragen. Er gehörte zur Organisation Todt, einer Bautruppe, und sei als Handwerker tätig gewesen. Schon am 11. April sei ihre Mutter mit ihr nach Hannover-Döhren gefahren: Dort hatte ein Textilgeschäft eröffnet.

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Eigentlich ist mit der mobilen Wand, die jetzt an der L 389 in Arnum steht, keiner zufrieden - die Kleingärtner nicht, an deren Kolonie sie errichtet wurde, das Land nicht, das die Wand aufgestellt hat, und die Arnumer allgemein auch nicht.

Andreas Zimmer 14.04.2015